Founders_of_InnoGames

Die InnoGames-Gründer Michael Zillmer, Hendrik Klindworth und Eike Klindworth (von links)

Es ist die Erfolgsmeldung in der deutschen Spieleindustrie: Das Hamburger Unternehmen InnoGames kann einen Riesen-Deal an Land ziehen – der schwedische Entertainment-Konzern MTG gibt der Spiele-Schmiede 91 Millionen Euro und bekommt dafür 35 Prozent der Anteile, mit einer Option auf die Übernahme der Mehrheit im kommenden Jahr. Die Meldung kommt überraschend, war doch in den vergangenen Wochen aus der Branche vor allem Negatives zu hören:

  • Vor Kurzem gaben die Gründer des Hamburger Spiele-Entwicklers Goodgame Studios die Führung ab – zuvor war bekannt geworden, dass Hunderte Mitarbeiter gehen müssen. „Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren erheblich in neue Genres und Plattformen investiert. Bisher konnte aber noch keine Neuentwicklung an den Erfolg der Bestandstitel anknüpfen“, hieß es damals in einem Statement.
  • Die Berliner Spieleschmiede Wooga trennte sich im August von etwa 40 Mitarbeitern. Einige Projekte sind nach Unternehmensangaben hinter den Erwartungen zurückgeblieben.
  • Nur wenige Wochen zuvor musste der Berliner Spiele-Publisher Aeria Games die Hälfte seiner Belegschaft entlassen – insgesamt 100 Mitarbeiter. Der Schritt sei nötig gewesen, um in dem schwierigen und von internationalem Wettbewerb geprägten Games-Markt die Weichen auf Wachstum zu stellen, gab die Firma an.
  • Und zuvor setzte auch das Berliner Unternehmen GameDuell ein Viertel seiner Mitarbeiter auf die Straße. Auch hier wurde als als Begründung der harte Wettbewerb genannt.

Anders bei InnoGames: Das im Jahr 2003 als Hobby der beiden Brüder Eike und Hendrik Klindworth sowie von Michael Zillmer gestartete Unternehmen hat heute mehr als 150 Millionen registrierte Nutzer. Für dieses Jahr wird ein Umsatz von 125 Millionen Euro erwartet, die Ebitda-Marge soll bei etwa 20 Prozent liegen. Hier erklärt CEO Hendrik Klindworth, was sein Unternehmen besser macht als die Konkurrenz.

Hendrik, warum geht es der Spielebranche in Deutschland so schlecht?

Der Branche geht es gar nicht schlecht. Die schlechten Nachrichten der letzten Zeit haben nur alles überschattet, was gut läuft – und da gibt es eine Menge. Viele Spiele haben ganz treue Kunden, die über Jahre viel Zeit damit verbringen. In was für einer anderen Branche hat man das schon? Und obwohl im Free-to-play-Bereich die Kunden erstmal bei einem Spiel nichts zahlen, lassen sich durch zusätzliche Features ordentliche Gewinne erzielen. Das zeigen Spiele wie „Forge of Empires“ oder „Tribal Wars“. Die Spieler testen sie und bleiben so lange dabei, wie sie Spaß daran haben. Das ist doch ein schönes und faires Modell.

Was machen dann Eure Konkurrenten falsch?

Der größte Fehler ist es, zu schnell und zu aggressiv wachsen zu wollen. Wir sind beispielsweise seit unserer Gründung vor zehn Jahren ab dem ersten Tag immer profitabel gewesen und haben sehr darauf geachtet, organisch zu wachsen. Auch sollte man viele verschiedene Spiele im Portfolio haben. Dann fällt es nicht so sehr ins Gewicht, wenn ein Spiel mal nicht gut läuft. Und man darf nicht unterschätzen, dass es sehr harte Arbeit ist, ein Spiel erfolgreich zu machen.

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Was fällt daran so schwer?

Die Spieler haben hohe Ansprüche. Im mobilen Bereich gibt es beispielsweise über 100.000 Spiele. Da gilt es erstmal aus der Masse hervorzustechen und das kann man nur mit einer sehr gut aufgestellten Marketing-Abteilung. Zudem braucht man Spiele, die den Spieler auch über Monate und Jahre fesseln.

Wie bekommt man die?

Das Spiel muss einen fordern und dabei die Möglichkeit bieten, dauerhaft Fortschritte zu machen. Außerdem muss es Spieler miteinander in Kontakt bringen – und sie entweder gemeinsam oder gegeneinander antreten lassen. Und man sollte ihnen Events zu bestimmten Themen anbieten, sie also auch darüber in Verbindung bringen. Mit unseren Titeln gelingt uns das sehr gut, worauf wir natürlich auch stolz sind. Unser erstes Spiel Tribal Wars etwa hat erst neulich seinen 13. Geburtstag gefeiert und ist immer noch erfolgreich. 

Auf was für Spiele konzentriert Ihr Euch in Zukunft?

Ganz klar: Wir werden die Mobile Games weiterentwickeln. Außerdem konzentrieren wir uns auf die drei Genres Strategie, Simulation und Rollenspiele. Es ist ein weiterer Fehler, den man machen kann, wenn man den Fokus auf zu viele Bereiche legt und sich dann verzettelt.

MTG hat sich die Option gesichert, zur gleichen Firmenbewertung von 260 Millionen Euro auf 51 Prozent der Anteile zu erhöhen. Strebt ihr jetzt einen Exit an?

Wir Gründer sicher nicht. Wir werden noch viele weitere Jahre im Unternehmen sein, weit über 2020 hinaus. Auch als Gesellschafter. Dazu macht uns die Arbeit einfach zu viel Spaß, als dass wir uns das nehmen ließen.

Bild: InnoGames