Wonderloop-Gründerin Hanna Aase

Wonderloop-Gründerin Hanna Aase

Wonderloop: eine „Leute-Suchmaschine“

„Ich denke, von allen iPhone-Apps waren wir die beste.“ An Selbstvertrauen mangelt es Hanna Aase genauso wenig wie an Ehrgeiz. Die gebürtige Norwegerin ist die Gründerin von Wonderloop, einer Videoplattform für Profile. Auf der diesjährigen Burda-Konferenz DLD pitchte sie ihre Idee vor potenziellen Investoren. „Wir waren das sexieste Produkt in diesem Jahr. Sexy, social, neu, innovativ.“ Statt mit Kurzbiografien und Profilfotos sollen die Mitglieder auf Wonderloop (www.wonderloop.me) in kurzen Videos erklären, wer sie sind und was sie machen. „Das ist viel authentischer und verrät viel mehr über die Person“, wirbt die Gründerin.

Wonderloop soll eine Art soziales Netzwerk werden, eine Personensuche – wie LinkedIn, nur etwas weniger businesslastig. „Außer Dating-Plattformen gibt es kaum brauchbare Tools, um neue Menschen kennenzulernen.“ Weil man die Mitglieder auf Wonderloop wirklich sehen kann, sei es der effizienteste und transparenteste Weg zu Networken. Das hofft zumindest Hanna Aase. Über ihre App können Nutzer sich zum Kaffee verabreden – und sie haben die Möglichkeit, zwei befreundete Mitglieder einander vorzustellen. Viel mehr Features soll die Plattform auch gar nicht haben, sagt die Gründerin. „Nur Videoprofile, das war’s.“ Identität 3.0 nennt sie das.

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Während Facebook eher für den privaten Gebrauch ist, und LinkedIn, Xing oder auch About.me für Geschäftsbeziehungen, wettet Aase darauf, dass die Grenzen in Zukunft viel stärker verschwimmen werden. Zudem seien die Plattformen mit Lebensläufen und Chroniken zu sehr auf die Vergangenheit bezogen. „Bei Wonderloop geht es nicht darum, was Du gemacht hast, sondern was Du gerne machen möchtest“, erklärt die Norwegerin. Ohnehin sei keine der Plattformen darauf optimiert, dass Nutzer darüber wirklich neue Leute kennenzulernen.

Wie sie mit Wonderloop Geld verdienen will? „Zuerst müssen wir das Vertrauen der Nutzer gewinnen und die Vorteile der App erklären“, sagt die Gründerin. Werbung jedenfalls soll es vorerst nicht geben. „Menschen bezahlen gerne dafür, neue Kontakte aufzubauen. Das sieht man ja immer wieder bei Konferenzen und anderen Events.“ Das klingt nach einer Monetarisierung über Premium-Angebote. Ganz konkret will sie die Frage nicht beantworten, auch weil sie derzeit eifrig nach Investoren sucht und sich nicht öffentlich in die Karten schauen lassen will. Eine Million Dollar wünscht sie sich. Um aus Wonderloop eine richtige „Leute-Suchmaschine“ zu machen, werden natürlich weitere Runden notwendig sein. Sieben Mitarbeiter hat ihr Team derzeit.

Frühe Rückschläge

Bislang hat sie alles selbst aufgebaut und finanziert. Der Anfang von Wonderloop liegt weit zurück und war holprig: Mit 14 Jahren verliert sie Ihre Eltern, erbt ein Haus und lebt von den finanziellen Mitteln, die ihr als Waise zur Verfügung gestellt werden. Über die Jahre nimmt sie viele Jobs an und kann etwas Geld zur Seite legen. Gute zwischenmenschliche Kontakte sind ihr seitdem sehr wichtig, sagt sie. So sei auch die (erste) Idee für ihre Plattform entstanden.

