dr. becker hausmed

Norddeich, Ostfriesland: Eine der Kliniken der Unternehmensgruppe Dr. Becker

Klinikgruppe Dr. Becker will HausMed fortführen

Die E-Health-Portal HausMed wird von der Klinikgruppe Dr. Becker übernommen. Das Berliner Startup war im Januar in die Insolvenz gerutscht und seither auf Käufersuche. Der damit betraute M&A-Spezialist Eventurecat hoffte im Februar noch, „das Unternehmen und möglichst viele Arbeitsplätze erhalten“ zu können.

Das hat nur zum Teil geklappt: Denn während die Angebote und Leistungen von HausMed fortbestehen, verlieren sämtliche Mitarbeiter des Startups ihren Job. 15 Leute sollen bei dem Startup zum Schluss noch beschäftigt gewesen sein, im Januar waren es nach Angaben des damaligen Geschäftsführers Sascha Bilen noch 20.

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Das Kölner Klinikunternehmen Dr. Becker, bei dem insgesamt 1.650 Mitarbeiter beschäftigt sind, akquiriert für einen nicht genannten Betrag allein die Assets des Startups: Produkte, Marken, Nutzungsrechte und Lizenzen. Die Leistungsangebote würden nun in die eigene Unternehmensorganisation integriert werden, so der Konzern.

Dabei will die Unternehmensgruppe „das bestehende Angebot überarbeiten und noch verfeinern“, kündigt Geschäftsführerin Petra Becker an. So wolle man das Portfolio um einen Fokus auf psychische Gesundheit erweitern, zudem in Zukunft nicht nur mit Hausärzten, sondern auch mit Kliniken und externen Gesundheitsdienstleistern zusammenarbeiten.

Wird das Klinikunternehmen – das nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Euro im Jahr umsetzt – das Portal erfolgreicher entwickeln können als das Startup? „Wir haben den Vorteil, dass wir den Markt aus einer Vielzahl verschiedener Blickwinkel kennen“, erklärt Michael Schiffgen, Leiter Geschäftsfeldentwicklung bei Dr. Becker, gegenüber Gründerszene. „Wir sind bereits in den verschiedensten Geschäftsfeldern im Gesundheitsbereich tätig. Dadurch ergeben sich noch deutlich intensivere Vernetzungsmöglichkeiten.“

Das Startup hatte das eigene Scheitern im Januar mit einer Fehleinschätzung der Marktentwicklung erklärt. „Wir haben einen großen Apparat aufgebaut bei Umsätzen, die sich nicht wie erwartet entwickelt haben“, so Sascha Bilen damals. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, der sich mit seiner Investmentfirma Alstin an HausMed beteiligt hatte, nannte im Interview mit Gründerszene noch einen anderen Grund: Der ebenfalls an dem Startup beteiligte Hausärzteverband habe keinen guten Einfluss genommen. „Als Investor kommt man ja nicht darauf, dass der Hausärzteverband ein Hausärzteportal nicht einmal selbst auf die Reihe bekommt“, so Maschmeyer. „Verbände funktionieren nicht wie rationale, effektive Unternehmen.“

Bild: Dr. Becker Unternehmensgruppe