iGrow Alexander Klein E-Learning Microlearning

iGrow-Mitgründer und -Geschäftsführer Alexander Klein

Microlearning-Plattform iGrow geht an den Start

Mit einem alten Bekannten hat man schon seit Jahren nicht mehr gesprochen, um die eigenen Ernährungsgewohnheiten steht es schlecht und mit der Bewerbung will es auch nicht so recht klappen: Einen persönlichen Coach und Motivationstrainer für alle Lebenslagen wünschen sich wahrscheinlich viele. Die Microlearning-Plattform iGrow will Abhilfe schaffen und überall dort ansetzen, wo der Antrieb aussetzt.

In einer virtuellen Akademie können registrierte Nutzer zwischen verschiedenen Übungskomplexen, sogenannten Missionen, wählen. Wer sich für eine Mission entscheidet, dem weist das System über mehrere Tage hinweg verschiedene Aufgaben zu. So sollen die User ihre Ziele etwa beim Sport in kleinen Schritten erreichen können. Bei einigen Missionen wird der Nutzer zur Kasse gebeten – über diese kostenpflichtigen Optionen will sich iGrow finanzieren. Für die Konzeption der Übungseinheiten wollen die Seiten-Macher bekannte Branchengrößen und Experten einspannen.

Das E-Learning-Portal, das heute offiziell startet, wird seit Ende 2012 von Alexander Klein und Tom Gerum entwickelt, die Beta ging Anfang dieses Jahres online. Das Startup mit Sitz im bayerischen Landkreis Erding war zunächst ein Projekt des Organisations- und Personalentwicklungsunternehmens Summerrain. Nun wird iGrow zur eigenständigen Kapitalgesellschaft. Mit Gründerszene hat iGrow-Mitgründer und Geschäftsführer Alexander Klein über Mimikresonanz, Qualitätssicherung und das Nebeneinander von Online- und Offline-Präsenz gesprochen.

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Welche Mission hast Du zuletzt durchgezogen?

Den Aufgabenkomplex „Umgang mit Stress“. Dafür habe ich jeden Tag Übungen verschiedener Schwierigkeitsstufen aufgetragen bekommen. Am ersten Tag sollte ich mir Gedanken über die Struktur meines Alltags machen und mit anderen über meinen Tagesablauf sprechen. Am zweiten Tag rät iGrow dann zum Durchatmen und zeigt Auszeit-Möglichkeiten auf: Wie schafft man sich Freiräume und wie geht man mit ihnen um? Konkrete Handlungsanweisungen gab es dann an Tag drei, an dem eine Meditationsübung anstand. iGrow gibt seinen Nutzern die Impulse zwar online, realisieren müssen sie die Aufgaben aber offline, also live und in Farbe.

Das erfordert Selbstbeherrschung. Wie wollt Ihr erreichen, dass die User am Ball bleiben?

Das erreichen wir zum einen über tägliche Erinnerungsmails, in denen die Übungen des Tages mit einem anspornenden Titel zusammengefasst sind. Ab Mitte Juli sollen dann zusätzliche Motivationen und Inspirationen zum Durchhalten ermutigen. Gerade bei Sport-Missionen lässt sich im Voraus abschätzen, an welchen Tagen der Nutzer einen Durchhänger haben wird. Zu den entsprechenden Zeiten landen dann im Portal zusätzlich zur Aufgabe Motivationsaussagen: „Ich weiß, dass du heute Muskelkater hast, aber es lohnt sich, weiterzumachen!“ Eine andere Sache, die wir planen, sind Schnittstellen zu klassischen Aufgabenkalendern. Derzeit ist iGrow auch als hybride Android-App zu haben. So kann sich iGrow dem Alltag der User anpassen.

Die Übungseinheiten, die Ihr anbietet, werden von sogenannten Missionmakern entworfen. Wer legt die Themen fest?

