Geld

Wenn Rechnungen nicht gezahlt werden, wollen Startups beim Geld Eintreiben helfen

Wer arbeitet, möchte auch bezahlt werden. Doch nicht selten werden Rechnungen nicht beglichen. Freelancer oder kleine Unternehmen, die schnell auf erarbeitetes, aber nicht gezahltes Geld angewiesen sind, können ihre Forderungen an das Startup Fundflow verkaufen. Das treibt das Geld dann auf eigene Rechnung ein. Ein Geschäftsmodell mit Zukunft, glaubt zumindest der High-Tech Gründerfonds, der bereits Anfang August eine mittlere sechsstellige Summe in das Startup investiert hat. Gegründet wurde das Unternehmen im Januar 2016 von Antonio Faralli, Jan Ramsperger und Joachim Kaune.

Fundflow-Kunden können auf der Webseite derzeit offene Rechnungen hochladen. Sobald das Startup die ausstehenden Zahlungen aufkauft, bekommt der Kunde den Betrag am nächsten Tag aufs Konto überwiesen – abzüglich einer Gebühr, die sich aus der Bonität und Laufzeit der offenen Forderungen berechnet. Die ausstehenden Gelder will das Startup dann selbst vom Schuldner einholen, tritt dabei jedoch nicht als Inkasso-Unternehmen auf. Fundflow will so Kleinunternehmern helfen, trotz schlechter Zahlungsmoral der Kunden liquide zu bleiben. Mit dem neuen Kapital des High-Tech Gründerfonds will das Startup nach Unternehmensangaben nun die Webpräsenz ausbauen und auf Kundenakquise setzen.

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Mit der Geschäftsidee ist Fundflow jedoch nicht alleine auf dem Markt. Derzeit bereitet auch Szene-Kopf Sebastian Diemer mit Blackbill ein ähnliches Unternehmen auf den Markteintritt vor. Blackbill will genauso wie Fundflow Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit der Schuldner via Algorithmus bewerten und so Zahlungsausfälle vermeiden. Mit dieser Technik versuchen sich die Branchenneulinge von anderen Factoring-Anbietern abzuheben. Blackbill konnte bereits Point Nine Capital und den neuen Berliner Risikokapitalgeber Fly Ventures von sich überzeugen. Beide investierten eine Millionensumme.

Konkurrenten probieren andere Geschäftsmodelle

Auf den gleichen Markt – aber mit einem anderen Geschäftsmodell – setzt auch Innolend. Firmenkunden ab 100.000 Euro Jahresumsatz können über das Portal kurzfristig Kredite aufnehmen, um liquide zu bleiben. Innerhalb von 24 Stunden soll das Geld beim Kunden ankommen. Zusätzlich zu den Zinsen berechnet Innolend eine Gebühr zwischen 0,5 und 1,2 Prozent. Das Modell richtet sich an junge, stark wachsende Unternehmen, die wegen einer negativen Geschäftsbilanz nur schwer an Überbrückungskredite kommen.

Wer jedoch keine Kredite aufnehmen will, während er auf sein Geld wartet, oder Forderungen an Startups abgeben möchte, kann auf das Münchner Startup Bilendo setzen. Es bietet eine Buchhaltungs-Software, die ausstehende Zahlungen automatisch erkennt und selbstständig Mahnungen verschickt. Die Ansprache kann dabei individuell variieren und soll eher auf Dialog als auf Drohungen setzen. Anders als bei Fundflow oder Blackbill soll mit Bilendo die Beziehung zwischen den Geschäftspartnern nicht so stark leiden.

Wer sich auf dem deutschen Markt durchsetzt, ist offen. Allein im Factoring beläuft sich das Geschäftsvolumen jährlich auf insgesamt mehr als 200 Milliarden Euro, so der Deutsche Factoring Verband. Genug Geld also für mehr als nur einen neuen Anbieter.

Bild: Tookapic