IDnow

Wider den Gang zur Post-Filiale

Felix HaasSebastian BärholdArmin BauerDennis von Ferenczy – diese vier sind keine Unbekannten in der deutschen Startup-Szene: Mit dem Aufbau der 2006 gegründeten Online-Ticket-Plattform Amiando und dem 10,35-Millionen-Exit an das Business-Netzwerk Xing Ende 2010 haben sie sich längst einen Namen gemacht. Seit dem Ausstieg bei der inzwischen in Xing Events umbenannten Plattform im September 2012 hat sich insbesondere Haas als Business Angel hervorgetan.

Nun wollen sie auch wieder selbst aktiv werden. Mit IDnow starten sie über ihre Holdinggesellschaft Jet A wieder ein eigenes Projekt, finanziert haben sie es aus eigener Tasche. Bereits im vergangenen Jahr haben sie das Startup in München gegründet – die Idee gab es bereits Ende 2012, wie Mitgründer Haas gegenüber Gründerszene verrät. Was hinter IDnow steckt? Die Neuerfindung des langsamen und in die Jahre gekommenen Postident-Verfahrens: Weil niemand sich gern in der Postfiliale in die Schlange einreiht um sich mit Personalausweis zu identifizieren, will das Team den umständlichen Prozess ins digitale Zeitalter übertragen.

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Insbesondere im Wachstumsbereich FinTech, also bei Direktbanken, Filialbanken, Kredit- und Finanzierungsanbietern, Kreditkartenanbietern oder Direktversicherungen, soll das neue Startup schnell unverzichtbar werden: Wer Konten, Depots, Kredite oder andere Finanzprodukte beantragen will, muss sich bislang über das Postident-Verfahren identifizieren, erklärt Mitgründer Haas, der das Startup mit den Gründerkollegen Bärhold und Bauer führt – von Ferenczy agiert als Berater.

Weil der Online-Beantragungsprozess durch das Identifikationsverfahren unterbrochen wird, seien oft hohe Abbruchraten die Norm, so Hass – und das bereite der Branche zunehmend Sorgen. Der Vorteil des neuen Angebots für Anbieter: Die Hürden für die Nutzung neuer (Finanz-)Produkte sinken deutlich, weil die notwendige Identifizierung deutlich schneller und unabhängig von Öffnungszeiten abläuft – zumindest wenn die Testphase von IDnow abgeschlossen ist. Zukünftig, so Haas, könne sich jeder ohne Medienbruch rund um die Uhr direkt online legitimieren.

Möglich wird das durch einen zweistufigen Identifizierungsprozess. Nach der Aufnahme des Ausweisdokuments durch den Verbraucher erkennt die IDnow-Bilderkennungssoftware Ausweisdokumente und Personen. Alle gängigen Papiere würden dabei unterstützt, wirbt das Startup, auch internationale. Im Anschluss überprüft ein IDnow-Mitarbeiter mittels Videochat die Legitimation, sowohl Anbieter wie auch Kunde bekommen das Ergebnis umgehend mitgeteilt. All das funktioniere per Smartphone oder über das Web, versichert Haas, damit will man sich auch von Wettbewerbern wie Web ID Solutions absetzen.

Milliardenmarkt FinTech wird auf den Kopf gestellt

Das Angebot von IDnow richtet sich an alle Finanzinstitute, die Neukunden online akquirieren und der Pflicht zur Legitimations- und Identitätsprüfung unterliegen. IDnow befinde sich „bei zahlreichen führenden Anbietern der Finanzindustrie in der Implementierungsphase“ – welche das sind, wollen die Macher allerdings noch nicht verraten. Ab dem vierten Quartal dieses Jahres soll das Angebot für die Nutzer zur Verfügung stehen.

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Dabei sei die notwendige Datensicherheit gewährleistet, versichert IDnow: Die regulatorischen Anforderungen des Bundesfinanzministeriums würden vollständig erfüllt. Dem Gründerteam stehen dabei Andreas Betzer, ehemaliger Vorstand von Lufthansa Miles & More sowie von Payback, Henning Ahlert, früherer Vorstand Operations der 1&1 Internet AG, sowie Sebastian Kraska, Datenschutzexperte und Gründer des Instituts für IT-Recht, als Berater zur Seite.

Mit dem Bereich FinTech haben sich Haas, von Ferenczy, Bauer und Bärhold ein Segment ausgesucht, dessen „Disruption“ schon vorprogrammiert scheint: Weil Banken längst zu schwerfälligen Kolossen geworden sind und Innovation in den vergangenen Jahren ausblieb, haben sich bereits eine ganze Reihe an Startups in diesem Bereich aufgestellt: Die Hamburger Kreditplattform Kreditech etwa – bei der Haas übrigens als Investor mit an Bord ist –, das „Girokonto 2.0“ von Avuba oder Bezahldienstleister wie Paymill. Smava, Auxmoney, Lendico, Zencap, Traxpay, Figo, Ginipay, Appsichern, Friendsurance, Numbrs – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Der Charme von IDnow liegt dabei in der Tatsache, dass das Münchener Startup mit keinem der genannten Unternehmen im Wettbewerb steht. Und so lange es das Geschäft mit dem lieben Geld geben wird, so dürfte wohl auch das Kalkül der Gründer aussehen, wird es auch bei noch so vielen neuen FinTech-Startups im Hintergrund immer Banken und die Notwendigkeit der Identifizierung ihrer Kunden geben. Das ist keine schlechte Basis.

Bild: IDnow / Screenshot