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Moneymeets-Gründer Johannes Cremer

Nicht selten müssen Gerichte über die Geschäftsmodelle von Startups entscheiden. Meistens klagen die Etablierten der Branche, weil die jungen Unternehmen sie gehörig nerven. Zwischen Ryanair und den Flugrechte-Startups schwelt zum Beispiel so ein juristischer Konflikt. Und auch das Kölner Insurtech-Startup Moneymeets muss sein Geschäftsmodell schon länger vor Gericht verteidigen.

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Vor wenigen Tagen ist nun ein weiteres Urteil zugunsten des Angreifers gefallen. Das Oberlandesgericht Köln hat am Freitag entschieden, dass Moneymeets auch künftig Provisionen mit seinen Kunden teilen darf. Der Hintergrund: Das Unternehmen bietet eine Online-Plattform, auf der Nutzer ihre Anlageprodukte und Versicherungen abbilden können. Wer dem Startup den Maklerauftrag für seine Versicherungen überträgt, erhält die Hälfte der Maklerprovision erstattet. Ein Makler aus Berlin hatte dagegen geklagt.

Der Moneymeets-Prozess ist mehr als nur ein juristisches Scharmützel zwischen einem Startup und einem Makler. Im Kern geht es um die Zukunft des Versicherungsgeschäfts. Die Makler haben in der Vergangenheit äußerst gut von den Provisionen gelebt – und von der Intransparenz des Geschäfts profitiert. Sie haben die digitale Veränderung verschlafen – und nun drohen die Startups sogar, die Makler mit Plattformen oder Apps ganz zu ersetzen. Das Urteil des Oberlandsgerichts ist ein weitere wichtiger Punktsieg für die gesamte Insurtech-Branche. Auch Moneymeets-Wettbewerber wie Clark werben damit, ihren Kunden zumindest einen Teil der Provisionen zu erstatten.

Das untersagte früher das sogenannte Provisionsabgabeverbot, ein Gesetz aus dem Jahr 1934. Im Moneymeets-Prozess berief sich der Kläger – Vorstand eines Makler-Branchenverbandes – auf diese Vorschrift. Die Maklerbranche argumentiert: Wer als Vermittler seine Provisionen offen legt und an die Kunden zurückgibt, hat keinen Anreiz mehr für eine gute und ausführliche Beratung – dafür wird eher auf einen schnellen Abschluss einer Versicherungspolice gedrängt.

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Die Insurtechs sehen das anders. Von der Transparenz sollen die Kunden profitieren. Schon im Herbst 2015 hatte das Kölner Landgericht das Provisionsabgabeverbot für nicht mehr zeitgemäß erklärt – und Moneymeets erstmals recht gegeben. Das aktuelle Urteil ist nun ein wichtiger Schritt für die Startups, die mit digitalen Vertriebswegen und niedrigen Preisen die verkrustete Makler-Branche angreifen wollen. Das bedeutet mehr Rechtssicherheit in den kommenden Monaten. Ab Juli 2017 greift dann ein neues Gesetz, mit dem das Bundesfinanzministerium das Provisionsabgabeverbot endgültig beseitigen will.

Doch schon bald könnte es bereits eine neue Regelung geben. In einigen Monaten soll die europäische Versicherungsvertriebsrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt werden. Wie der Gesetzgeber damit umgeht, ist offen. Moneymeets gibt sich auf jeden Fall zuversichtlich: Das Geschäftsmodell lasse sich umstellen – mit digitalen Abläufen sei das Unternehmen den analogen Maklern weiter einen Schritt voraus, ließ Gründer Johannes Cremer das Handelsblatt wissen.

Bild: Moneymeets