Das Investmentforum: Vorträge, Netzwerken und Speed-Dating

Im Rahmen der High-Tech-Strategie setzt sich die Bundesregierung verstärkt für die Förderung von Unternehmensgründungen aus dem technologischen Umfeld ein. Mit dem Programm EXIST unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Gründungen aus der Wissenschaft; das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wiederum initiierte mit Go-Bio ein Programm, das insbesondere Geschäftsideen aus dem Bereich Life Sciences fördert.

Bereits zum vierten Mal veranstaltete das BMWi nun gemeinsam mit dem BMBF das Investmentforum – dieses Jahr unter dem Motto: „Innovationen suchen Kapital“. Gründer, Startups, Investoren und weitere Teilnehmer aus Wirtschaft und Wissenschaft trafen am 24. März im Humboldt CARRÉ in Berlin zusammen, um Kontakte zu knüpfen und sich über neueste Technologien, innovative Geschäftskonzepte und Finanzierungsmöglichkeiten auszutauschen. Neben den zahlreichen Pitches der geförderten Jungunternehmen, die sich in verschiedenen Wachstumsphasen befinden, stand auch Speed-Networking mit auf dem Programmplan. In Einzelgesprächen konnten sich Gründer und Investoren über mögliche Kapitalinvestments unterhalten.

Ideas won’t work unless you do

Klarer Fokus des diesmaligen Investmentforums lag auf Gründungen aus den Bereichen Life Sciences und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Die Keynote wurde in diesem Jahr von Prof. Dr. Ugur Sahin abgehalten, der den Erfolg seines geförderten Life Science Biotechnologie-Unternehmens BioNTech verdeutlichte und im Zuge dessen wichtige Erkenntnisse seiner Gründungszeit präsentierte. Mit Thomas Edisons Leitsatz ‘Ideas won’t work until you do‘ motivierte er die Jungunternehmen, stets am Ball zu bleiben und sich immer wieder den Herausforderungen und Hürden zu stellen, die Unternehmensgründungen mit sich bringen. Für Sahin zählten neben Ausdauer und einem funktionierenden Team vor allem drei Aspekte zum Erfolgsschlüssel:

  • Langfristige Ziele setzen und sich dabei nicht irritieren lassen
  • Finanzierungen und Förderinstrumente nutzen, denn daraus ergeben sich oft neue Finanzierungen
  • Timing im Auge behalten und Projekte danach bewerten, welches Problem noch nicht gelöst wurde

Von der Förderung des Bundesministeriums konnte er nur Positives berichten: „Es war eine hervorragende Betreuung und eine angenehme Zusammenarbeit. Man steht als Unternehmensgründer nicht alleine da und ist vorbereitet auf den Ernst des Lebens“, so Sahin.

EXIST-Erfahrungen von Gründerseite

Auf der Veranstaltung nutzten viele von EXIST geförderte Gründer die Möglichkeit, mit Investoren zu sprechen und sich mit anderen Startups zu vernetzen. Yasha Tarani, Gründer und CEO von resmio, einer Reservierungssoftware für die Gastronomiebranche, die Online-Marketing anhand von Direktmarketingmaßnahmen automatisiert, war auch unter den Gästen vertreten. Auf die Frage, inwiefern er von Veranstaltungen dieser Art und vom EXIST-Förderprogramm profitiert, berichtet er: „Ein Ziel ist bei uns natürlich, mit weiteren potenziellen Investoren zusammenzukommen, da wir gerade eine Wachstumsfinanzierung zusammenstellen. Hier trifft man viele Investoren auf einen Schlag und man kann schauen, mit wem man noch nicht gesprochen hat. Ich finde es auch generell spannend, neue Leute kennenzulernen und zu sehen, was gerade in der Startup-Szene passiert. Profitiert haben wir von EXIST vor allem von den finanziellen Mitteln und den Coachings der Gründungsberater an der Universität, die einem mit Rat und Tat zur Seite standen. Die Kombination aus Beratern, Professoren und anderen Involvierten war sehr gut, alle waren immer sehr engagiert. Aber auch die verschiedenen Veranstaltungen, die aktiv von den Projektträgern und vom Ministerium gepflegt werden und zu denen ich nach zwei Jahren immer noch gerne gehe, sind unglaublich wichtig. Durch EXIST hat man zudem natürlich auch immer eine gewisse Glaubhaftigkeit gegenüber Kapitalgebern gewonnen, denn diese haben die Gewissheit, dass bereits ein Gremium über die Geschäftsidee geschaut und es für innovativ und umsetzbar befunden hat. Sie wissen also, dass bereits gewisses Kapital geflossen ist.“

