NEW YORK, NY - APRIL 09: Miss New York USA Joanne Nosuchinsky bejewels the Kings & Queens of the ASPCA Animal Kingdom at the ASPCA Adoption Center on April 9, 2013 in New York City. (Photo by D Dipasupil/FilmMagic)

Mit Krone und Kätzchen: So wollte unser Autor nicht enden.

Eigentlich wollte ich ja nie berühmt werden. Aber nach einem Gespräch mit einer Freundin über süße Katzenbilder auf Instagram war mir klar: Ich muss meine Ängste überwinden und das Internet mit noch mehr Cat-Content zuknallen. Bildmaterial gab es genug. Mein Kater hat seit seiner Geburt das Recht auf Privatsphäre verspielt: Beim Essen oder Schlafen lauere ich ihm mit der Handykamera auf. Tausende Bilder sind auf meinem Smartphone gespeichert, sie alle müssen jetzt auf Instagram.

Die Theorie: Wenn ich erst einmal Millionen an Followern gewonnen habe, dann muss ich nie wieder arbeiten. Product Placement lautet das Stichwort. „Mein Kater isst am liebsten Whiskas. Wenn auch ihr eurem Liebling etwas Gutes tun wollt, dann kauft Markenqualität!“ Danke Whiskas, das Geld bitte direkt auf mein Konto.

Gleich zu Beginn gibt es das erste Problem auf dem Weg zum Erfolg: Ich habe noch gar keinen Instagram-Account. Bilder-Communities haben mich nie gereizt. Zu oberflächlich, zu repetitiv, zu billig – doch genau so will ich meine Katzenbilder jetzt präsentieren!

Der Account ist schnell erstellt, das erste Katzenbild wähle ich zufällig aus. Eine kurze, nichtssagende Bildunterschrift auf Englisch, dazu noch eine Handvoll Hashtags, damit das Bild gefunden wird, fertig. Direkt nach dem Upload rollt das erste Like rein. Ein gutes Gefühl. Nach fünf Minuten sind es fünf Likes mehr. Mein Plan vom Viralwunder scheint aufzugehen. Besessen von den Reaktionen lade ich im Minutentakt weitere Bilder hoch und like und folge allem, was mir über den Weg läuft.

Süß, oder? Die Bildunterschrift lädt zum Träumen ein…

Nach einem Tag habe ich mehr als 100 Follower und weiß gar nicht so genau, warum eigentlich. Ich müsste in der Masse untergehen, denn dieses Netzwerk besteht gefühlt nur aus Katzenbildern. Der Großteil meiner digitalen Gefolgschaft betreibt selber einen Kanal für seinen Vierbeiner. Und versorge ich meine Fans nicht regelmäßig mit neuen Inhalten, dann werde ich wohl in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Das liegt daran, dass meine Bilder nach dem Upload kontinuierlich an Sichtbarkeit verlieren und im chronologischen Bilderstream immer weiter nach unten rutschen. Also folge ich noch mehr Menschen, in der Hoffnung, dass sie auch mir folgen. Und irgendwann erreiche ich so eine kritische Masse. Dann muss Instagram mich ernst nehmen und meine Inhalte höher ranken, als die der anderen, so die Hoffnung.

Aber: Das ist gar nicht so einfach. Obwohl immer neue Follower hinzukommen, verläuft das Wachstum meines Kanals keineswegs explosionsartig, eher linear und für meinen Geschmack zu langsam.

Auf der Suche nach Antworten schaue ich mich auf anderen Profilen um. Ich will wissen, was die Konkurrenz anders macht. Die erste Erkenntnis: Viele Instagram-Nutzer setzen schlicht auf nackte Haut. Das bringt zwar Klicks, kommt aber für meinem Kater und mich nicht in Frage. Andere vergeben bis zu 50 Hashtags pro Bild, das ist mir zu anstrengend. Wieder andere betteln förmlich nach Followern, auch das will ich nicht. Daneben scheint es noch unzählige andere, meist moralisch fragwürdige, Praktiken zu geben, an Likes und Fans zu gelangen.

Das Instagram-Erfolgsrezept: Viel Haut hilft viel

Pre photo shoot fittings

Ein von Kim Kardashian West (@kimkardashian) gepostetes Foto am

Viele Accounts machen zum Beispiel gar keinen Hehl daraus, dass ihre Gefolgsleute gekauft sind und verweisen sogar auf entsprechende Angebote. Dabei wird nicht einmal versucht, den Anschein zu erwecken, dass sich guter Content durchsetzt. Nein, direkt in meinem Stream wird für diese fragwürdigen Angebote geworben. Jeder, wirklich jeder, kann sich die Follower einfach kaufen. Ich bin ernüchtert.

Der kurze Ausflug in die Abgründe von Instagram lässt meine Lust schlagartig versiegen, zum Instagram-Sternchen aufzusteigen. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass ich nach zwei Tagen noch nicht berühmt bin – und es sollte doch über Nacht funktionieren. Ich werde also wohl noch eine Weile in meinem normalen Job arbeiten müssen.

Bild: Getty Images / D Dipasupil