Diese Drohne hat Intel zusammen mit dem deutschen Startup AscTec entwickelt

Nach dem Hype um das Thema Drohnen folgen nun die Bedenken. „Neue Gefahren aus der Luft“ nennt das etwa die Telekom und bietet seit Ende des vergangenen Jahres gemeinsam mit dem Startup Dedrone einen Drohnen-Alarm an. Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt glaubt an eine Gefahr durch die unbemannten Flugobjekte und will einen Drohnen-Führerschein einführen. Zudem sollen laut Gesetzesentwurf Drohnen nicht höher als 100 Meter fliegen dürfen und beispielsweise Wohngebiete meiden.

Der Entwurf aus Deutschland könnte auch US-Konzerne wie Intel betreffen. Der Chiphersteller aus Kalifornien setzt verstärkt auf die Fluggeräte und hat innerhalb eines Jahres gleich zwei deutsche Drohnenhersteller übernommen: Mavinci aus Baden-Württemberg stellt Vermessungs-Drohnen und die dazugehörige Software her. AscTec aus Bayern ist auf Multirotor-Drohnen spezialisiert und hat gemeinsam mit Intel den Falcon 8+ Quadrocopter entwickelt. Beide Firmen arbeiten jetzt für die Intel Drone Group.

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Der Chiphersteller will sich dadurch neue Geschäftsfelder eröffnen. Doch wie passen die Übernahmen in das Konzept des US-Konzerns und was hat Intel mit der Drohnen-Technik vor? Wir haben bei Matthias Beldzik, Manager bei Intel Deutschland, nachgefragt.

 

Herr Beldzik, Intel erfindet sich gerade neu. Bis Mitte 2017 will der Konzern zahlreiche Mitarbeiter entlassen, um sich stärker auf das Themen Cloud und Internet der Dinge zu fokussieren. Wie passen Drohnen in diese Strategie?

Um unser Geschäft als Chipentwickler zu ergänzen, unterstützen wir die Ökosysteme in allem, was in irgendeiner Form mit Datenaustausch, Datenanalyse und hoher Rechenleistung zu tun hat. Es entstehen zunehmend neue Bereiche. Hierzu zählen sämtliche Entwicklungen vom Internet der Dinge über Wearables bis hin zu Robotik sowie Drohnen.

Was heißt das genau?

Als intelligente Geräte, die Daten sammeln und über die Cloud kommunizieren, sind Drohnen ein wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung. Es sind quasi fliegende Computer, die intelligent und vernetzt sind und dem Mooreschen Gesetz folgen: Die Fähigkeiten der Drohne müssen immer vielfältiger, sie selbst aber immer kleiner werden. Drohnen werden daher eine der großen Computing-Plattformen der Zukunft sein und ganz neue Innovationsräume öffnen.

Das Startup Mavinci aus Baden-Württemberg, das Intel kürzlich übernommen hat, arbeitet an diesen fliegenden Computern. Sind denn weitere Übernahmen in Deutschland geplant?

Unsere Investmentsparte Intel Capital hat seit 1991 insgesamt 11,8 Milliarden US-Dollar in 1.478 Unternehmen weltweit investiert. Dabei zählt Deutschland als wichtiger Technologiestandort zu insgesamt 57 Ländern, in denen Investitionen getätigt werden.

Mit AscTec aus Bayern hat Intel kürzlich ein weiteres Drohnen-Startup aus Deutschland gekauft. Sind die beiden Übernahmen eine bewusste Entscheidung für den Standort gewesen?

Deutschland ist für Intel wichtig. Zu unseren zentralen Forschungsprojekten in Deutschland zählen zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der Universität des Saarlandes, der TU Darmstadt, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und den Max-Planck-Instituten für Informatik und für Softwaresysteme. Darüber hinaus erforschen wir in Deutschland unter anderem extrem hohe Leistungswerte für Supercomputer, und wir arbeiten an der Entwicklung spezieller Tools zur Softwareentwicklung. Nicht zuletzt gehören Drohnen zu unseren wichtigen Forschungsgebieten in Deutschland.

Wie groß ist der Markt für Drohnen insgesamt?

