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Frau Dr. Rebekka Reinhard – Philosophin, SPIEGEL-Bestseller-Autorin, Beraterin.

Die Karrieremesse für echte Powerfrauen!

Es ist kein Geheimnis, dass Frauen in den deutschen Führungsetagen auch im Jahr 2016 noch immer gnadenlos unterrepräsentiert sind. Auch der Anteil der Gründerinnen, hält sich im Vergleich zu den Männern, die den Schritt zum Unternehmer wagen, eher in Grenzen. Karrieremessen wie die herCAREER setzen genau an dieser Herausforderung an. Als erste Messe in Deutschland berücksichtigt die herCAREER alle Aspekte der weiblichen Karriereplanung und stellt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Vordergrund. Sowohl Frauen als auch Männer können hier mit interessanten Arbeitgebern ins Gespräch kommen, sich über das Thema Existenzgründung informieren und ihr Netzwerk ausbauen.

Einen Beitrag für mehr selbstbewusste Frauen im Berufsleben wird auch Rebekka Reinhard als Keynote Speakerin leisten. Wir haben sie vorab zum Interview getroffen.

Frau Reinhard, nennen sie 3 Dinge, die Frauen jeden Tag tun können, um im Job selbstbewusster aufzutreten.

Als erstes könnten Frauen auch mal einen Blick in die Geschichte zurückwerfen, zu den Lebensläufen mutiger Frauen, die uns vorausgingen. Es tut gut, einfach mal die Perspektive zu wechseln, gerade wenn man im Alltag eher perfektionistisch veranlagt sind. Immer mal wieder eine halbe Stunde in einer Biografie zu lesen, das wäre meine Empfehlung.

Zweitens wäre es sinnvoll, dass Frauen sich ab und an die Grundfrage stellen: Wofür lebe ich? Diese Frage ist sicherlich zu groß für jeden Tag, aber Ausschnitte daraus können helfen, täglich das Positive im Leben hervorzuheben. Als morgendliche Routine könnte man zum Beispiel einführen, sich nach dem Aufwachen kurz auf das positive Gefühl zu besinnen, das man mit seinem ganz persönlichen “Wofür?” verbindet.

Und drittens könnten Frauen sich ihrem Umgang mit Sprache bewusster werden. Für uns Frauen ist Sprache oft etwas, das zu sehr im Kopf stattfindet und uns zum Grübeln oder Überdenken verleitet. Dabei ist Sprache immer auch Handeln! Durch die Art und Weise wie wir Wörter in die Welt hinaustragen, können wir Dinge verändern. Reflexartiges Entschuldigen oder Rechtfertigen müssen oft nicht sein, wenn man vorher nachdenkt und auch Stimme und Tonfall bewusst nutzt.

Wie erlangt Frau denn den Mut zu Experimentieren und dabei auch eine “Bauchlandung” zu riskieren?

Scheitern ist nicht nur bei Frauen ein großes Thema – auch ambitionierte Männer kennen das. Ich denke es ist wichtig zu akzeptieren, dass wir nicht alles im Leben vorausplanen können.
Deswegen sollten wir uns schon früh – zum Beispiel nach dem Studienabschluss oder der Ausbildung – trauen, Dinge einfach mal auszuprobieren. In meiner philosophischen Beratung habe ich auch junge Frauen, die so sehr dem vermeintlich perfekten Lebenslauf hinterherjagen, dass sie Möglichkeiten einfach sausen lassen, um keine Zeit zu verlieren. Das finde ich schade.

Wichtig ist auch, dass wir aufhören uns ständig mit allen anderen zu vergleichen. Das ist nun mal etwas, das wir Frauen gerne tun, aber es ist Gift für die Persönlichkeitsentwicklung und die eigene Souveränität. Besser als dieses Konkurrenzgehabe ist, wenn wir uns mit Frauen umgeben die uns inspirieren, die wir uns vielleicht sogar zum Vorbild nehmen können.

In der Digitalbranche arbeiten ja vergleichsweise viele Frauen. Welche Chancen sehen Sie für junge Frauen gerade in digitalen Berufen?

Das Image der dieser Branche ist ja sehr diverse, sehr offen, zukunftsorientiert und es spielt auch der Faktor Vernetzung eine große Rolle. Daraus können und sollten Frauen ganz aktiv ihre Vorteile ziehen und sich überlegen: Wie kann ich meine individuellen Kompetenzen – zum Beispiel bei der Kontaktpflege – und meine kreativen Ideen am besten einbringen?

Wenn die Branche wirklich so offen ist wie ihr Image, sollte auch das “implicit bias” endlich an Bedeutung verlieren. Damit meine ich die unbewussten Vorurteile, denen Frauen leider noch häufig begegnen, die sie durch bestimmte unreflektierte Verhaltensweisen aber auch selbst verstärken. Stattdessen sollten sie ihre einzigartige Persönlichkeit ganz offen und selbstbewusst in den Vordergrund stellen. Ich glaube, so sollte die Zukunft aussehen.

Mal etwas ganz Anderes: Treffen Sie auch Frauen, die ihre Meinung überhaupt nicht teilen?

Ja, ich erinnere mich an einige Beispiele von Frauen, die gesagt haben, Frau Reinhard, das ist ja alles ganz interessant, aber für mich ist Macht auch die Freiheit, meinen Job aufzugeben um ganz für die Familie da zu sein. Ich finde das ist eine vollkommen legitime Entscheidung. Das Schöne heute ist ja: Wir können alles sein – wir müssen uns eben nur trauen. Wie “mächtig” eine Frau ist, hat nichts mit ihrer wirtschaftlichen Position zu tun, auch wenn das die gängige Assoziation ist. Zuhause zu bleiben und seine Kinder aufwachsen zu sehen sollte genau so ein Statussymbol sein, wie das Corner Office eines erfolgreichen Geschäftsmannes.

Was können Männer aus ihrer Keynote mitnehmen?

Also erstmal sollten sie anschließend hoffentlich ihre Frauen noch besser verstehen. Und zweitens möchte ich die anwesenden Herren dazu auffordern, sich mal in die Frauen und ihre Probleme, die ich skizzieren werde, hineinzuversetzen. Dann werden sie vielleicht feststellen, dass die Herausforderung von modernen Frauen und Männern immer ähnlicher werden. Auch erfolgreiche Männer müssen heutzutage beispielsweise gut aussehen, schlank und durchtrainiert sein. Da steckt in dem ein oder anderen vielleicht doch mehr Frau, als er bisher vermutet hat.

Frau Dr. Reinhard, vielen Dank für das Gespräch!

Foto: herCAREER