„Ich liebe Tesla“ – Frank Thelen outet sich als Tesla-Fahrer

Eigentlich sollte es in der ARD-Diskussionssendung „Hart aber fair“ um die Gefahren des Smartphones gehen. Die Sendung trug den schönen Titel: „Immer online – machen Smartphones dumm und krank?“ Aber schnell wurde klar, dass diese Geräte ja nur die Spitze eines Eisbergs sind, der Digitalisierung heißt. Und so nahmen die zum Teil heftigen Streitereien ihren Lauf.

Die Vermüllung der Gehirne

Als professioneller Schwarzseher, wenn es um negative Effekte von Computer- und Smartphonegebrauch geht, saß der bekannte Buchautor, Psychiater, Psychologe und Hochschullehrer Manfred Spitzer am Tisch. Er zauberte aus seinem scheinbar grenzenlosen Reservoir an Studien immer wieder Zahlen hervor, die den Zuschauer frösteln ließen. Unter dem Strich sagte Spitzer: Computer, Tablets und Smartphones sind Gift für unsere Kinder, vermüllen ihre Gehirne und machen damit nebenbei die großen Digitalkonzerne wie Apple oder Microsoft reich.

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Für einen Wissenschaftler ist das schon eine außergewöhnlich undifferenzierte Sicht – mit der sich auf dem Buchmarkt offenbar ordentlich Geld verdienen lässt. Spitzers neuestes Buch heißt übrigens: „Cyberkrank!: Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert“. Spitzer betont häufig, dass er ja nur Fakten referieren würde, die durch Studien bewiesen seien. Ähnlich wie Thilo Sarrazin. Wir haben erneut gelernt: Zahlen sind eben nicht alles.

Analaphabeten der Zukunft

Am anderen Ende der diskursiven Fahnenstange hielt der Investor und Höhle-der-Löwen-Star Frank Thelen flammende Plädoyers für eine schnellere Digitalisierung in Deutschland. Ohne das Erlernen von Programmiersprachen seien unsere Kinder nach Thelens Ansicht die Analphabeten der Zukunft. Deutschland verlöre seine Rolle als herausragende Wirtschaftsnation und überhaupt: „Zu wenig Internet tötet die deutsche Wirtschaft“. Spitzer nannte er kurzerhand einen Bedenkenträger. Und die könne man gerade überhaupt nicht gebrauchen.

Eine vermittelnde Rolle nahm der bekannte Fernseh-Erklärbär Ranga Yogeshwar ein. „Es gibt immer beide Seiten.“ Eine Aussage, die in fast allen Fällen richtig ist und die trotzdem für ganz viel zustimmendes Kopfnicken sorgte. Yogeshwar glaubt, dass wir derzeit dabei sind, in die neuen digitalen Zeiten hinein zu wachsen und dass sich eine Kultur jetzt gerade erst herausbildet. Yogeshwar nannte das „Einschwingphase“. Es gibt also noch Hoffnung.

Und was wird aus der Aldi-Kassiererin?

Hoffnungslos scheint die Lage der Gewerkschaften. Leni Breymaier, Gewerkschafterin und SPD-Politikerin, würde all diese modernen Geräte am liebsten abschalten. Aber auch sie hat inzwischen gelernt, dass das nicht geht. Breymaier sorgt sich um die kostbare Freizeit der Arbeiter und Angestellten und um die Arbeitsplätze. Aber anstatt sich Gedanken zu machen, ob es vielleicht in Zukunft andere Arbeit gibt oder andere Möglichkeiten, seine Arbeit zu erledigen, fordert die Politikerin lieber neue Regularien und Gesetze. Klar. Sonst ist sie als Politikerin bald selber arbeitslos.

Und dann war da noch die Social-Media-Volontärin der ARD, Duygu Gezen. Sie outete sich furchtlos als „Smombie“ und erzählte, dass sie in ihrem Bett zwischen iPhone und iPad liege. Die väterliche Replik von Ranga Yogesh: „Das ändert sich irgendwann! Dann liegt da ein Mann!“

Es gibt offenbar noch viel zu tun und zu besprechen, wenn es um die Digitalisierung in Deutschland geht. Immerhin gibt es großes Interesse. Wir freuen uns jedenfalls auf die nächste Diskussionsrunde zu diesem Thema. Und hier könnt ihr die Sendung sehen:

Foto: Screenshot/ARD/Hart aber fair