HackFwd Build 0.10

Mit HackFwd (www.hackfwd.com) kreierte Xing-Gründer Lars Hinrichs im Juni 2010 einen Accelerator, der sich speziell auf Entwickler („Geeks“) fokussiert hat und diese in einer sehr frühen Phase ihrer Gründung unterstützt. Letztes Wochenende – ziemlich genau zwei Jahre nach der Gründung von HackFwd – gastierte der Hamburger Accelerator nun mit seinem Event HackFwd Build 0.10 in Berlin. Gründerszene war dabei und bringt einige Impressionen mit.

HackFwd vernetzt sich via HackFwd Build

Eine kleine Begriffsfindung vorab: Eigentlich möchte HackFwd weder als Inkubator (ein Venture-Capital-Investor, der selbst Firmen gründet) noch als Accelerator (ein Investor, der wenig Kapital und viel Mentorship in frühen Phasen beisteuert) verstanden werden. Dies mag zum einen mit Lars Hinrichs Abneigung gegenüber der Copycat-Favorisierung von Inkubatoren zu tun haben, andererseits auch damit, dass HackFwd versucht, vieles anders zu machen. Der Begriff des Accelerators wird HackFwd, das in Deutschland den Terminus „Pre-Seed“ salonfähig gemacht hat, wohl dennoch an vielen Stellen gerecht – alle, die sich ein eigenes Bild von HackFwd machen wollen, können sich dazu auch Gründerszenes Analyse zur Funktionsweise und den ersten Investments von HackFwd zu Gemüte führen.

Mit HackFwd Build 0.10 ist HackFwd seit letztem Jahr in Berlin aktiv, zuvor gastierte die Eventreihe auf Mallorca in gelöster Atmosphäre. Waren es beim ersten Event noch 19 Teilnehmern, erschienen nun über 100. Das Ziel? Auf den HackFwd-Build-Events geht es vor allem darum, dass die von HackFwd finanzierten Unternehmen die Fortschritte der letzten drei Monate präsentieren. Was zunächst einmal nach einer Werbeveranstaltung klingen mag, kristallisiert sich aber bei näherer Betrachtung als interessantes Get-Together vieler relevanter Persönlichkeiten und guter Talente heraus.

Zu den Inhalten von HackFwd Build 0.10

Insgesamt erstreckte sich das HackFwd Build 0.10 über vier Tage – beginnend mit einem Dinner am letzten Donnerstag bis hin zu einem Abschiedsfrühstück am Sonntag. Vor allem am Freitag und am Samstag spielten sich die wichtigsten Phasen des Events ab und dies über verschiedene Locations verteilt. Neben Work-Sessions und einer Mentoren-Beratung im Speed-Dating-Format wurden die partizipierenden HackFwd-Startups auch in Form von Vorträgen weitergebildet. So referierte etwa Gameforge-Gründer Klaas Kersting darüber, wie das eigene Unternehmen frei von Arschlöchern gehalten werden kann oder Noah-Macher Marco Rodzynek erzählte vom Prozess des Unternehmensverkaufs. Das Lineup der Speaker war insofern ungemein hochwertig, sprachen doch etwa auch Telekom-Chef René Obermann oder Skype-Gründer Niklas Zennström zu den geladenen Gästen.

Und während die Gründer der von HackFwd geförderten Startups angeblich meist sehr talentiert sein sollen, tummelten sich so auf dem Event auch wichtige Entscheider der Branche. HackFwd folgt somit dem Gedanken, dass den partizipierenden Startups nicht nur in den Bereichen Tech und Business geholfen wird, sondern es geht vor allem auch darum, eine starke Community aufzubauen, die sich international vernetzt und austauscht. Dazu gehören dann etwa auch das Pitching-Format Pitch-in-Berlin oder ein Ideenwettbewerb für Unter-18-Techies via Hacknow.org. Wie genau sich die HackFwd-Eventreihe dabei schon entwickelt hat, zeigt auch dieses Video.

Fazit: Spannende Nische, gute Umsetzung

Mit HackFwd vermochte es Lars Hinrichs, eine interessante Nische für sich zu besetzen – sowohl vom zeitlichen als auch vom inhaltlichen Fokus. Die Konzentration auf technisch orientierte Gründer bietet viele Vorteile und versorgt HackFwd mit Talenten, die sich andere Inkubatoren und Investoren nur wünschen können. Gepaart mit einem starken Netzwerk und dem Einstieg in einer sehr frühen Phase ergibt sich ein Konstrukt, das sich auch auf dem Hack Build 0.10 als viel versprechend präsentiert hat.

Kontroverses bleibt womöglich dennoch nicht aus: Sicherlich ist Lars Hinrichs manchmal auf eine hanseatisch charmante Art etwas verschroben, aber hat man erst einmal verstanden, dass der Hamburger Unternehmer in seinem Umgang eigentlich sehr authentisch ist und seine Angelegenheiten selbst mit viel Herz verfolgt, lässt sich auch leichter über die eine oder andere Holprigkeit hinwegschauen. Vor allem zeigt sich in der Umsetzung von HackFwd an vielen Stellen eine gewisse Akribie und Konzeptorientiertheit, die den Accelerator zu einem starken Player in einer attraktiven Nische macht. Alles in allem entsteht so eine ganz eigene HackFwd-Magie, die sich auf Events wie diesem hautnah miterleben und in der unten stehenden Bildergalerie nachträglich betrachten lässt.