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„Der hat natürlich Symbolkraft“: Gründerwerft-COO Oliver Hammerstein und der Holzanker

Hamburger Gründerwerft startet im Januar

Oliver Hammerstein zeigt auf einen mannshohen Holzanker, der neben der Empfangstheke auf dem blauen Teppichboden liegt. „Der hat natürlich Symbolkraft“, sagt er. Und zwar eine ganze Menge: Der Anker stehe für solides Unternehmertum, für die Verankerung im deutschen Mittelstand und für die Stärke der hanseatischen Wirtschaft – dem Geschäftsführer des Hamburger Entwicklerbüros Silpion und COO eines neuen Inkubators fallen gleich eine ganze Menge Metaphern ein.

Gemeinsam mit Patrick Postel, ebenfalls Silpion-Geschäftsführer, hat Hammerstein die Hamburger Gründerwerft initiiert. Das Inkubatorprogramm soll ab dem kommenden Jahr den Aufbau von jungen IT-Unternehmen in der Hansestadt vorantreiben. Hinter der Gründerwerft steht die Software Allianz Hamburg (SAH), ein Zusammenschluss 29 mittelständischer IT-Unternehmen.

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Das Besondere dabei: Die Gründer bekommen nicht nur Beratung und ein Netzwerk von Pilotkunden und Geschäftspartnern zur Verfügung gestellt – sie erhalten zudem die Garantie, in einer der Firmen des SAH-Bündnisses angestellt zu werden, falls ihnen der Aufbau einer eigenen Firma nicht gelingen sollte.

Hammerstein möchte diesen Ansatz jedoch auf keinen Fall falsch verstanden wissen. „Wir suchen Gründer, denen es vor allem darum geht, ihr eigenes Geschäftsmodell voranzubringen“, sagt er. Allerdings gebe es viele junge Menschen, in denen zwar eine ganze Menge Unternehmergeist stecke, die sich dann aber den Schritt in die Selbstständigkeit doch nicht zutrauten.

Das Problem ist bekannt, zuletzt hat es unter anderem eine Umfrage des Europäischen Parlaments in diesem Frühjahr bestätigt: Nur knapp 30 Prozent der Deutschen im Alter zwischen 16 und 30 Jahren können sich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen – deutlich weniger als in anderen Ländern.

„Mit unserem Konzept wollen wir denjenigen, die zögern, eine Tür öffnen“, sagt Hammerstein und zieht mit den Händen zwei imaginäre Türflügel auf. Gesucht würden vor allem Gründer, die Internetportale oder Apps entwickeln wollten. Eigene Geschäftskonzepte will das Mittelstandsbündnis nicht ausarbeiten – damit unterscheidet sich die Gründerwerft von herkömmlichen Inkubatoren.

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Für die Jungunternehmer gibt es in der Gründerwerft Räumlichkeiten und Internet, darüber hinaus sollen sie eng mit jeweils einer der Firmen aus dem SAH-Verbund zusammenarbeiten. Der Schwerpunkt liege dabei ganz klar auf dem Thema IT-Entwicklung, sagt Hammerstein. „Für den Erfolg eines Produktes ist es entscheidend, dass die IT stimmt. Wenn da am Anfang Fehler gemacht werden, holt man das in der Regel nicht mehr auf. Wir sprechen hier von technischen Schulden.“ Durch intensive Betreuung solle dieses IT-Risiko so stark wie möglich gesenkt werden. „Wir wollen den Gründern damit sozusagen unser Gütesiegel aufdrücken. Mögliche Investoren sollen wissen: Bei Produkten aus der Gründerwerft stimmt die technologische Grundlage.“

Finanzielle Unterstützung bietet die SAH dagegen keine – noch ein Unterschied zu Inkubatoren wie Project A, Rocket Internet oder Hubraum. An die SAH müssen die Gründer fünf Prozent ihrer Geschäftsanteile abtreten.

Auch die Suche nach Investoren müssen die Nachwuchsunternehmer weitestgehend alleine übernehmen. Stattdessen will Hammerstein die Gründer mit Praxisnähe locken: Die Teams sollen von Anfang an in das breite Firmennetzwerk der IT-Mittelständler eingebunden werden, so dass sie schon früh herausfinden können, wie ihre Produkte am Markt ankommen. Dazu gibt es begleitende Veranstaltungen unter anderem zu den Themen Marketing, Steuer- und Gesellschaftsrecht, BWL sowie Projektmanagement.

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Viele der SAH-Mitglieder bringen dabei selbst Gründungserfahrung mit. Silpion-Geschäftsführer Patrick Postel zum Beispiel hat das Unternehmen noch als Student mitaufgebaut und ist heute Chef von rund 130 festen Mitarbeitern. Viele weitere Firmen des IT-Bündnisses wie Akra oder Project Partners werden ebenfalls von ihren Gründern geführt. Hammerstein dagegen hat jahrelang als Unternehmensberater gearbeitet und ist erst vor wenigen Monaten zu Silpion gewechselt. Seine Stärke sieht er vor allem im HR-Bereich.

Vorbei an drei noch unberührten Sitzsäcken läuft der Geschäftsführer der Gründerwerft den Flur hinunter und öffnet die Tür zu einem der Büroräume. Darin stehen zwei leere Schreibtische mit schwarzen Flachbildschirmen, im Ikea-Regal lehnen bereits einige Marketing-Bücher. Vor dem Fenster fließt die Elbe vorbei. „So könnte das dann demnächst überall aussehen“, sagt Hammerstein.

Mitte Januar sollen die ersten Jungunternehmen einziehen, bis Ende des Jahres will das Bündnis weitere Gespräche führen, insgesamt ist Platz für etwa 50 Personen. „Es geht allerdings nicht darum, möglichst schnell die Räume zu füllen, sondern darum, die Besten zu bekommen.“

Bild: Katja Scherer