Soma-Gründer Oliver Hayen (39) im kolumbianischen Bogotá

USA, unbedingt! Die Tech-Szene in San Francisco hat Oliver Hayen sofort begeistert. Während seines Schüleraustauschs in Kalifornien beschloss der gebürtige Hamburger, dass dort seine Zukunft liegen sollte. Denn: „Die Zukunft passiert in Amerika“, sagt Hayen. „Die Leute sind flexibel und abenteuerlicher, der Unternehmergeist stärker.“

Heute ist Hayen Gründer und CMO des Startups Instanza mit Sitz in San Francisco. Zusammen mit Lei Guo, einem alten Harvard-Kommilitonen, baute er das Unternehmen auf. Instanza beschäftigt 50 Mitarbeiter in fünf Büros weltweit – und blieb bisher eher unter dem Radar. Vielleicht, weil Oliver Hayen ungern über seine Investoren und die Finanzierung spricht: „Die Leute konzentrieren sich sonst nur auf diese Zahlen.“

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Hayen möchte lieber anders beweisen, das sein Business funktioniert. Sein Startup hat vergangenen Sommer eine neue Messenger-App namens Soma auf den Markt gebracht. Laut Hayen hat Soma im ersten Monat zehn Millionen Nutzer gewonnen, mittlerweile seien es über 20 Millionen. Vor allem in Südamerika und im Nahen Osten sei man schnell gewachsen.

Doch braucht es überhaupt eine weitere Messenger-App mit Chats, Video- und Sprachtelefonie? Wieso sollten Nutzer in dem Gewusel des App-Stores gerade Soma auswählen?

Ein 3G-Netz soll für die Videochats reichen

Zum Beispiel wegen der Gruppenchats, sagt Hayen. In der App können Gruppen für bis zu 500 Leute erstellt werden. Auch sei Soma sicher und die Chats Ende-zu-Ende verschlüsselt. Vor allem wollen die Gründer aber mit ihrem Messenger Video-Anrufe in hoher Qualität ermöglichen – ohne die Übertragungsprobleme, mit denen Platzhirsche wie Skype, Facetime oder Viber kämpfen. Bei Soma reiche ein 3G-Netz für eine ungestörte HD-Videoübertragung, sagt Hayen. Buffering? Gebe es nicht. Die Qualität der Übertragungen werde durch weltweit verteilte Server garantiert.

Ein kurzer Test von Gründerszene ergibt, dass die App Videos und Sprache von unterwegs im mobilen 3G-Netz gut überträgt, Unterbrechungen gibt es nicht. Erst, als der Kollege Caspar Schlenk in die U-Bahn steigt, geben das Netz und Soma auf:

Der Anruf beim Kollegen. Das Bild ist in Ordnung, die Sprachverbindung sehr gut.

Dass Soma auch ohne schnelles Wlan oder LTE funktioniert, sieht Hayen als Grund, dass sich die App in Südamerika rasch verbreitet hat. Da die Region ein wichtiger Markt für das Startup ist, hat es nun ein Büro in Kolumbien eröffnet. Neben dem Hauptsitz in San Francisco gibt es Niederlassungen im chinesischen Hangzhou, Peking und in Dubai. In Hangzhou arbeiten 30 der etwa 50 Mitarbeiter. „In China ist Entwicklung billiger“, sagt Hayen. „Talente in San Francisco zu finden, ist schwieriger.“

Der Messenger soll für die privaten Nutzer kostenlos bleiben. Geld wollen die Macher künftig anders verdienen: Die App soll Unternehmen zugänglich gemacht werden, die darüber mit Kunden kommunizieren und Soma beispielsweise für ihren Kundenservice nutzen könnten.

„Die Konkurrenz ist hart“

„Wir wollen uns zu einer Plattform entwickeln“, sagt Hayen. „Eine Art WeChat für Südamerika und die westliche Welt.“ Mit der weit verbreiteten chinesischen Messaging-App WeChat können sich Nutzer zum Beispiel auch Geld senden. Der Anbieter behält dabei 0,1 Prozent jeder Transaktion.

Eine große Aufgabe, die sich Hayen vornimmt. „Die Konkurrenz ist hart“, sagt der Gründer. „Aber das ist gut. Das gibt einem Drive, da willst Du innovieren.“

Unternehmerisch zu denken, das scheint Hayen zu liegen. Auch, wenn seine erste Idee noch nicht sonderlich technisch war. In der 6. Klasse an seinem Hamburger Gymnasium startete der Teenie damals eine Schülerzeitung. Und: Er konnte sie mit ein wenig Profit verkaufen.

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Einige Zeit später machte Hayen dann den Schritt, der ihm seit seinem Schüleraustausch vorgeschwebt hatte. Er zog in die USA und begann, an der Elite-Uni Harvard Operations Management zu studieren. Dort startete Hayen im Jahr 2010 Instanza, gemeinsam mit seinem Studienfreund Lei Guo. Das Produkt war ein Chatroom für die Studenten der Uni, um neue Leute kennenzulernen. Ein Algorithmus hat dabei zwei Chatter zufällig miteinander verknüpft, die sich daraufhin schreiben konnten – ähnlich dem Prinzip von Chatroulette.

Das Projekt war eines der ersten im Harvard Innovation Lab. Dort haben Hayen und Guo ihr Startup langsam ausgebaut und zunächst eine soziale Netzwerk-App namens Coco gelauncht: Mit ihr sollen die Nutzer neue Freunde in ihrer Nachbarschaft finden können. Vor allem 12- bis 18-Jährige nutzten die App, so Hayen. „Wir wollten aber etwas bauen, was für alle nützlich ist“, sagt er über den Gedanken hinter Soma.

In Europa ist übrigens Deutschland der größte Markt für die neue App. Relativ gesehen gibt es hier zwar immer noch recht wenig Nutzer, laut Hayen etwa eine Million. Doch wenn alles gut läuft, dann möchte er irgendwann auch ein kleines Büro in seiner Heimat eröffnen.

Titelbild: Oliver Hayen