Interact.io CRM Business Intelligence

Interact.io-Gründer Sebastian von L’Estocq (links) und Michael Zirngibl während der Seedcamp-Roadshow im Silicon Valley

Informationsstütze für klassisches Telefonmarketing

Das Berliner Software-Startup Interact.io will Sales-Verantwortlichen eine cloudbasierte Lösung an die Hand geben, mit der alle verfügbaren Informationen über einen Anrufer einsehbar sein sollen. Dazu greift das Tool auf soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Xing zu, integriert Analysen von Anbietern wie Salesforce und wertet unternehmensinterne Kundendaten aus. Ziel der Gründer: Verkaufsgespräche am Telefon besser managebar machen.

Interact.io wurde Anfang 2013 von Michael Zirngibl und Sebastian von L’Estocq gegründet und befindet sich derzeit im Closed-Beta-Stadium. Eine Public Beta ist für den Herbst 2014 geplant. Im Februar dieses Jahres schaffte es das Startup in den SeedcampAccelerator. Im Gründerszene-Interview erzählt Mitgründer Michael Zirngibl was seitdem passiert ist und wie Interact.io vom Seedcamp-Programm profitierte.

Auf Eurer Webseite bezeichnet Ihr Interact.io als das ultimative Verkaufstool. Wie funktioniert die Software?

Interact.io ist eine cloudbasierte Business-Intelligence- und Analyseplattform für Vertriebsteams, die häufig mit potenziellen Kunden telefonieren. Das Tool stellt alle verfügbaren Informationen über den Gesprächspartner zusammen und bereitet sie auf. Diese Informationen kommen aus sozialen Netzwerken, außerdem wertet Interact.io online frei zugängliche Quellen aus, integriert unternehmensinterne Kundendaten und greift auf herkömmliche CRM-Anwendungen wie Salesforce oder Microsoft Dynamics zu. Das so entstandene Kundenprofil ploppt dann vor oder während eines Telefonats auf dem Smartphone, Tablet oder dem PC des Verkäufers auf.

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Wodurch unterscheidet sich Euer Produkt von anderen CRM-Lösungen?

Mit Interact.io wollen wir neue Standards in Sachen Benutzerfreundlichkeit und Bedienbarkeit setzen. Während normale CRMs von vielen Vertriebsmitarbeitern als reine Kontrolltools des Managements angesehen werden, steht bei uns die datenbasierte Unterstützung beim Verkaufsgespräch im Vordergrund. Interact.io ist direkt an bestehende CRM-Systeme wie Salesforce angebunden. So wird manueller Overhead minimiert. Gesprächsergebnisse können die Mitarbeiter noch während des Telefonats oder danach mit wenigen Klicks in das System einspeisen. Die weitere Datenübermittlung und -aufbereitung ist automatisiert.

Wie seid Ihr auf die Idee zu Interact.io gekommen? Wie haben Sebastian und Du als Gründer zusammengefunden?

Sebastian und ich sind alte Schulfreunde und kennen uns seit gut 25 Jahren. Sebastian war schon Investor meiner früheren Firmen, bevor ich ihn für Interact.io gewinnen konnte. Ich selbst bin ja seit 15 Jahren mit Unternehmen in den Bereichen Kommunikation, Datenanalyse und CRM tätig. Dabei habe ich erkannt, dass Telefone als Grundlage für neuartige Businessanwendungen enormes Potenzial bieten. Bis zur Entwicklung von Interact.io habe ich intelligente Telefonlösungen gemacht. Nun wollen wir die Leute, die das Telefon bedienen, intelligenter machen.

Interact.io ist nicht Dein erstes Unternehmen. Mit Angel.com und Ringio hast Du in den vergangenen Jahren auch andere Kommunikations- und CRM-Lösungen gelauncht.

Das stimmt. Bei Angel.com bin ich aber schon vor einigen Jahren voll ausgestiegen, bei Ringio noch als passiver Investor beteiligt. Im Moment fokussiere ich mich zu 100 Prozent auf Interact.io.

Im Februar dieses Jahres habt Ihr es im Seedcamp unter die acht besten europäischen Startups geschafft und seid ins Accelerator-Programm aufgenommen worden. Wie hat das zur Entwicklung von Interact.io beigetragen?

Im Vergleich zu anderen teilnehmenden Startups waren wir ja schon relativ weit entwickelt. In unser Unternehmen waren zu diesem Zeitpunkt schon private Gelder und Business-Angel-Finanzierungen geflossen. Unterstützung gab es außerdem vom britischen VC White Star Capital. Im Rahmen des Seedcamps haben wir im April eine dreiwöchige Roadshow durch die USA gemacht und dort von potentiellen Investoren und Partnern gutes Feedback bekommen. Das hat uns noch zusätzlich in der Vision für unser Produkt bestärkt. Was uns als erfahrene Gründer bei Seedcamp überzeugt hat, war vor allem das hervorragende Netzwerk der Organisatoren und der qualifizierte Austausch mit den anderen Gründern.

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Wie seid Ihr momentan finanziert und wie wollt Ihr mit Eurem Produkt Geld verdienen?

Unser Unternehmen ist bisher überwiegend von uns Gründern, Friends and Family und renommierten Business Angels wie Peter Read finanziert. Gerade erst hat auch 500 Startups aus den USA in uns investiert. Bis zum Ende des Jahres soll dann unsere erste größere Runde abgeschlossen sein. Für die Software selbst werden wir pro Nutzer und Monat eine Gebühr erheben.

Du hältst in den USA mehr als 30 Patente im Bereich Spracherkennungs- und Cloud-Technologie. Plant Ihr eine Patentanmeldung auch für Interact.io?

In Deutschland ist es schwierig bis unmöglich, ein Patent auf Software zu bekommen. In den USA gibt es diese Möglichkeit. Sobald wir Interact.io dort gelauncht haben, werden wir uns diesbezüglich noch genauer umsehen. Wie bei den meisten Software-Startups ist es uns aber wichtiger, das Geschäft sauber zu executen als unser Modell nur über ein Patent auf dem Markt zu schützen.

Ihr wollt Eure Software also auch in den USA anbieten?

Ja. Nach dem Start in Deutschland und Europa wollen wir im ersten Halbjahr 2015 auch in den USA online gehen.

Bild: Interact.io