Trachten

Limberry-Gründerin Sibilla Kawala glaubt an Trachtenmode. Dirndl und Janker sollen heute Abend die Löwen beeindrucken.

Nach den Megatrends des Jahres sucht man bei den Startups, die heute Abend bei der Höhle der Löwen (20:15 Uhr, VOX) ins Rennen geschickt werden, vergebens. Keine Virtual Reality, keine Spur von künstlicher Intelligenz. Die TV-Sendung bleibt da lieber bodenständig. Das hat sich offenbar bewährt. Auch digitale Startups sind im Löwenkäfig eher die Ausnahme.

Ich habe mich vor der ersten Sendung der neuen Staffel gefragt, ob ich in die sechs vorgestellten Startups investieren würde. Dabei habe ich die Pitches noch nicht gesehen. Es geht also mehr um das Bauchgefühl und Erfahrung, weniger um Businesspläne und das Showtalent der Gründer.

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Ankerkraut

Irgendwie erinnert mich das Startup an die Hamburger Kaffeekette Elbgold. Die legt Wert auf hanseatische Kaffee-Tradition, handgemachte und edle Produkte, die dem Publikum erklärt werden. Ähnlich funktioniert auch Ankerkraut – nur mit Gewürzen. Hamburgs traditionelle Rolle als Handelsstadt für Gewürze aus aller Welt wird betont. Ankerkraut will aus dem unübersichtlichen Angebot eine besondere Auswahl von Gewürzen bieten. Natürlich. Vegan. Irgendwie. Das passt gut in die Zeit. Junge Leute haben Lust auf Tradition aus dem Online-Shop und auch oft das Geld für hochpreisige Waren, die cool gebrandet sind. Die Konkurrenz wirkt dagegen altbacken. Deshalb kann ich mir ein solides Wachstum vorstellen – und wäre als Investor dabei.

Evrgreen

Gar nicht weit weg von Ankerkraut ist das Startup Evrgreen. Evergreen will Pflanzen an Menschen verkaufen, die keine Ahnung von Blumen und Grünzeug haben, aber ihre Wohnung oder ihren Arbeitsplatz damit verschönern wollen. Also an mich. Auf ihrer Website wird alles genau erklärt. Außerdem will Evergreen den Zwischenhandel ausschalten. Das wird ja heute gerne versucht. Die Pflanze sollen direkt von deutschen Gärtnereien zum Kunden kommen. Ja, das ist ein gut gemachter Online-Shop für Pflanzen aller Art. Aber ob die Gründer damit Leute wie mich zum Blumenliebhaber machen? Ähm. Nein. Ich bin raus.

Bügelclou

Jetzt geht es um das Bügeln. Wer das schon mal gemacht hat, weiß, dass vor allem Hemden und Blusen nicht so einfach zu glätten sind. Dafür haben die Gründer von Bügelclou einen Ärmelspanner erfunden, der das Prozedere erheblich erleichtern soll. Man schiebt einen Metallbügel in den Hemdsärmel und los geht’s. 20 Euro soll das Gadget kosten. Ich will dieses komische Ding nicht, bleibe lieber meiner Reinigung treu – und bin raus. 

Limberry

Bei Limberry dreht sich alles um Trachtenmode. Ja, genau. Dirndl, fesche Lederhosen und so. Ich bin mir nicht ganz sicher, wann oder warum man das brauchen könnte. Aber eine Kollegin sagt gerade, dass ganz München zur Oktoberfestzeit Trachtenmode kauft. Und wahrscheinlich auch ein paar Japaner oder Chinesen das ganze Jahr über. Limberry behauptet, dass man auch außerhalb dieser Zirkel inzwischen wieder Trachten trägt. Bis auf einen durchaus schicken Janker eines Freundes aus München ist mir in Berlin noch nichts begegnet. Der Onlineshop ist jedenfalls gut gemacht. Man kann die Kleidung selber konfigurieren, wenn man unbedingt möchte. Ich möchte das nicht. Servus. Ich bin raus.

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Dental Power Splint

„Mats Hummels vertraut auf effiziente Leistungssteigerung durch die DPS-Schiene“, steht auf der Website des Startups. Ok. Aber kann eine Beißschiene wirklich für Leistungssteigerungen beim Sport sorgen? „Fehlfunktionen beim Beißen wie Fehlbiss oder zu festes Zubeißen bei starker Anspannung führen zu Leistungseinbußen in der Beweglichkeit, Kraft und Koordination“, behaupten die Entwickler des Dental Power Splint. Der Erfinder ist Zahnarzt und die Kunden sind laut Selbstauskunft begeistert. Das ist ein Gadget für sehr ehrgeizige Sportler. Wenn man sieht, wie viele Tonnen Sportlernahrung in Deutschland verzehrt werden, dann scheint es eine ganze Menge bissiger Athleten zu geben. So eine Schiene kostet muntere 1.595 Euro. Mit Anpassung. Knirsch. Ich bin dabei.

Find Penguins

Jetzt wird es doch noch digital. Irgendwie soll man mit Find Penguins seine Reisen festhalten und mit anderen Reisenden teilen. Es ist auf den ersten Blick eine Mischung aus Netzwerk, Blog und persönlichem Notizbuch. Ja, was denn nun? Man muss sich wahrscheinlich etwas länger damit beschäftigen. Aus den gespeicherten Reisen, Orten und Fotos kann man jedenfalls auch ein gedrucktes Fotobuch machen lassen. Heute muss ja alles irgendwie ein überlebensgroßes Event sein – und dann trotzdem festgehalten werden, damit man sich später daran erinnern kann. Ich bin zwar extrem vergesslich, aber trotzdem raus – und nach Diktat verreist.

Foto: Limberry