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Halle Berry ist Oscar-Preisträgerin, sie war eine der bestbezahlten Schauspielerinnen in den 2000ern und an der Produktion mehrerer Filme beteiligt. In den vergangenen Jahren hat sie ihren Fokus ganz bewusst in Richtung Business verschoben: Berry gründete eine Produktionsfirma, startete eine Parfüm-Marke und kaufte einen 50-prozentigen Anteil am Lingerie-Unternehmen Scandale. Nun startet sie Hallewood.com neu, ihre eigene Plattform für Inhalte zu Themen wie Gesundheit und Fitness, Familie, Schönheit oder Style.

Wir haben Halle Berry beim Finale des Social-Startup-Wettbewerbs Chivas Venture in Hollywood getroffen. Im Gespräch mit Gründerszene verrät sie, was sie antreibt, wie sie mit Fehlschlägen umgeht und welcher Rat ihr am meisten geholfen hat.

Halle, Du bist eine erfolgreiche Schauspielerin, als erste und bislang einzige afroamerikanische Frau hast Du einen Oscar gewonnen. Nun bist Du auch Geschäftsfrau, relaunchst gerade Deine eigene Online-Plattform Hallewood.com. Was treibt Dich an?

Eine der klügsten Sachen, die ich je gemacht habe, ist mich auf Dinge zu fokussieren, die ich wirklich mag. Das klingt etwas platt, aber es ist unglaublich wichtig, etwas zu finden, das Du mit Leidenschaft machst. Dann willst Du härter arbeiten und in dem wachsen, was Du tust. Dann sagst Du nie zu Dir selbst „Gottseidank ist Freitag“, weil Du die Arbeit gerne machst.

Wenn Du beide Bereiche vergleichst – Schauspielerei und Business – gibt es Gemeinsamkeiten?

In beiden Fällen ist eine einwandfreie Arbeitsethik nötig: Sich daran halten, was man sich vornimmt. Man sollte verstehen, dass man jeden Tag pünktlich da sein, nett, rücksichtsvoll und makellos sein muss. Dafür respektieren einen die Menschen und das macht den Arbeitsalltag einfacher. Und man bekommt mehr erledigt. Es ist aber auch wichtig, sich nicht überfordern und zu wissen, dass es okay ist, mal nein zu sagen.

Gibt es einen Ratschlag, den Du einmal bekommen hast und der bei Dir hängen geblieben ist?

Oh ja: anderen zuzuhören. Wir glauben ja gerne, wir wüssten alles schon. Deswegen ist es wichtig, immer Leute um sich herum zu haben, die schlauer sind als man selbst – und die es eben wirklich wissen.

Unternehmer müssen mit Fehlschlägen umgehen können. Wie machst Du das? Sicherlich wird in Deiner Karriere immer wieder mal etwas nicht so geklappt haben, wie Du es Dir vorgestellt hast.

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Das ist wahrscheinlich öfter der Fall gewesen als andersherum. (lacht) Ich glaube, das ist auch bei vielen Unternehmen so. Fehlschläge sind Teil des Wachstums, jeder Unternehmer muss immer damit rechnen. Ich schaudere etwas beim Wort Fehlschlag – was ist das eigentlich? Wenn Dinge mal nicht so laufen wie geplant sage ich mir immer: „Heul nicht rum und mach weiter!“ Ich lecke kurz meine Wunden und dann geht es weiter. Klar, ich habe etwas nicht geschafft, eine Rolle nicht bekommen oder einen Preis nicht gewonnen. Aber morgen geht die Sonne wieder auf und es gibt neue Gelegenheiten.

Was waren die größten Fehler, die Du als Geschäftsfrau gemacht hast?

Es ist wichtig, die richtigen Partner zu finden. Wenn ich gemerkt habe, dass etwas nicht gut läuft, waren wir meistens nicht auf einer Wellenlänge. Man muss sich unter Partnern wirklich sicher sein, dasselbe Ziel zu verfolgen– und dasselbe vom Unternehmen zu erwarten.