Auch Hagen Schwiebert von Einfach Sprechen, einer App, mit der Aphasie-Patienten selbstständig durch etablierte logopädische Verfahren sowie einer bisher einzigartigen integrierten Spracherkennungstechnologie zuhause trainieren können, äußerte sich sehr positiv über das Förderprogramm für Gründer: „Von EXIST haben wir in erster Linie von den finanziellen Mitteln profitiert. Du kannst zwar eine tolle Idee und fachliche Kompetenzen haben, aber ohne Geld geht es halt nicht. Neben der finanziellen Förderung gab es aber auch Seminare, etwa zum Thema Vertrieb, die wir mitgemacht haben. Daneben sind Veranstaltungen wie das Investmentforum überaus nützlich: Es ist immer sinnvoll und wichtig, Ideen zu hören und zu sehen und zu schauen, wie sich diese verkaufen, um auch mit seiner eigenen Geschäftsidee voranzukommen. Bis jetzt habe ich eigentlich auch immer einen Kontakt mit nach Hause genommen. Meistens profitiert man erst viel später davon, aber man profitiert auf jeden Fall davon.“ Sein Tipp an Gründer: „Die unangenehmen Aufgaben immer sofort erledigen – das haben wir auch schmerzhaft lernen müssen.“

Offenheit und Mut: Ratschläge von Investorenseite

Das Event bot den zahlreichen teilnehmenden Investoren Zugang zu Geschäftskonzepten aus unterschiedlichen Branchen mit technologischem Schwerpunkt. Investment Director Friedemann Stier äußerte sich folgendermaßen über die Notwendigkeit dieser Veranstaltungen innerhalb der Startup-Welt: „Gründer sind immer wichtiger als der innovative Charakter einer Idee an sich. Auf Events dieser Art geht es mir persönlich größtenteils darum, zu sehen, wie Gründerteams oder Gründer agieren. Wie geben sie sich auf solch einer Veranstaltung? Wie präsentieren sie? Wie offen gehen sie mit ihren Ideen, ihrem Geschäftsverlauf und ihrem Investorenkreis um und wie offen sind sie für „spleenige“ Erweiterungsideen? Ich bin der Meinung, bei Unternehmensentwicklungen im Startup-Bereich darf man sich nicht zu früh darauf festlegen, was man eigentlich will – wichtig ist Offenheit für völlig abwegige Prozessierungen außerhalb der eigentlichen Branche. Mein Ratschlag für Gründer ist: Redet über alles und mit jeden über eure Idee, nur natürlich nicht mit den Falschen. Das verhindert einen Tunnelblick. Ansonsten: durchhalten – insbesondere aufgrund der schwierigen Finanzierungslandschaft in Deutschland. Die Investoren hierzulande sind nicht so wagnisaffin. Man spricht ja von Risikokapital, was ich im Übrigen schon von der Terminologie her für falsch halte. Aber nicht nur Investoren, auch Gründer sollten mutiger und bereit dazu sein, sich mit einer Idee relativ früh an den Markt zu wagen und Investoren zu suchen, auch wenn das Produkt noch nicht zu hundert Prozent steht. Durch frische Finanzierungen kann die Idee nämlich immer weiter ausgefeilt werden. Diese Vorgehensweise fehlt den deutschen Gründern teilweise ein wenig.“

Informationen zum EXIST-Programm: Startup-Förderung des BMWi

Wer sich für EXIST interessiert, kann sich hier ein Bild aller Inhalte und Fördermittel machen. Neben dem EXIST-Gründerstipendium können sich Studierende, Absolventen und Wissenschaftler für die EXIST-Gründungskultur oder das EXIST-Forschungstransferprogramm bewerben. EXIST unterstützt die Konzeption, Entwicklung und Umsetzung von Existenzgründungen.