Am Anfang dachten wir, dass E-Learning ausschließlich von Inhalten lebt. Im Laufe der iGrow-Entwicklung kam dann die Erkenntnis, dass User den Inhalten vor allem vertrauen müssen, wenn sie diese auch umsetzen sollen. Ein Grundvertrauen in die Richtigkeit der behandelten Themen hat der User aber nicht immer. Daher sprechen wir für unsere Missionen bekannte Experten an. So klappt der Einstieg über vertraute Gesichter aus den Medien, über Autoren von Büchern, Coaches oder Berater. Dadurch ergeben sich dann thematische Ansätze für die Missionen. Es gibt aber auch Fälle, in denen ein Thema schon feststeht, bevor wir einen Experten heranziehen.

Wen wollt Ihr mit iGrow erreichen?

Grundsätzlich alle Menschen mit einem Endgerät, die in einem bestimmten Themenbereich den Drang nach Umsetzung verspüren. Was wir derzeit nicht machen sind Schulungen für Kinder. Wir richten uns aber mit entsprechenden Erziehungsmissionen an Eltern.

Euer Angebot ist in mehrere Disziplinen unterteilt. Welches Thema kommt besonders gut an?

Das ist momentan eindeutig die Mimikresonanz. Auch hier läuft die Vertrauensbildung über eine bekannte Größe, nämlich Dirk W. Eilert, der ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet und relativ medienpräsent ist. Die einzelnen Übungen sollen das Verständnis von Gesichtsausdrücken und Emotionen fördern. Das geschieht etwa über Beispielvideos oder indem das System Nutzer dazu auffordert, sich die Mimik der Menschen im Zugabteil genauer anzusehen.

Die Qualitätssicherung sollte beim E-Learning eine entscheidende Rolle spielen. Welche Stationen durchlaufen Eure Missionen, bevor sie online gehen?

Der Experte erstellt die Mission nach fachlichen Gesichtspunkten. Wir prüfen die Methodik, stellen sicher, dass die Schritte nicht allzu groß und die Hürden niedrig sind. Wir achten außerdem auf eine logische Reihenfolge der Übungen. Am Schluss steht die Rechtschreibprüfung und eine visuelle und mulitmediale Aufbereitung.

Wie kam es überhaupt zur Gründung von iGrow?

Hervorgegangen ist iGrow aus der Summerrain GmbH, einer Organisations- und Personalentwicklungsberatung, die 2010 von meinem Partner Tom Gerum in der Schweiz gegründet wurde. Mit Summerrain machte Tom die Erfahrung, dass der Alltag die Mitarbeiter von Unternehmen nach Change-Projekten, Workshops oder Seminaren sehr schnell wieder einholt. Die Leute gehen zurück an ihren Arbeitsplatz und machen nach kurzer Zeit wieder genau das, was sie vorher gemacht haben. Mit iGrow geben wir den Menschen nun konkrete To-Do-Listen an die Hand, mit denen sie ihre Ziele in kleinen Schritten und damit nachhaltig erreichen können. Die einzelnen Übungen sollen Alltagstätigkeiten sinnvoll erweitern, sodass der Tagesablauf dass Gelernte nicht schluckt.

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Wie seid Ihr momentan finanziert?

Bislang haben wir uns vollständig über Bootstrapping finanziert und erst kürzlich einen privaten Sideinvestor an Bord holen können. Jetzt stecken wir in unserer ersten Finanzierungsrunde und führen Gespräche mit potentiellen Lead-Investoren.

Auf Eurer Webseite bewerbt ihr das „Human Sense Project“. Was steckt dahinter?

Für jede abgeschlossene Mission spenden wir bis zu zehn Prozent des Kaufpreises an soziale Projekte. Dabei können die Nutzer zwischen verschiedenen Projekten wählen.

Die iGrow-Plattform ist heute live gegangen. Wo wollt Ihr in zwölf Monaten stehen?

Eine Internationalisierung steht definitiv auf unserem Fahrplan – allerdings nicht vor 2016. Dafür bräuchten wir ein völlig neues Missionmaker-Netzwerk und müssten unser Angebot an neue kulturelle Hintergründe und Mentalitäten anpassen. Übungen zur Kindererziehung etwa müssten in Großbritannien völlig anders aussehen als in Deutschland. Daher konzentrieren wir uns vorerst auf den deutschsprachigen Raum. Bei den Nutzerzahlen liegt unser Ziel etwas näher: Bis Ende 2015 sollen eine knappe halbe Million Menschen mit iGrow lernen.

Bild: iGrow