Was kommt nach HackFwd?

Aus und vorbei für HackFwd: Lars Hinrichs will keine Startups mehr in seinen Inkubator aufnehmen. Fehlt der Startup-Szene hierzulande ein deutscher Y Combinator? Oder gibt es ohnehin zu viele Inkubatoren und Accelerator-Programme? Gründerszene hat fünf Szenekenner nach ihrer Meinung gefragt.

Thomas Grota, Investment Director T-Venture Holding

„Die Lessons learned von Lars unterschreibe ich. Hinzu kommt: Incubation in Europa ist aufgrund der fehlenden Exit-Märkte schwierig. Wir haben zum Beispiel in USA gerade Embark an Apple verkauft. In Europa wäre so ein Early-Stage-Deal unmöglich. In Europa geht nur „grow big or go bust“, leider. Die charmanten und wertschaffenden „Aquihires“ zu großen Unternehmen sehe ich in Europa nicht. Das klappt vielleicht unter Startups wie Gidsy/GetYourGuide in der aktuellen Vergangenheit. Diese Form des Exits is ein Vorteil des Valleys, den wir noch adaptieren müssen.“

Christoph Gerlinger, CEO und Vorstand German Startups Group

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„Deutschland ist ein führendes Land des Geists, der Ideen und Innovationen – natürlich braucht Deutschland eine lebendige, vielfältige Szene von Inkubatoren, Acceleratoren und Venture-Capital-Geber mit verschiedenen Ausrichtungen und Spezialisierungen für alle Phasen von Unternehmen, vom Startup bis zum autarken Marktteilnehmer. Deshalb finde ich es schade, dass Lars nun HackFwd aufgibt. Vielleicht hat er einfach nur nicht genug Startups in sein Programm aufgenommen, um einen durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen. Niemand von uns kann die Zukunft voraussehen. Deshalb ist es wichtig, ein breites Startup-Portfolio zu bauen. Die enormen Wertsteigerungen bei den „Hits“ kompensieren dann über einen gewissen Betrachtungszeitraum die anzahlmäßig typischerweise deutlich überlegenen Fehlschläge.“

Jens-Uwe Sauer, Geschäftsführer und Gründer Seedmatch

„HackFwd war vorbildlich, weil sie ihre Beteiligungsverträge samt Konditionen offen ins Netz gestellt haben und einen sehr transparenten Ansatz verfolgt haben. Damit waren sie Vorreiter in einer Branche, die in diesem Punkt tendenziell lieber nebulös bleibt. Wenngleich das Startup-Ökoystem in Deutschland deutliche Schritte nach vorn gemacht hat, stehen wir erst bei 30 Prozent von dem, was der Benchmark USA bietet. Um weiter aufzuschließen, ist jeder Akteur wertvoll und willkommen.“

Jan Beckers, CEO und Gründer Hitfox Group

„Deutschland hat bereits heute vergleichsweise viele Inkubatoren beziehungsweise Company Builder. Ein Großteil davon funktioniert allerdings nur mäßig und liefert den Gründern nicht genügend Mehrwert im Vergleich zu einem Alleingang. Je länger Inkubatoren am Markt sind, desto höher die Transparenz bezüglich ihrer Leistung. Mittelmäßige Inkubatoren werden deshalb künftig keine guten Gründer mehr anziehen. Die Konsolidierung der Inkubatorenlandschaft wird sich hierdurch beschleunigen. Gründern würde ich den Tipp geben sich vor einer Entscheidung für einen Inkubator Referenzen von bestehenden Start-ups einzuholen.“

Binh-An Tran, CTO und Mitgründer Cleverlize (Wayra-Accelerator)

„Meiner Meinung nach brauchen wir in Deutschland nicht einen neuen deutschen Y Combinator, welcher nur 15 Startups unterstützen kann. Sondern eine Startup-Kultur, von der alle Startups profitieren können. Nur ein paar erfolgreiche Exits können der ganzen Gründerszene nicht helfen. Ein gutes Startup-Umfeld verbessert die Gründerszene langfristig um ein Vielfaches.“
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