„Jeder hasst Putzen, das ist ein globales Problem“

Die Geschichte des Putzkraftvermittlers Homejoy beginnt mit einem schmutzigen Apartment. Adora Cheung hatte da mit ihrem Bruder Aaron schon jahrelang an verschiedenen Startup-Ideen gearbeitet, darunter eine Therapeutenvermittlung namens Pathjoy. Doch alle Versuche blieben erfolglos, bis Cheung dringend eine Putzkraft brauchte, „weil die Toilette so ekelhaft war, dass ich ins Kaffeehaus ausweichen musste“.

Dabei bemerkte sie, wie mühsam es ist, Reinigungskräfte zu finden und zu buchen. Also starteten die beiden Gründergeschwister im Juni 2012 Homejoy – eine Idee, die sich durchsetzte. Das 150-Mitarbeiter-Unternehmen hat bisher Risikokapital in Höhe von 40 Millionen US-Dollar erhalten, ist mittlerweile in mehr als 30 Städten in den USA und Kanada verfügbar – und seit Juni auch in Berlin. Im Interview erzählt Adora Cheung, warum sie früher als geplant nach Europa expandierten und welche Dienste das Startup in Zukunft anbieten will.

Ursprünglich sollte Homejoy erst im Herbst nach Deutschland kommen. Was war der Grund für die vorgezogene Expansion? Hat euch die Konkurrenz angetrieben?

Nicht wirklich, wir haben die richtigen Leute früher als erwartet gefunden. Als wir im April Homejoy nach London brachten, haben wir gesehen, dass das Konzept in Europa ebenso gut funktioniert wie in den USA. In unseren neuen Städten sehen wir auch ein schnelleres Wachstum. Das liegt einerseits daran, dass wir jetzt wissen, was wir tun. Und andererseits ist die Nachfrage groß, besonders in Berlin.

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Was heißt das in Zahlen, wie viele Nutzer habt ihr hier?

Wir veröffentlichen keine exakten Zahlen, aber in Berlin haben wir bereits rund 50 Putzkräfte. Wir haben tausende Kundenabfragen abgewickelt. Die Nutzung steigt rasant an.

Derzeit ist Homejoy nur in Berlin verfügbar. Welche Städte sollen als nächstes folgen?

Wir sehen Bedarf in anderen Städten und werden diese auch testen. Offizielle Launchtermine können wir jedoch noch nicht kommunizieren. Höchstwahrscheinlich ist München unser nächstes Ziel.

Gibt es kulturelle Differenzen, die ihr bei der Internationalisierung von Homejoy beachten musstet?

Jeder hasst Putzen, das ist ein globales Problem und unser Hauptfokus. Es gibt leichte Differenzen. Deutsche Kunden sind zum Beispiel immer etwas kritischer. Das ist jedoch gut für uns, denn wir bekommen laufend ehrliches Feedback. So können wir unseren Service hier schneller verbessern.

Wie sieht es mit der Nutzerschaft aus, merkt ihr hier Unterschiede im Vergleich zu den US-Städten?

Die Demografie ist die gleiche. Unsere Kunden sind nicht auf eine Altersgruppe beschränkt. Wir haben Young Professionals ebenso wie Mütter, die Vollzeit arbeiten, oder ältere Personen, die nicht mehr fit genug sind.

Wie baut ihr beim Deutschland-Launch eure Reichweite und Community auf?

Zum einen haben wir für den Markteintritt ein bisschen in Werbung investiert. Ich glaube jedoch: Wenn du gut bist, spricht sich das herum. Wir verlassen uns darauf, einen sehr guten Job zu machen, um jeden Kunden davon zu überzeugen, uns weiterzuempfehlen. Homejoy basiert zu einem großen Teil auf Word-of-Mouth-Marketing.

Und wie rekrutiert ihr die Putzkräfte, die ihre Dienste via Homejoy anbieten?

Mit klassischen Anzeigen in Medien und Online-Rubrikenmärkten. Und ebenso wie bei den Kunden passiert viel über Mundpropaganda. Der Schwarzmarkt ist in Deutschland ein großes Problem. Mit Homejoy können wir hier mehr Sicherheit und Vertrauen bieten. Durch unsere Plattform erreichen Dienstleister außerdem Zugang zu einem größeren Kundenstamm.

In Deutschland habt ihr bereits mehrere Mitbewerber, etwa Rocket Internets Helpling und Book a Tiger. Wie geht ihr mit dieser Konkurrenz um? Können mehrere Putzkraftvermittler in einer Stadt koexistieren?

Wir fühlen uns geehrt, dass viele unser Modell nachbauen. Wir glauben daran, dass sich eine Plattform, die exzellenten Service anbietet, durchsetzen wird. Unsere Mitbewerber nehmen wir schon wahr, aber wir konzentrieren uns lieber auf unser eigenes Produkt.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Infografik: Helpling, Book A Tiger und Homejoy im Vergleich

Plant ihr, mit Homejoy in Zukunft weitere Dienstleistungen abseits des Wohnungsputzens anzubieten?

Alle Heimarbeiten, die nervig sind, wollen wir künftig mit Homejoy abdecken. Aber Reinigung ist eigentlich sehr schwer, und hier möchten wir alles richtig machen. Das heißt, wir konzentrieren uns in nächster Zeit darauf, unser Produkt und und unseren Service zu perfektionieren. Erst dann werden wir weitere Leistungen einführen. Bei anderen Startups sehe ich oft den Fehler, dass das Kernprodukt aus den Augen verloren wird. Das möchten wir bei Homejoy vermeiden.

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Von den Buchungen, die über Homejoy abgewickelt werden, behaltet ihr einen Teil als Provision ein. Testet ihr noch andere Wege, um die Plattform zu monetarisieren?

Vorerst funktioniert das Modell für uns. In Deutschland kostet eine Homejoy-Putzkraft 15 Euro pro Stunde, davon erhält das Personal rund 11 Euro. Unsere Einnahmen fließen vor allem in die Expansion. Wenn wir neue Produktkategorien einführen, könnten natürlich andere Erlösquellen möglich sein.

Wo siehst du Homejoy in fünf Jahren? Plant ihr einen Exit oder den Börsengang?

Die Börse ist definitiv eine Option, davor müssen jedoch noch einige Finanzierungsrunden passieren. In fünf Jahren werden wir die Nummer eins unter den Plattformen für Heimdienstleistungen sein und eine globale, vertrauenswürdige Marke.

Bild: Hubert Burda Media/Jan Haas