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„Illegale öffentliche Kapitalbeschaffung“, „kriminelle Machenschaften“, „Betrug und Schneeballsysteme“ – die chinesische Zentralbank ist für gewöhnlich nicht für markige Worte bekannt. Bei der jüngsten Ankündigung zum Thema Kryptowährungen und Initial Coin Offerings (ICOs) hat sie jedoch klare Worte gefunden. Mit sofortiger Wirkung untersagt die People’s Bank of China jegliche Form von ICOs zur Geldbeschaffung in China. Möglicherweise müssen sogar bereits getätigte ICOs wieder rückgängig gemacht werden.

Die ICOs funktionieren quasi wie digitale Börsengänge. Doch statt Firmenanteile verkaufen die Unternehmen Tokens bzw. Coins, die danach handelbar sind. Was der Gegenwert eines solchen Token ist, unterscheidet sich von ICO zu ICO. Manchmal entwickeln sich aus den Coins eigenständige, dauerhafte Kryptowährungen mit hoher Marktkapitalisierung, manchmal räumen verkaufte Tokens den Besitzern auch Rechte an der künftigen Weiterentwicklung der Firma ein – ganz ähnlich wie bei einer Aktie. Zuweilen lassen sich mich den Coins aber auch Dienstleistungen oder Software-Produkte der Firma kaufen.

Wert von Kryptowährungen rauscht in den Keller

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An den Tauschmärkten der hoch volatilen Kryptowährungen rauschten nach der Ankündigung der Zentralbank die Kurse in den Keller. So verlor der Bitcoin zeitweise über zehn Prozent an Wert. Derzeit liegt er wieder bei rund 3.600 Euro. Noch härter traf es Ether, der besonders für ICOs genutzt wird – zwischenzeitlich minus 30 Prozent.

Dabei kam das Verbot der Zentralbank nicht überraschend. Experten hatten schon länger mit einem Vorgehen der Banker gegen die neuartige Finanzierungsform gerechnet. Da es den Bankern schwerfällt, ICOs zu überwachen und bisher so gut wie keine Regularien existieren, hat sich die Zentralbank nun eine Atempause geschaffen, um die Finanzierungsform zu prüfen und Regeln einzuführen. Technisch werden ICOs losgelöst von der Zentralbank durchgeführt, sodass die Banker keinerlei direkte Kontrolle haben. Für die Überwachung des Verbots ist nun die Finanzaufsicht und die chinesische Staatsanwaltschaft zuständig.

Experten erwarten deswegen, dass ICOs nicht grundsätzlich verboten bleiben und die Sperre vielleicht nur einige Monate anhält. Dennoch ist der Schritt für die Kryptoszene ein schwerer Schlag – zumal auch in den USA, Südkorea, Kanada und Singapur stärkere Kontrollen eingeführt werden sollen. Chinas Schritt könnte nun auch für andere Zentralbanken Vorbild für ein hartes Vorgehen gegen ICOs werden.

China war wichtiger ICO-Markt

Signalwirkung hat der chinesische Markt für andere ohnehin. So gab es 2017 in China über 65 ICOs mit einem Volumen von über 330 Millionen Euro – über 20 Prozent der weltweiten Summe von 1,5 Milliarden Euro. Die Finanzierungsform hatte zuletzt enorm an Beliebtheit gewonnen. 2016 lag die weltweite Kapitalisierung durch ICOs noch bei bescheidenen 86 Millionen Euro.

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Bild: Getty Images/ROSLAN RAHMAN / Kontributor