Helpling-Gründer Benedikt Franke und Philip Huffmann (von links)

Helpling: In den nächsten Monaten in allen deutschen Großstädten

Nur fünf Prozent der Putzkräfte, die in deutschen Haushalten beschäftigt werden, arbeiten laut einer Statistik vom Institut der deutschen Wirtschaft legal. Die Vermittlungsplattform Helpling (www.helpling.de) will sich das zu Nutze machen: Seit dieser Woche vermittelt das von Rocket Internet unterstützte Startup zu niedrigen Preisen geprüfte Putzkräfte – um dem Schwarzmarkt Konkurrenz zu machen, wirbt das Unternehmen. Vorbild ist das im Sommer 2012 gestartete US-Startup Homejoy.

Rund 13 Milliarden Euro werden nach Angaben von Helpling im Reinigungsgewerbe in Deutschland jährlich umgesetzt. Diesen „Milliardenmarkt“ wollen die Gründer Benedikt Franke und Philip Huffmann, die schon vorher für den Samwer-Inkubator tätig waren, mit der Vermittlung von legalen und geprüften Reinigungskräften nun aufrollen. Im Interview sprechen die Gründer über ihr Geschäftsmodell, potentielle Kunden und die geplante Expansion.

Ihr habt Helpling zusammen mit Rocket Internet gegründet. Wie kam es dazu?

Franke: Beide Seiten haben sich das Modell angeschaut und dann hat es sehr gut gepasst.

Wer ist auf wen zugegangen?

Franke: Eigentlich war es eine Mischung. Als wir mit Rocket gesprochen haben, sind wir sehr schnell auf das Thema gekommen, auch deshalb, weil wir uns schon vorher mit dem Geschäftsmodell auseinander gesetzt haben. Das hat dann schnell sehr gut gepasst.

Wieso habt ihr Euch für eine Putzkraftvermittlung entschieden?

Huffmann: Weil es jeden betrifft und wir mit Helpling ein wirkliches Problem lösen. Aktuell gibt es keine Möglichkeit, schnell und einfach eine geprüfte und legale Reinigungskraft zu engagieren. Der Markt ist extrem intransparent und es fehlen standardisierte Lösungen, um eine Putzhilfe legal zu beschäftigen – derzeit sind rund 95 Prozent der Reinigungskräfte in Deutschland schwarz beschäftigt. Deswegen wollten wir die Dienstleistung mit Technologie verknüpfen und so unseren Kunden und den Reinigungskräften einen riesigen Mehrwert bieten.

Wie groß ist der Markt?

Huffmann: Putzkraftvermittlung ist ein absoluter Milliardenmarkt. Eine Reinigungskraft für eine Stunde kostet 12,90 Euro, durch den Steuervorteil sind es 10,32 Euro, auch wenn der Kunde da einen Teil vorfinanzieren muss. Dieser Preis macht unseren Service auch für jedermann verfügbar. Da unser Service regelmäßig, aber auch spontan und einmalig buchbar ist, kommt unser Service für jeden in Frage. So eröffnen wir einen ganz neuen Markt, denn spontan würde mir sonst keine Putzkraft einfallen, die geprüft ist und morgen spontan für zwei Stunden vorbeikommen kann.

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Ihr testet eure Reinigungskräfte vorab. Wie läuft das genau?

Huffmann: Nach einem ersten Telefonat oder Registrierung über unser Online Formular, laden wir die potentiellen Partner zu einem persönlichen Gespräch ein. Hier überprüfen wir die Daten und die bisherigen Erfahrungen des potentiellen Partners. Wenn das gut verläuft, findet eine Probereinigung in einer Testwohnung statt. Für den Test haben wir Hausdamen aus renommierten Hotels abgeworben, die vorher viele Zimmerdamen betreut haben – die wissen genau, worauf man achten muss.

Mit eurem niedrigen Preis greift ihr den Schwarzmarkt stark an.

Franke: Unser Konkurrent ist der Schwarzmarkt. Wir glauben, dass niemand per se auf dem Schwarzmarkt arbeiten will, sondern dass es häufig administrative Hürden gibt. Für viele Haushalte ist es zu kompliziert, eine Putzkraft über einen Minijob einzustellen. Unsere Plattform ermöglicht es, eine geprüfte Reinigungskraft mit Gewerbeschein zu beschäftigen. Wir helfen auch mit der Rechnung und somit fallen die gesamten Verwaltungsprobleme weg.

Insgesamt heben wir die gesamte Reinigungstätigkeit damit in einen legalen Markt. Das ist für uns wirklich wichtig, weil auch die Reinigungskräfte für uns Kunden sind – wir nehmen ihnen deswegen die Organisation ab und sorgen dafür sie, dass sie terminlich ausgelastet sind. Es ist unsere Überzeugung, dass auch die Reinigungskräfte nicht schwarz arbeiten wollen, sondern häufig ebenfalls an administrativen Hürden scheitern.

Wie viel Prozent des Stundenlohns behaltet ihr?

Huffmann: 20 Prozent. Unsere Putzkräfte erhalten mindestens 10,30 Euro pro Stunde.

Wo sucht ihr nach geeigneten Reinigungskräften?

Franke: Das möchten wir nicht genau sagen.

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Wie viele Reinigungskräfte habt ihr bisher?

Franke: Sagen wir so: Wir können die Nachfrage unserer Kunden sehr gut bedienen.

Ihr seid in Berlin gestartet, Hamburg und Köln sind diese Woche dazugekommen. Wann sollen weitere Städte folgen?

Franke: In den nächsten Monaten werden wir in den größten deutschen Städten vertreten sein.

Wann wollt ihr ins Ausland expandieren?

Franke: Die internationale Expansion ist geplant, geben wir aber zu gegebener Zeit bekannt.

Wollt ihr primär Privatkunden bedienen oder auch Unternehmen?

Franke: Wir finden beides interessant. Aktuell werden wir uns aber sehr stark auf private Haushalte fokussieren. Aber jedes Büro kann heute schon über uns die Dienstleistung buchen. Dass wir irgendwann gezielter auf den Bereich Büro gehen werden, ist denkbar. Für Agenturen, Kanzleien und Startups bieten wir den optimalen Service.

Wollt ihr auch andere Dienstleistungen anbieten?

Franke: Es ist sehr wichtig, dass wir eine klare Positionierung am Markt haben. Wenn wir Vertrauen beim Kunden geschaffen haben, sind andere Dienstleistungen natürlich denkbar, aber damit setzen wir uns aktuell nicht auseinander.

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Es gibt einige Konkurrenten am Markt, beispielsweise Cleanagents. Wie schätzt ihr den Wettbewerb ein?

Franke: Wir schauen nur auf uns. Dass es andere Player in dem Bereich gibt, zeigt uns, dass es ein interessanter Markt ist.

Wird euer Markt weiter wachsen?

Huffmann: Auf jeden Fall. Insgesamt sind die Leute stärker bereit dazu, eine Reinigungskraft zu engagieren, um die wenige Freizeit, die sie haben, optimal zu nutzen. Immer mehr Leute müssen für ihren Beruf die Stadt wechseln – die müssen dann vor Ort jedes Mal eine neue Reinigungskraft suchen. Das kostet Zeit und Kraft. Die Nachfrage nach unregelmäißigen Reinigungsdienstleistungen wird zudem heute noch überhaupt nicht bedient.

Seid ihr selbst schon Putzexperten?

Franke: Ja, nach der einen oder anderen Reinigung, die wir schon gemacht haben, sind wir mittlerweile Experten – unsere Freundinnen sind sehr stolz (lacht).

Bild: Helpling