Hannes-Kloepper iversity Startup-Helden

Hannes Klöpper (30, oben) gründete Iversity gemeinsam mit Jonas Liepmann, welcher seit Mai 2013 nicht mehr operativ im Startup tätig ist.

„Startup-Held“ Hannes Klöpper im Interview

Das Internet hat schon lange Einzug in die Hochschulbildung gehalten. Nach der Einführung von universitätseigenen Informationsportalen erhielten in den vergangenen zwei Jahren Plattformen Auftrieb, die eine Universitätsbildung von zuhause ermöglichen. Das Bernauer Startup Iversity bietet seit Oktober 2013 kostenlose „Massive Open Online Courses“ (MOOC) zu verschiedensten Themen wie Medizin oder Design, die das Studium ergänzen oder interessierte Nicht-Studierende weiterbilden sollen.

Dabei sah das Konzept anfangs ganz anders aus: Hannes Klöpper hatte Iversity 2008 gemeinsam mit Jonas Liepmann als Learning-Management-System gegründet – einen Dienst, mit dem Professoren und Studierende ihre Kurse organisieren können. 2012 entschieden sie sich, das Geschäftsmodell zu ändern und eine europäische MOOC-Plattform zu gründen. Rund 450.000 Nutzer hat Iversity heute und beschäftigt derzeit 28 Mitarbeiter.

In der Reihe „Startup-Helden“ spricht Mitgründer Hannes Klöpper über den Sinneswandel und die Universitätsbildung der Zukunft.

Vier Jahre nach Gründung habt Ihr die Unternehmensidee komplett gedreht. Warum?

Anzeige
Ursprünglich war Iversity als eine Plattform für „blended learning“ gedacht, auf der Studierende und Professoren parallel zur Präsenzlehre kommunizieren konnten. Das wurde auch ganz gut angenommen, aber als 2012 das MOOC-Phänomen aufkam, haben wir uns entschlossen, die Plattform komplett neu auszurichten. Heute bieten Professoren bei uns kostenfreie Online-Lehrangebote für jedermann an. Beiden Ideen gemein ist, dass wir uns nicht damit abfinden wollten, dass das Internet an Hochschulen nur dafür genutzt wird, PDFs hoch- und herunterzuladen.

Das Akquirieren von Dozenten und die Erstellung der Videos ist sicher sehr aufwändig. Wie viel Zeit investiert Ihr, bis ein Video online gehen kann?

Dieser Prozess liegt in den Händen der Lehrenden, die das Ganze zumeist zusätzlich zu ihren sonstigen Lehrverpflichtungen und aus persönlichem Engagement leisten. Die Vorlaufzeit bis zur Fertigstellung eines Online-Kurses ist daher relativ lang, im Schnitt zwischen drei und fünf Monaten. Es dauert einige Zeit, bis alle Details der Kooperation mit den Dozenten und Hochschulen geklärt sind. Dann müssen Videos produziert, Quizzes und Examen erstellt werden und vieles mehr. Einmal fertiggestellt, können die meisten MOOCs aber immer wieder verwendet werden.

Wie viele Hochschulen akzeptieren bisher Iversitys Online-Credits (ECTS) und wie schwierig war die Entwicklung?

„Iversity Credit Points“ im wörtlichen Sinne gibt es nicht. Die Hochschulen, die Kurse bei uns anbieten, können jedoch ECTS-Leistungspunkte vergeben. Wichtig für die Anerkennung ist die Frage der Gleichwertigkeit. Natürlich kann ich mir nicht Statistik I auf Statistik II anrechnen lassen. Bei Gleichwertigkeit der Kursleistungen besteht jedoch neuerdings seitens der Hochschulen eine Pflicht zur Anerkennung – was vieles erleichtert. Und grundsätzlich ist Studierendenmobilität ja gewünscht. Das schließt eben die virtuelle Mobilität mit ein.

Wie wird sich die Universitätsbildung in Zukunft noch weiter entwickeln?

Digitale Angebote werden zunehmend Eingang in den etablierten Hochschulbetrieb finden. Immer mehr Studierende drängen an die Hochschulen, so dass diese schon jetzt ein Kapazitätsproblem haben. Digitale Lehrangebote können da Abhilfe schaffen. Sie ermöglichen ganz neue Lehrmodelle. Jeder kann Kurse aus der ganzen Welt besuchen. Viele Studierende werden in Zukunft ausgewählte Kurse komplett online belegen – etwa, um sich zu spezialisieren. Und eine digital unterstützte Präsenzlehre schafft mehr Zeit für Vertiefung und persönliche Betreuung.

Welche Tipps möchtest Du Gründern nach Deinen eigenen Erfahrungen mit auf den Weg geben?

Anzeige
Wer an seine Idee glaubt, darf sich nicht entmutigen lassen. Rückschläge darf man sich nicht zu Herzen nehmen. Und man braucht Mitstreiter. Ohne ein motiviertes Team bleibt die beste Idee eben genau das: eine Idee. Die Herausforderung der internen Organisation ist nicht zu unterschätzen, gerade wenn das Unternehmen wächst. Außerdem ist es nur zu leicht, sich vor lauter guter Ideen zu verzetteln. Priorisierung ist der Schlüssel zum Erfolg. Man kann nicht alles planen. Aber man sollte es versuchen. Dann merkt man früher, wenn etwas schief läuft.

Bild: Mareike Müller