HTGF-Geschäftsführer Alex von Frankenberg

Es ist dieser Artikel aus dem Manager Magazin, der ihnen schon einigen Monaten nachhängt: Unter dem Titel „Merkels heißer Startup-Topf“ hagelte es an Kritik zur Performance des halbstaatlichen Investors. Nun gibt neue Zahlen für den ersten Fonds des High-Tech Gründerfonds – und die Beratungsfirma Technopolis hat sich den Startup-Geldgeber aus Bonn genauer angeschaut.

Das Beteiligungsmodell befinden sie als zu kompliziert, geben Änderungsvorschläge – und viel Lob, heißt es im Bericht. Doch ist das Ergebnis wirklich gut? Im ersten Fonds liegt der HTGF weit unter den anvisierten 240 Millionen Euro. Und genau dieses Ergebnis ist zentrale Zahl in der Welt des Wagniskapitals.

Der Geschäftsführer Alex von Frankenberg verteidigt im Gründerszene-Interview das Ergebnis – und erklärt, warum auch eine Yoga-App zum Investment-Fokus des Tech-Investors gehören.

Alex, aktuell hat Euer erster Fonds 67,9 Millionen Euro eingespielt. Laut der Auswertung der Beratung Technopolis seid ihr „auf einem guten Weg“ das Rendite-Ziel zu erreichen. Deckt sich das mit Eurer Selbsteinschätzung?

Absolut.

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Aber könnt Ihr damit wirklich zufrieden sein? Schließlich fehlen bis zu den 240 Millionen noch etwa 170 Millionen, die ihr in knapp zwei Jahren einnehmen wollt. Ein ambitioniertes Ziel.

Letztlich ist die Höhe der Rückflüsse entscheidend. Weniger wichtig ist, ob die sie ein Jahr früher oder später kommen. Die Laufzeit des ersten Fonds kann planmäßig verlängert werden, dadurch haben wir deutlich mehr Zeit als zwei Jahre.

Das heißt, Ihr habt das ursprüngliche Ziel verpasst?

Nein, haben wir nicht. Es ist naheliegend, dass am Ende der Fondslaufzeit noch ein paar, durchaus auch sehr gute, Unternehmen im Portfolio sein werden. Sobald wir Rückflüsse erhalten, schütten wir diese an unsere Investoren aus, so dass eine verlängerte Laufzeit zu einer unwesentlich längeren Kapitalbindung für unsere Investoren führen wird.

Eine Verlängerung des Fonds, geht das so einfach?

Für unsere Gesellschafter – also den Bund und mehrere Industrieunternehmen – ist das kein Problem. Wir wollen ja auch nicht das Signal an die Unternehmen senden, dass wir jetzt möglichst schnell verkaufen wollen. Letztlich kann man als einzelner Gesellschafter ja auch nicht einfach ein Unternehmen verkaufen. Man braucht vor allem einen Käufer und Einigkeit im Gesellschafterkreis.

Auch für einen längeren Zeitraum braucht es Hoffnungsträger, die hohe Erlöse bringen. Wer ist das?

Insgesamt haben wir noch 120 Unternehmen im ersten Fonds. Von den top 15 Unternehmen versprechen wir uns sehr substantielle Rückflüsse.

Welche Namen sind darunter?

Next Kraftwerke, Kiwigrid, eGym, MisterSpex, Protected Networks und Fiagon zählen dazu.

Während Ihr schon beim Sammeln für den neuen Fonds seid, ist der erste noch nicht aufgebraucht. Knapp 30 Millionen sind dort noch drin. Was passiert damit?

Auf jeden Fall werden wir dieses Geld noch ausgeben und im Rahmen von Anschlussfinanzierungen in unsere Portfolio-Unternehmen investieren.

Gerade dieser Punkt wird in der Evaluation kritisiert: Insbesondere für Startups mit „hohem Finanzierungsbedarf“ sollte es einfacher sein vom Standard-Beteiligungsvertrag abzuweichen, heißt es im Fazit. Beherzigt Ihr diesen Punkt für den nächsten Fonds?

In der Tat wollen wir das verändern. Wir wollen beispielsweise mehr Geld pro Unternehmen investieren können. Bisher liegt die Grenze bei zwei Millionen. In der Evaluation werden vier Millionen vorgeschlagen.

Die starre Altersgrenze wird ebenfalls angekreidet.

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Das wollen wir auch verändern, bislang liegt sie bei einem Jahr. Vor allem Unternehmen, die erst gebootstrappt arbeiten oder sich durch Förderungen finanziert haben, dann aber älter als ein Jahr sind, sollen nicht rausfallen. Die könnten dann zum Beispiel auch schon drei Jahre alt sein, allerdings dürfen sie möglichst noch keinen externen Investor dabei haben. Gründsätzlich wollen wir der erste institutionelle Investor sein. Trotz der Veränderung halten wir übrigens an dem Standardmodell fest, weil es am Anfang die Bewertungsthematik vermeidet. Durch die Wandelanleihe, die wir am Anfang vergeben, müssen wir die Unternehmen in der Seedrunde noch nicht bewerten.

Wird sich der Investment-Fokus denn ändern?

Unser Fokus liegt weiterhin auf Technologie-Unternehmen in der Seed-Phase.

Im letzten Monat hat sich dieser Fokus ja bereits etwas erweitert. Beispielsweise mit dem Investment in die Yoga-App „Asana Yoga“.

Schon für den zweiten Fonds haben wir unseren Fokus weiter gefasst. Beispielsweise Unternehmen wie Windeln.de oder Mister Spex sind klassische E-Commerce-Unternehmen. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass etwa bei Mister Spex ein vergleichsweise großes Tech-Team sitzt. Insgesamt geht es uns ebenfalls um neue Geschäftsmodelle. Wir haben da ein breiteres Innovationsverständnis. Weiter als jetzt werden wir es aber nicht fassen.

Bei E-Commerce-Startups wie Mister Spex oder der Yoga-App kommt öfter die Kritik, dass Ihr private Investoren ausstecht. Bekommen die Ideen wie eine Yoga-App ohne Euch kein Geld?

Kein Geld würde ich nicht sagen. Aber nicht genug. Nehmen wir mal Mister Spex, da haben wir 2008 Mitten in der Finanzkrise investiert, zu dem Zeitpunkt hat sich keiner getraut. Und wir haben den ersten Schritt gemacht.

Gerade sammelt Ihr wieder Geld für den neuen Fonds ein. Wie ist die Resonanz?

Wir haben vor etwa einem Monat angefangen mit Investoren zu sprechen. Das Feedback ist bislang sehr positiv, wir haben schon Zusagen – und noch keine Absagen. Bis März des kommenden Jahres planen wir das erste Closing.

Bild: HTGF