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Der Heftig-Gründer Peter Schilling auf der Online-Marketing-Rockstars-Konferenz

Die einen bezeichnen die Portale von Media Partisans als Viralschleudern, die anderen fühlen sich von ihnen herrlich unterhalten. Mit reißerischen Geschichten ist Heftig.co bekannt geworden. Es sind Überschriften wie diese, die Tausende Nutzer auf Facebook dazu animieren, einen Text auf der Seite des Portals zu klicken: 

„Taucher befreit Hai von Seil, das in seine Haut schneidet.“ Oder: „Im Moment seines Todes bekommt das Baby ein neues Herz.“ Oder: „Unvorstellbar: Nahtoderfahrung öffnet Bergsteiger die Augen.“

Media Partisans erzielt damit nach eigenen Angaben eine Milliarde Views auf Facebook und hat dort mehr als 43 Millionen Fans. 43 Portale hat das Unternehmen mittlerweile weltweit. Sie heißen beispielsweise Leckerschmecker, Geniale Tricks oder Tierfreund.

2014 haben die beiden Gründer Michael Glöß und Peter Schilling das Unternehmen nach dem Vorbild von BuzzFeed, Upworthy und ViralNova gegründet. Heute arbeiten 73 Menschen für sie, die meisten vom Firmensitz in Potsdam aus.

Im vergangenen Jahr haben die Gründer die Mehrheit ihrer Firmenanteile an die Funke Mediengruppe verkauft. Welchen Preis sie dafür bekommen haben, kommunizieren sie nicht. Das Unternehmen führen sie weiterhin. 

Im Interview erzählt Schilling, was seine neuesten Projekte sind und wie er darauf achtet, nicht auf Fake News reinzufallen. 

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Peter, an was arbeitet Ihr gerade? 

Im vergangenen Jahr haben wir eine eigene Videoproduktion aufgebaut, mit 16 Mitarbeitern. Das Videoteam musste sogar in ein extra Gebäude ziehen, weil sie in das bisherige in Potsdam nicht mehr reingepasst haben. Mit den Filmen fangen wir gerade an, uns auf Youtube eine Audience aufzubauen. Und vor Kurzem haben wir mit Starzoom ein Promi-Vertical gestartet. Auch in diesem Jahr soll es neue Verticals geben, da sind wir gerade in der Experimentierphase. 

In welche inhaltliche Richtung geht es?

Das verraten wir noch nicht, wir haben aber eine kleine Liste mit möglichen Verticals. Sagen können wir nur, dass wir sie auch in anderen Sprachen bringen wollen. Bisher posten wir in insgesamt elf Sprachen.

Wie macht Ihr die Videos eigentlich? Stellt Ihr die Geschichten auf Heftig.co nach?

Die meisten Mitarbeiter im Videoteam arbeiten für Leckerschmecker, Geniale Tricks und Gut für Dich. Sie drehen die Clips und produzieren sie. Für Heftig nutzen wir auch Material, das bereits da ist und schneiden es.

Welchen Umsatz habt Ihr 2016 gemacht?

Den kommunizieren wir nicht. Wir sind aber profitabel und haben das komplette Wachstum aus dem eigenen Cashflow geschafft. Ohne externen Investor. Bisher haben wir die Videoproduktion komplett querfinanziert und als Investition in die Zukunft gesehen. Da bemühen wir uns gerade um die Monetarisierung, wir wollen das Ganze mit Branded Video refinanzieren. 

Was rätst Du Gründern, die auf Facebook schnell wachsen wollen?

Es ist immer wichtig, Inhalte zu liefern, die Engagement erzeugen, also geteilt, gelikt und kommentiert werden. Im Fall von Heftig.co sind es die emotionalen, aufbauenden Geschichten, aber auch nützliche Themen. Nur ungewöhnlich müssen sie sein. Alles, was es schonmal gegeben hat, ist nicht gut. Wir beschäftigen dafür extra ein fünf Mann starkes Team, das entscheidet, welche Themen neu und ungewöhnlich genug sind.

Was wäre, wenn Facebook Euch in der Reichweite runterrankt?

Facebook ist der größte Traffic-Lieferant für uns, ist also schon super wichtig. Aber Facebook ist eine Plattform und liefert keine eigenen Inhalte. Der Konzern braucht Content, der für die Nutzer relevant ist – und wir optimieren unsere Inhalte dementsprechend. 

In Euren Geschichten geht es oft um tote Kinder oder schwerkranke Menschen. Warum bezeichnest Du sie als aufbauend?

Es ist natürlich so: Je dramatischer die Geschichte vorher, desto spektakulärer die Rettung. Unsere Geschichten sind schon sehr dramatisch, aber sie lassen den Leser nicht völlig zerschmettert zurück. Sie haben oft einen positiven Ausgang. Hate News machen wir nicht. Leser sollen die Texte mit ihren Freunden teilen, weil sie eine positive Botschaft haben und nicht, weil sie runterziehen.

Ihr beschäftigt keine Journalisten. Woher wisst Ihr, dass es sich bei den Themen nicht um Fake News handelt?

Wir achten darauf, dass wir keinen Quatsch erzählen. Es ist für den Leser nutzlos, wenn wir ausgedachte Geschichten als wahr verkaufen würden. Deshalb recherchieren wir immer, dass die Quellen stimmen. 

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Wie macht Ihr das?

Nicht mit einer journalistischen Recherche vor Ort, aber wir prüfen das online. Oft haben die Personen, um die es geht, beispielsweise eine private Facebookseite. Dort kann man sie auch kontaktieren. 

Und wenn es sich dabei um ein Fakeprofil handelt? 

Es gibt sicher Geschichten, bei denen man nicht dahinterkommt, dass sie nicht stimmen. Aber die meisten fliegen sehr schnell auf. Gerade in den sozialen Medien steht keiner isoliert da. Die Nutzer finden schnell heraus, wenn Thesen falsch sind und kommunizieren das öffentlich. Auch durch zusätzliche Quellen lassen sich Fake News oft leicht entlarven. Mit gesundem Menschenverstand und etwas Recherche finden wir so etwas schnell heraus.

Vielen Dank für das Interview, Peter!

Bild: Anne-Katrin Schade