Bis die Pläne konkret wurden, dauerte es aber noch einige Jahre. Erst als Smartphones und mobile Apps boomen, so sagt sie, „war das Konzept rund“. Als sie sich dann in Norwegen für eine staatliche Förderung bewirbt, wird sie abgewiesen. „Auch weil man bei den Behörden nicht verstanden hat, was in Wonderloop steckt“, sagt Aase wieder im auffallend selbstbewussten Ton. „Das war ein richtiger Tritt in den Hintern.“ Man habe für Online-Modelle wenig Verständnis in den Behörden gehabt – und nicht verstanden, wie wichtig das Internet für die Zukunft sei. Also fliegt sie in die USA, nimmt einen nicht unwesentlichen Kredit auf und gründet ihr Startup in New York. Ins Silicon Valley sei sie bewusst nicht gegangen. „Dort bekommt man einen verfälschten Eindruck der Welt, weil alle Geeks sind.“ Von der Ostküste versprach sie sich neutraleres Feedback. „Allerdings versteht man dort Apps nicht, das ist schon ein Problem.“

Dass ihre App niemals intimer sein kann als das echte Leben, ist der Norwegerin durchaus bewusst. „Aber wir können näher dran kommen“, glaubt sie dennoch. Um sich für den Dienst zu registrieren, muss man ein 20-sekündiges Videoprofil aufzeichnen. Darin vorkommen soll der Name und was man gerne einmal machen möchte. „Es kommt gar nicht unbedingt darauf an, was genau gesagt wird. Aber 20 Sekunden Video können eine ganze Menge über eine Person aussagen.“ Mehrere Hundert Videoprofile sind bereits freigeschaltet, die Warteliste sei lang.

„Kein Chat mit anonymen Fremden“

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Finden kann man potenzielle Gleichgesinnte derzeit über Interessen-Hashtags, Orte, einen Feed mit den neuesten Anmeldungen oder über vom Team ausgesuchte Featured-Profile finden. Personen in der Nähe werden ebenfalls angezeigt – auch wenn der Gründerin durchaus bewusst ist, dass das schnell in eine Art Dating-Funktion umschlagen könnte. Auch deshalb würden die Profile vom Team streng kontrolliert. Künftig soll über die Daten aus Facebook-Profilen ausgewertet werden, mit wem man sich am wahrscheinlichsten gut verstehen würde. „Freunde werden dann natürlich ausgeschlossen“, sagt die Norwegerin. „Aber mit Freunden von Freunden versteht man sich in der Regel gut.“ Auch nach dem Alter der Personen unterscheidet der Wonderloop-Algorithmus.

„Es kommt einem dann nicht so vor, als würde man mit anonymen Fremden chatten.“ Dass sich selbst viele eingesessene Facebook-Aficionados erst noch an das Bewegtbild gewöhnen werden müssen, weiß Aase. „Wir müssen die Leute von Video überzeugen, so wie Facebook die Nutzer von Fotos überzeugt hat. Das geht nur über eine gute Community. Alle Profile werden dabei vom Wonderloop-Team auf offensichtliche Fehler gescannt, weshalb es auch derzeit noch eine Warteliste gibt – und weshalb das Wonderloop-Modell ein vergleichsweise personalintensives ist. Die weitere Kontrolle übernimmt dann allerdings die Nutzerschaft: Sollte ein Nutzer glauben, an einem Profil sei etwas faul, kann er es melden.

Und der Wettbewerb? Längst haben sich andere Plattformen mit einem ähnlichen Modell aufgestellt. „Wir müssen jetzt schnell sein, um am Markt bestehen zu können.“ Aase ist überzeugt vom Netzwerkeffekt ihrer Plattform. Facebook, Twitter, Linkedin & Co. sieht Aase dabei nicht unbedingt als Konkurrenz, sondern als Partner: „Hat man jemanden auf Wonderloop kennengelernt, folgt der nächste Schritt auf diesen Plattformen. Unser Job ist dann getan.“

Bild: Alex Hofmann / Gründerszene