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Manuel Kayl, Anlageexperte von Finanztip

Es ist schon seit einiger Zeit ein Hype-Thema in der Szene: Immobilien. Doch wie können Startups das zu Geld machen? Einige sind auf die Idee gekommen für Immobilienprojekte Geld über die Crowd einzusammeln. Das Prinzip: Viele Anleger können kleinere Beträge in eine Immobilie ihrer Wahl investieren.

Die Namen solcher Startups lauten etwa Zinsland, Exporo, Mezzany, Fundernation, Kapitalfreunde. Die Plattform Bergfürstdie zuletzt wegen der Aufgabe ihrer Banklizenz Schlagzeilen machte, hat ebenfalls eine Immobilie im Angebot. In den kommenden Monaten wird noch Brickgate starten, momentan sucht das Berliner Startup nach Mitarbeitern und Projekten.

Da solche Investments so für viele kleinere Anleger zugänglich werden sollen, ist auch von der „Demokratisierung der Immobilienbranche“ die Rede. Doch wie seriös sind diese Angebote für Kleinanleger? Wir haben Manuel Kayl vom Magazin Finanztip gefragt. Für Gründerszene hat sich der Anlage-Experte die Plattformen angeschaut (bei Brickgate sind noch keine Konditionen einsehbar).

Manuel, würdest Du Kleinanlegern empfehlen, ihr Geld in Crowdinvestment-Plattformen für Immobilien zu stecken?

Prinzipiell ist dagegen nichts einzuwenden. Man darf allerdings nicht erwarten, dass die Plattformen die Anleger objektiv über die Bauprojekte informieren. Ich habe mir etwa das Video über die Villa Alpenblick auf der Plattform Fundernation angeschaut. Das Video ist sehr einfach produziert und wenig aussagekräftig, das könnte jeder Student professioneller produzieren. Das schafft kein Vertrauen.

Und was ist konkret das Problem?

Es geht für den Anleger darum, Rendite und Risiko abschätzen zu können. Die Rendite ist in diesem Fall klar, das sind fünf Prozent jährlich für eine Laufzeit von zwei Jahren. Wie hoch das Risiko bei so einer Anlage ist, können Kleinanleger allerdings nur schwer abschätzen. Die Anleger müssen sich gut in der Immobilienbranche auskennen. Außerdem ist es wichtig, dass sie die Situation für Büroräume und Wohnungen in der jeweiligen Region einschätzen können.

Warum sammeln die Plattformen überhaupt Geld aus der Crowd ein?

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In den Informationen von Zinsland ist das ganz gut erklärt. Viele Bauprojekte werden vor allem über Kredit von Banken finanziert. Weil die Initiatoren nicht über genügend Eigenkapital verfügen, um bei den Banken das gesamte Geld zu guten Zinskonditionen zu bekommen, setzen sie auf die Crowd. Bei vielen Bauprojekten sind das Nachrangdarlehen oder Genussrechte, sogenanntes Mezzanine-Kapital. Scheitert das Bauprojekt, werden die Banken zuerst bedient. Die Erfahrung zeigt, dass bei einer Insolvenz für die Anleger häufig nichts übrig bleibt. Sicher kein Angebot für den normalen Kleinanleger.

Für die relativ neue Anlageform gibt es bislang wenig Erfahrungswerte. Wenn ich als Anleger trotzdem in ein Immobilien-Projekt investieren möchte – auf was muss ich achten?

Ich würde das Geld auf mehrere Bauprojekte verteilen, sonst entsteht leicht ein Klumpenrisiko. Scheitert ein Projekt, ist das Risiko hoch, dass dort das Geld verloren ist. Das bedeutet aber auch, dass man sich über mehr Projekte detailliert informieren und durch das Kleingedruckte kämpfen muss. Es ist wichtig festzuhalten: Nur weil es sich um Immobilien handelt, ist das kein risikoarmes Investment.

Was ist eine Alternative, die dem Kleinanleger in der Niedrigzinsphase ebenfalls fünf Prozent Rendite wie bei der Villa Alpenblick einbringt?

Wir empfehlen einen Teil einfach auf dem Tagesgeldkonto zu parken. Und den anderen Teil in Aktienfonds, die an einen Index gebunden sind, zu investieren. Dazu liegen historische Daten vor, die zeigen, dass es seit 1970 im Durchschnitt jedes Jahr sieben Prozent Rendite gab. Wer also sein Geld gut aufteilt, kann durchaus fünf Prozent für seine Anlage bekommen.

Siehst Du Qualitätsunterschiede zwischen den Portalen?

Das Problem ist: Es gibt relativ viele Plattformen, aber erst wenige Angebote. Der Auftritt muss sich nach meiner Einschätzung bei allen noch professionalisieren.

Bild: Finanztip