Wie findet man das heraus?

Indem man viel mit den Leuten spricht. Man schaut sich an, ob sie in der Vergangenheit zu ihrem Wort gestanden haben. Dafür braucht man echte Beweise. Sonst kann ja jeder dem anderen einfach das erzählen, was er hören will. Der Track Record ist wichtiger als die Präsentation, die man vorgeführt bekommt.

Und wenn man doch mal daneben gelegen hat?

Dann muss man flink und geschickt reagieren. Wenn ein Plan nicht aufgeht, sollte man schnell zu Plan B wechseln. Oder Plan C. Es ist nicht gut, nur ein festes Ziel zu haben und das dann stur zu verfolgen.

In der Schauspielerei gab es schon immer naturgemäß viele Frauen. Eine Firma zu gründen und zu führen ist währenddessen immer noch zu oft Männersache. Wie lässt sich das ändern?

Langsam ändert sich das ja zum Glück. Aber echte Veränderung braucht ihre Zeit. Meine Tochter ist neun Jahre alt und man erkennt schon jetzt in ihrer Generation das Bewusstsein, als Frau keine Einschränkungen mehr zu haben. Dafür müssen wir aber selbst kämpfen, für Gleichberechtigung, für gleiche Gehälter, für gleiche Ausbildung. Erfolgreiche Frauen sind in der Pflicht, über ihre Erfolge zu sprechen, damit sie andere Frauen inspirieren und ihnen klar machen, dass sie die gleichen Möglichkeiten haben.

Was macht aus Deiner Sicht einen erfolgreichen Gründer aus?

Er muss natürlich ein tragbares Geschäftsmodell finden. Wie will er die Welt beeinflussen? Geht es um ein großes Problem oder um ein kleineres, aber dennoch wichtiges Problem, das viele Leute betrifft? Das Wichtigste bleibt aber Leidenschaft – und die spürt man meist sofort, wenn man mit einem guten Gründer spricht.

Neben der Schauspielerei und Deinen Unternehmungen engagierst Du Dich auch sozial. Welche Projekte liegen Dir da am Herzen?

Vor allem sauberes Wasser. Hier in den USA ist das für uns selbstverständlich. Häufig verschwenden wir es sogar. Und wir verstehen gar nicht, wie ein Leben ohne Trinkwasser aussehen würde. Ich habe in diesem Bereich an einigen Projekten gearbeitet und mir ist klar geworden, welch ein Luxus sauberes Wasser wirklich ist. Zusammen mit der UN habe ich mich bei World Food Program engagiert und war unter anderem mit meiner Tochter in Nicaragua, damit sie sehen kann, dass viele Menschen nicht eine ordentliche Mahlzeit am Tag essen können. Hier in den USA unterstütze ich ein Zentrum für geschlagene Frauen – man spricht ja oft über das Elend in der Welt, und man sollte das tun, aber man darf auch nicht die Probleme vor der eigenen Haustüre vergessen.

Schauspielerei, Unternehmertum und Philanthropie – findest Du es schwer, all das mit dem Muttersein zu vereinbaren?

Es ist fast unmöglich, das immer wirklich richtig zu jonglieren. Ich versuche es – aber am Ende muss stets etwas zu kurz kommen. Manchmal muss ich mich mehr um meine Arbeit kümmern und die Mutterrolle tritt zur Seite. Wenn ich etwas weniger arbeite, bekommen die Kinder den Löwenanteil meiner Zeit. Am Ende muss ich eine gute Balance suchen – wirklich finden werde ich sie aber nie. Und das ist auch okay so, anders geht es nicht. Das Gute ist, dass meine Kinder mich als arbeitstätige Mutter miterleben und schon früh lernen, wie man im Leben funktionieren muss.

Halle, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Josh Brasted / Kontributor, Getty Images/ Steve Granitz; Disclaimer: Die Veranstaltung in Los Angeles fand auf Einladung von Pernod Ricard statt.