2016 war das Jahr der Consumer-Drohne, doch in Zukunft werden wir verstärkt Entwicklungen im Bereich der kommerziellen Drohnen sehen. Die Wirtschaftsprüfung PricewaterhouseCoopers sagt voraus, dass der globale Markt für kommerzielle Drohnen bis 2020 einen Wert von etwa 115 Millionen Euro haben wird.

Video: Die Drohne und Software von Mavinci im Einsatz

Und in welchen Anwendungsgebieten sehen Sie das größte Potenzial?

Bereits heute leisten sie humanitäre Hilfe, fungieren als Liefersysteme, pflanzen Bäume, inspizieren und vermessen, sind mobile Sicherheitskameras und können auch einfach nur unterhaltsam sein. Intel fokussiert sich besonders auf die Bereiche Inspektionen und Vermessung durch Drohnen. Ein großer Prozentsatz der aktuell vorhandenen Kartografie-Daten wurden beispielsweise in den letzten Jahren auf der Basis von Drohnentechnologie erhoben und die Tendenz ist klar steigend. Aus diesem Grund haben wir eine Drohne, die unter anderem zur Landvermessung eingesetzt werden kann, entwickelt. Landvermessung ist nicht nur für die Kartografie sondern auch in der Landwirtschaft wichtig.

Welche Einsatzgebiete gibt es noch?

Drohnen könnten zukünftig in allen Bereichen, in denen der menschliche Einsatz zeitaufwendig und oft auch gefährlich ist, die Inspektionen übernehmen. Dies gilt beispielsweise für die Inspektion von Bahnschienen, Staudämmen oder Kraftwerken. Auch zur Überprüfung von Windkraftanlagen sind Drohnen geeignet, und die Inspektion eines Airbusses per Drohne dauert statt der üblichen zwei Stunden nur 15 Minuten.

Welche Probleme müssen beseitigt werden, damit das Thema Drohnen größer werden kann?

Eines der aktuell größten technischen Probleme ist beispielsweise noch die kurze Akkulaufzeit der Drohnen: ein Quadrokopter kann normalerweise zwischen 20 und 30 Minuten in der Luft bleiben, danach muss er jedoch wieder aufgeladen werden. Auch im Bereich Flugsicherheit muss noch einiges geleistet werden, um Drohnenabstürze und Unfälle langfristig zu vermeiden.

Video: Scan einer mittelalterlichen Burg mithilfe einer AscTec-Drohne

Wie sieht es mit regulatorischen Problemen aus?

Das sind aktuell die größten Probleme, insbesondere die Nutzung von Drohnen in der Nähe sensibler Bereiche wie dem Luftraum über Flughäfen, Stadien oder Regierungsgebäuden. Was unserer Meinung nach wirklich wichtig ist, sind einheitliche und länderübergreifende Regeln zur Drohnennutzung. Das Bundesverkehrsministerium und das EU-Parlament arbeiten derzeit bereits an Gesetzesentwürfen, welche die private Nutzung von Drohnen länderübergreifend regulieren und somit für mehr Sicherheit sorgen sollen.

Mit Kameras bestückte Drohnen können die Privatsphäre einschränken. Wie steht Intel dazu?

Mit Kameras ausgestattete Drohnen haben absolut das Potenzial, die Privatsphäre von Menschen zu verletzen. Unserer Meinung nach müssen auf politischer Ebene klare Regeln und Strafen für den Missbrauch von Drohnen festgelegt werden. Aktuell wird darüber diskutiert, ob Drohnen in Zukunft mit einem ID-Chip ausgestattet und registriert werden müssen. Auf diese Weise könnte man Drohnenpiloten, die mit ihren Drohnen Straftaten begehen, einfach ermitteln und entsprechend bestrafen. Private Drohnennutzer sollten sich außerdem an einen gewissen Verhaltenscodex halten und darauf achten, dass auch andere Nutzer diesen Codex befolgen. Auf Unternehmerseite arbeitet Intel daran, durch technische Sicherheitsmechanismen den Missbrauch der Drohnen schon beim Produktdesign so gut wie möglich zu erschweren.

Bild: Getty Images / DAVID MCNEW; Hinweis: In einer ersten Version dieses Artikels stand, dass das Interview mit Marcin Hejka geführt worden wäre