ImagineCargo-Gründer Nick Blake

Online einzukaufen ist mittlerweile zur Normalität geworden, schnell ein neues Kleid von Zalando oder die neue Handy-Hülle von Amazon. Doch kaum einer macht sich Gedanken über den Lieferweg, den das Paket zurücklegen muss. Oder?

Nicholas Blake schon. Der gebürtige Engländer arbeitete in der Vergangenheit für Logistik-Unternehmen wie FedEx oder die International Air Transport Association. 2014 beschloss er, eine Alternative zum üblichen Paketlieferdienst zu gründen.

ImagineCargo-Auslieferung

Zusammen mit Benjamin Duh startete Blake den Lieferdienst ImagineCargo in Zürich. Das Konzept: Bahn und Bike. In der Stadt liefern Fahrradboten die Pakete aus, über Stadtgrenzen hinaus fahren die Pakete mit dem Zug. Bislang liefert das Startup nur für Unternehmen aus. In Zukunft plane man aber auch Lieferungen für Privatpersonen, so Blake.

Für die Zuglieferungen kooperiert das Startup unter anderem mit den Schweizerischen Bundesbahnen. „Die Pakete sind zu jeder Zeit unter der Aufsicht des Zugpersonals und in speziellen Abteilungen der Züge untergebracht, zu denen Passagiere keinen Zutritt haben“, so Blake gegenüber Gründerszene.

Am Zielort werden die Pakete wieder von Radlern in Empfang genommen – und weiter ausgeliefert. Bis zu 99 Prozent weniger CO2 als bei vielen herkömmlichen Lieferdiensten soll so ausgestoßen werden, behauptet Blake.

Seit März ist ImagineCargo auch in Deutschland vertreten: in Berlin, Freiburg, Frankfurt am Main und München. „Wir sind erst einmal in diesen vier Städten gestartet, planen aber bald viele andere hinzuzufügen“, so Blake. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte würden diese Städte für ImagineCargo gut passen. Es herrsche außerdem „ein generelles öffentliches Interesse an alternativen Transport- und Mobilitätsoptionen“.

Weder mit dem Rad noch mit dem Zug gäbe es größere Zeitunterschiede zu konventionellen Expressdiensten, wie Blake gegenüber dem Magazin enorm sagte. „Tatsächlich sind wir aufgrund der Dichte der Fahrpläne der High-Speed-Bahnetzwerke sehr flexibel. Es gibt jede Stunde einige Verbindungen zwischen den größten Städten. Das ermöglicht uns innerhalb ein paar Stunden zu liefern.“

Das hat allerdings auch seinen Preis. Laut Wirtschaftswoche beginnen die Preise für eine Express-Lieferung ab 340 Euro, um ein Paket von Berlin nach München zu schicken. Lieferungen innerhalb einer Stadt kosten von fünf bis zehn Euro. Dabei will das Startup auch bei den Arbeitsbedingungen nicht sparen und einen Großteil der Fahrer festeinstellen – mit fairen Gehältern, schreibt das Magazin. Konkrete Angaben habe das Unternehmen nicht gemacht.

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Blake hat sich in einen Markt mit viel Konkurrenz gewagt. Denn schließlich gibt es klassische Fahrradkuriere schon seit langer Zeit. Zugegeben: die meisten konzentrieren sich wohl auf Briefe und nicht wie ImagineCargo auf Pakete.

Dann gibt es wiederum junge Unternehmen wie DBike. Potentielle Lieferanten können sich beim Münchener Startup als Kuriere melden, während Kunden über die Onlineplattform ihre Paketlieferungen in Auftrag geben.

Artikelbild: Screenshot YouTube / Zurich Schweiz; Bild: Screenshot ImagineCargo