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HelloFresh-CEO Dominik Richter

Der Kochboxen-Versand HelloFresh kündigt seinen Börsengang an. Das Berliner Unternehmen plant eine Notierung im Regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Börse. Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley werden den IPO des Rocket-Internet-Ventures begleiten.

Details zum Börsengang, beispielsweise den genauen Zeitpunkt und wie viel Geld eingenommen werden soll, verrät HelloFresh noch nicht. Momentan hält Rocket Internet 56,4 Prozent der Anteile, Insight Venture Partners 19,5 Prozent, Phenomen Ventures 9,4 Prozent, Vorwerk Direct Selling Ventures 4,6 Prozent, der jüngst eingestiegene Investor Baillie Gifford 2,9 Prozent und andere Aktionäre 0,6 Prozent. HelloFresh-Führungskräfte halten indirekt 6,6 Prozent an der Firma.

Bei dem IPO sollen vor allem neue Aktien ausgegeben werden. Die Altaktionäre planen, nur durch eine Platzierungsreserve Anteilsscheine abzugeben – also nur, wenn die Nachfrage das ursprünglich geplante Angebot stark überschreitet. Der zuletzt schwächelnde Aktienkurs von Rocket Internet stieg nach der Ankündigung um beinahe fünf Prozent (Stand: 9:45 Uhr).

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„In nur vier Jahren ist es uns gelungen, die traditionelle Lebensmittelversorgungskette aufzubrechen und auf der Grundlage eines überzeugenden, skalierbaren Geschäftsmodells ein globales Unternehmen aufzubauen“, lässt sich Dominik Richter, CEO von HelloFresh, zitieren. „Die Notierung unserer Aktien an der Börse wird unsere finanzielle Flexibilität stärken und somit unsere Wachstumsstrategie aktiv unterstützen.“

Erst Mitte September hatte der Kochboxen-Versender die Investition des schottischen Investmentfonds Baillie Gifford über 75 Millionen Euro verkündet – zu einer Unternehmensbewertung von 2,6 Milliarden Euro. Die vorhergehende Bewertung aus dem Februar dieses Jahres lag noch bei 624 Millionen Euro. Anlässlich des Investments im September hatte HelloFresh erstmals offen über die IPO-Option gesprochen: Es gebe eine „regelmäßige Prüfung möglicher Finanzierungsoptionen, darunter auch die eines potentiellen zukünftigen Börsengangs“.

Die Zahlen, die HelloFresh veröffentlicht hat, zeigen ein massives Wachstum. Demnach ist der Umsatz des Unternehmens in den ersten neun Monaten 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 384 Prozent gewachsen – auf fast 200 Millionen Euro. Man verzeichne außerdem über 530.000 aktive Abonnenten in sieben Ländern: Australien, Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Österreich und den USA. Die Definition von „aktiv“ ist allerdings sehr großzügig: So gibt HelloFresh an, dass zu den „aktiven Abonnenten“ alle „eindeutig identifizierbaren Kunden, die in den vergangenen 13 Wochen mindestens eine Kochbox erhalten haben“, zählen. Dazu gehören auch „Neukunden, Kunden, die eine kostenlose oder verbilligte Kochbox erhalten haben sowie Kunden, die während des entsprechenden Zeitraums eine Bestellung aufgegeben aber ihr Abonnement vor Ende des Zeitraums gekündigt haben“.

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Bisher hat HelloFresh keine Daten offengelegt, die auf eine Profitabilität der Firma schließen lassen. Das Ebitda lag in den ersten neun Monaten dieses Jahres bei etwa 57 Millionen Euro. Außerdem gibt HelloFresh noch das „Ebitda vor Marketingaufwendungen“ an: 19 Millionen Euro in demselben Zeitraum. Da HelloFresh mit zahlreichen Promo-Aktionen und Gutscheinen für sein Angebot wirbt, dürfte dieser Posten allerdings einiges ausmachen. Für den Erfolg von HelloFresh werde entscheidend sein, Kunden zur Wiederkehr zu bewegen, analysierte E-Commerce-Experte Nils Seebach kürzlich für Gründerszene. Die Nachhaltigkeit der Bestellungen sei ein großer Unsicherheitsfaktor.

HelloFresh gibt dazu an, in seinen Kundenbindungsraten eine niedrige Volatilität aufzuweisen. Es heißt: „Der durchschnittliche Customer Lifetime Value nach zwei Quartalen überstieg in der Vergangenheit die Kundenakquisitionskosten, und nach zehn Quartalen lag der durchschnittliche Customer Lifetime Value ungefähr 2,8-mal beziehungsweise ungefähr 180 Prozent über den Kundenakquisitionskosten.“ Es braucht also ein halbes Jahr, bis sich ein angeworbener Kunde für HelloFresh rechnet.

Bild: HelloFresh