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HTT-Chairman Bibop Gresta

Seit 15 Jahren ist Bibop Gresta in der Startup-Welt aktiv. Mit seinem Inkubator Digital Magics half der ehemalige Softwareentwickler in seinem Heimatland Italien Dutzenden Startups auf den Weg. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung ging Gresta 2011 in die USA – wo er einige Jahre später Dirk Ahlborn kennenlernte, den Gründer von Hyperloop Transportation Technologies (HTT).

Am Anfang dachte Gresta, den Hyperloop zu bauen sei verrückt und eine zu große Herausforderung. Kein Wunder: Schließlich geht es darum, Passagiere mit Kapseln in einem Fast-Vakuum durch Röhren zu transportieren.

Im Interview mit Gründerszene erzählt der Investor, was ihn schließlich doch überzeugte und warum er lieber in Los Angeles als in San Francisco wohnt.

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Bibop, Du bist seit zwei Jahren Chairman bei Hyperloop Transportation Technologies. Wie bist Du dort gelandet?

Vor fünf Jahren war ich in meinem Leben an einem Punkt angekommen, an dem ich die Startup-Welt verlassen wollte. Ich hatte mit meinem Inkubator geholfen, 70 Unternehmen zu starten. Während meiner 15 Jahre als Investor habe ich viel gesehen. Aber ich war Europa leid, Innovation hängt hier viel zu sehr von staatlichen Regulierungen. Ich brauchte andere Herausforderungen und ging in die USA. Ich dachte, wenn ich es jetzt nicht tue, werde ich es niemals tun.

Hat es Dich dort ins Silicon Valley verschlagen?

Meine Reise führte mich eigentlich direkt zur Startup-Szene von Los Angeles. San Francisco hingegen war eine Täuschung. Hier kreisen die Leute ständig um sich selbst, die Lebensqualität ist schlecht.

Was genau hat Dich an San Francisco gestört?

Wenn Du Menschen treffen möchtest, die nur über das nächste Uber für Katzen oder das nächste Facebook für Pflanzen reden, dann bist Du dort richtig. Es gibt dort einfach viel Hype. Und die Leute in der Szene reden nur miteinander. Am Ende sind es immer dieselben zehn Personen, die entscheiden, was geht und was nicht. Eigentlich ist es eine Lobby. Das meinte ich.

Welche Personen meinst Du?

Es sind immer dieselben Typen im Silicon Valley, ich brauche keinen Namen zu nennen.

Wie hast Du dann den HTT-Mitgründer Dirk Albohrn kennengelernt?

Er kam auf einem Networking-Event in Los Angeles auf mich zu. Er wusste, wer ich war, weil er lange Zeit in Italien gelebt hatte. Ich dachte nur: ‚Oh mein Gott, jetzt pitcht er mir ein Startup, bitte nicht.‘ (Lacht) Und er sagte: ‚Ich hab ein Startup.‘ (Lacht) Dann erzählte er mir, dass er den Hyperloop baut.

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Was hast Du dann gedacht?

Ich dachte, das sei verrückt – aber die Idee hat mich fasziniert. Ich fragte ihn, wie viel Geld er bisher eingesammelt hatte – und er antwortete mir, er habe noch gar kein Geld eingesammelt und wolle Crowdsourcing nutzen. Da habe ich ihm geantwortet, dass ich leider zu beschäftigt sei, ihm zu helfen, weil ich erst einmal Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden wolle. (Lacht) Mein erster Eindruck war, dass eine Umsetzung eine zu große Herausforderung wäre und wir zu viel Geld bräuchten.

Wie konnte er Dich dann doch überzeugen?

Er hat mir eine Analyse eines Wissenschaftlers geschickt, der für ihn gearbeitet hat. Die basierte auf dem Original-Whitepaper für den Hyperloop von Elon Musk. Diese Analyse legte das Potential der Idee dar, aber auch deren Schwachstellen. In diesem Dokument präsentierte Dirks Team Lösungen, um diese zu beheben. Auf der einen Seite dieses Docs sah ich also das Dokument von Elon Musk und auf der anderen Seite Kommentare von Wissenschaftlern und Leuten von Nasa, Tesla oder Boeing. Also begann ich, zu recherchieren und all diese Menschen zu googlen. Ich habe versucht, den einen Fehler zu finden – etwas, das zeigt, dass es nicht möglich ist. Ich rief die Wissenschaftler an und gab mich als Dirk aus, um über den Hyperloop zu reden.

Und diese Wissenschaftler sagten Dir, dass es möglich sei?

Alle sagten mir dasselbe: Es ist möglich! Und fast jeder von ihnen sagte mir am Ende des Gespräches, dass sie interessiert daran seien, Teil unseres Teams zu werden – falls wir es noch durchziehen wollten. Also rief ich Dirk an und erzählte ihm, dass ich zwar immer noch dachte, es sei verrückt – ich aber bereit sei, in sein Unternehmen zu investieren und mit an Bord zu kommen.

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Hast Du Deine Entscheidung jemals bereut?

In dem Moment, als ich die Wissenschaftler sprach, wusste ich, dass es möglich ist. Ich wurde in eine andere Welt katapultiert.

Die Welt wartet auf die Umsetzung. Wie weit seid Ihr mit der Technologie bis jetzt gekommen?

Das erste Design des ersten Full-Scale-Hyperloop für Passagiere und Fracht ist fertig. Wir haben herausgefunden, wie wir es realisieren können, indem wir bereits vorhandene Technologien zusammensetzen. Am schwierigsten war es, die Kapsel trotz des Unterdrucks zum Schweben zu bringen. Glücklicherweise fanden wir eine Lösung in einem der berühmtesten Labore der Welt. Es ist das Lawrence Livermore Lab und das Schwebesystem heißt Inductrack. Es ist eine brillante Technologie, die in den 90er-Jahren von einem Team von Wissenschaftlern im Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien unter der Leitung von Physiker Richard F. Post für den Einsatz bei Magnetschwebebahnen erfunden und getestet wurde. Jetzt werden wir den ersten bauen. Wir haben eine Menge Geld eingesammelt und wir werden bald Näheres bekannt geben.

Der Hyperloop könnte unsere Art zu leben stark beeinflussen. Was glaubst Du, wie sich Mobilität in den nächsten Jahren verändern wird?

Transportmittel wie wir sie kennen, funktionieren nicht mehr. Wir haben unsere Städte um Autos herum gebaut und das hat mehr Probleme als Lösungen geschaffen, denn mittlerweile sind wir mit dieser Vision in vielen Städten am Limit angekommen. Wir glauben, dass der Hyperloop günstiger, effizienter und schneller sein wird als alle anderen Transportmittel. Er wird unser Leben beeinflussen und verändern, wie wir Städte bauen werden. Wir können viele der Autos und LKW loswerden. Wir werden weniger Straßen brauchen. Wir werden schneller unterwegs sein und damit zu dem wichtigsten Element in unserem Leben zurückkehren: Zeit. Wir können unsere Städte um Menschen herum organisieren. Es wird ein besseres Leben sein.

Danke für das Gespräch, Bibop.

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Bild: Gründerszene/Kim Richters