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Ein Beitrag von Dr. Daniel Biene, einem ausgebildeten Rechtsanwalt sowie Gründer und Geschäftsführer von SmartLaw, einem Online-Generator von maßgeschneiderten Rechtsdokumenten.

Ideenklau – Wenn die Geschäftsidee kopiert wird

Die Geschäftsidee ist entwickelt, Marketing, Sales und PR laufen auf Hochtouren, erste Erfolge sind in Sicht. Und plötzlich taucht eine Website auf, die irgendwie so aussieht wie die eigene. Die ähnliche Produkte anbietet, mit identischen Key Messages arbeitet und deren Claim dem eigenen nahezu gleicht. Das Bauchgefühl sagt: Zufall ist das nicht mehr.

Wenn dann noch die Erweiterung des Angebots in regelmäßigen Abständen kopiert wird, verfolgen Gründer oft die gleichen Strategien: „Hau drauf“ oder „lieb und nett“. Erstere geht direkt in Richtung Klage, letztere versucht über Verständnis zu argumentieren und damit die Konkurrenz zum Rückzug zu bewegen. Wie so oft ist die goldene Mitte hier das Maß aller Dinge.

Evaluation vor Aktion

Wenn das Copycat auftaucht, gilt zunächst: ruhig bleiben, beobachten und analysieren. Nur wer die Fakten kennt, kann stichhaltig argumentieren. Was genau wurde eins zu eins (oder zumindest sehr nah dran) übernommen? Sind es lediglich ähnliche Produktideen, oder auch der Aufbau der Website? Produktnamen, Beschreibungen, Claims, Logo, Bildmotive, Blogtexte, AGBs… alles sollte unter die Lupe genommen werden. Auch ein Check durch die IT-Abteilung lohnt sich, denn die kann erkennen, ob hier mit technologischen Hilfsmitteln gearbeitet wurde.

Diese sorgfältige Prüfung ist nicht nur für den Faktencheck wichtig. Sollte später noch ein Anwalt eingeschaltet werden, hat er eine gute Basis, um direkt loszulegen.

Persönliche Kontaktaufnahme

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Oft geht es nur um eines: Dass der vermeintliche Dieb sein Angebot offline nimmt. Ob dies im persönlichen Gespräch erreicht werden kann, hängt von der Vorgeschichte ab. Ist es jemand, mit dem man schon zu tun hatte? Dann lohnt die persönliche Ansprache mit guter Verhandlungstaktik. Handelt es sich hier um dreisten Ideenklau, ist man mit einem Anwalt oft besser beraten. Die Zielsetzung des Copycats ist mit etwas Recherchegeschick oft herauszubekommen.

Blick ins Gesetz gegen Unlauteren Wettbewerb lohnt

Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) bietet für Startups gute Möglichkeiten, sich gegen dreiste Copycats zu wehren. Zwar schützt das UWG nicht die bloße Idee, dafür aber deren konkrete Umsetzung. Sprich: Unternehmer, die bereits aktiv am Markt sind, finden im UWG die rechtliche Basis. Beispielsweise hilft das UWG, wenn Produkte sklavisch nachgeahmt werden (zum Beispiel bei einer zum Verwechseln ähnlich kopierten Website, auf der sich auch Texte oder Grafiken der Ursprungsseite wiederfinden).

Genauso hilft das UWG, wenn Wettbewerber sich öffentlich falsch oder herabsetzend über ein anderes Startup äußern. Wichtig für den Erfolg ist, den Gegenbeweis stichhaltig zu erbringen (siehe Evaluation vor Aktion).

Nicht aufs Urheberrecht verlassen

Das Urheberrecht schützt keine Geschäftsideen und ist auch keine Basis für eine Klage.

Es schützt lediglich künstlerische und andere schöpferische Leistungen, die allerdings zwingend in einem Werk (beispielsweise einem Gemälde, Buch, Noten, Quellcode) verkörpert sein müssen. Eine bloße Idee ohne Verkörperung in einem Werk ist nie schutzfähig. Auch dann nicht, wenn die Idee schriftlich niedergelegt wird. Dann ist zwar der Text, der die Idee beschreibt, urheberrechtlich geschützt, nicht aber die Idee als solche.

Patente sind kein Allheilmittel

Teile eines Geschäftskonzepts, die aus komplexeren physikalischen, chemischen oder anderen naturwissenschaftlichen Innovationen bestehen, können durch ein Patent geschützt werden. Startups, die an konkreten technischen Produkterfindungen basteln, sollten entsprechend darüber nachdenken, ihr Produkt so zu schützen. Bloße Geschäftsideen werden dieses Verfahren nicht erfolgreich bestehen, selbst bei Prozessen sind die Auflagen streng.

NDAs schützen nur bedingt

Auch NDAs bieten nur sehr eingeschränkten Schutz vor Ideenklau. Größtes Problem im Fall von Copycats ist, dass ein NDA einzelvertraglich vereinbart werden muss. Sobald die Geschäftsidee öffentlich einsehbar ist, beispielsweise in Form eines Webauftritts, kann jeder sie zur Kenntnis nehmen und für seine eigenen kreativen oder sonstigen Zwecke weiterverarbeiten. Mit einem NDA ist dagegen nicht anzukommen.

Empfehlung

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Kommt ein Unternehmer in die Situation, dass sein Startup einem dreisten Copycat zum Opfer fällt, ist er oft über die dürftigen rechtlichen Möglichkeiten enttäuscht. Schließlich hat man viel Zeit und Kraft in die Umsetzung der eigenen Idee gesteckt. Da scheint es oft unfair, dass sich ein Fremder an dieser Idee bereichert.

Allerdings sind die gesetzlichen Einschränkungen durchaus so gewollt. Entgegen dem allgemeinen Glauben hat das Recht des geistigen Eigentums nicht den Zweck, geistiges Eigentum zu schützen. Vielmehr soll durch einen gesunden und gesteuerten Wettbewerb die Innovation und die Schaffenskraft von Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft gefördert werden – eine Haltung, die der Startup-Branche mit ihren täglich aufkeimenden Innovationen zugutekommt. Die Motivation zu gründen wäre schnell vorbei, müsste man ständig auf der Hut vor Klagen von Wettbewerbern und Großkonzernen sein.

Für junge Unternehmen bedeutet das ganz konkret, dass es in der Praxis nur einen Weg gibt: Schneller und besser sein als der Wettbewerb. Also Ideenklau allenfalls mit den wenigen und sehr überschaubaren juristischen Mitteln bekämpfen und sich ansonsten darauf konzentrieren, das bessere Produkt zu bauen und schneller am Markt zu sein.

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