Das Capemaedchen Josephine Gaede

Josephine Gaede in ihrem neuen Showroom

Vergangenen Sommer trafen wir Josephine Gaede zum Interview in ihrer Privatwohnung in Kreuzberg. Entstanden ist ein Porträt über die Berliner Gründerin, die es mit Capes – bunten Umhängen aus Wolle – und ihrem Label Das Cape Mädchen zur erfolgreichen Einzelunternehmerin mit mehreren Hunderttausend Euro Umsatz gebracht hat. Tausende Gründerszene-Leser interessierten sich für ihre Geschichte.

Doch was ist seither passiert? 12 Monate später haben wir uns wieder mit Josephine Gaede verabredet. Mittlerweile hat die Gründerin drei weitere Kollektionen mit Capes gelauncht, eine neue Internetseite aufgesetzt und gemeinsam mit ihrer Mutter einen zweiten Shop namens Edition etc. gestartet, über den sie Kissen, Schmuck oder Schüsseln verkauft. So viel erfahren wir bei unserer Recherche vorab.

Für das zweite Interview empfängt uns Gaede in ihrem neuen Showroom in einer Altbauwohnung im Stadtteil Schöneberg, an Schreibtischen sitzen eine Mitarbeiterin und eine Praktikantin. Mit ihren Capes habe sie im vergangenen Jahr deutlich mehr als 400.000 Euro umgesetzt, sagt die Gründerin. Genaue Zahlen verrät sie nicht. Nur so viel: Im Dezember alleine habe der Umsatz bei 120.000 Euro gelegen. Bald wolle sie mit Das Cape Mädchen nach Frankreich und Italien expandieren. Doch wir haben noch weitere Fragen.

Josephine, als wir vor einem Jahr über dein Startup berichtet haben, lagen Capes total im Trend. Jetzt ist dieser Trend abgeflacht – was bedeutet das für dich und dein Geschäft?

Insgesamt hat dieser Trend ja ziemlich lange angehalten. Dadurch wurde das Cape als Produkt wieder wahrgenommen und bei vielen im Kleiderschrank eingeführt. Jetzt lichtet sich der Nebel, weil nicht mehr jede Marke ein Cape in ihrer aktuellen Kollektion hat. Aber ich bleibe – als Ansprechpartner für dieses Produkt in vielen Varianten.

Es hat also keinen Effekt auf dein Geschäft, dass der Trend nun vorbei ist?

Es ist definitiv nicht mehr so krass wie im vergangenen Jahr. Das Weihnachtsgeschäft war so intensiv, dass ich danach völlig platt war. Sehr positiv ist aber, dass die sonst gnadenlosen Einzelhändler wie Breuninger oder das KaDeWe immer noch Capes bestellen – dort hält der Trend also an. Außerdem haben wir eine sehr treue Stammkundschaft und es gibt ja noch viele potentielle Capemädchen – auch im Ausland – die uns noch gar nicht kennen.

Anzeige

Du sprichst von „wir“, weil du mittlerweile eine Angestellte und eine Praktikantin beschäftigst. Vieles machst du aber noch ganz alleine. Wie schaffst du das?

Ich habe einen tollen Freund und Familie, die mich wahnsinnig unterstützen. Aber man muss sich die Hände dreckig machen wollen, sonst schafft man das nicht. Ich arbeite häufig das ganze Wochenende durch.

Wie sehr hängt der Erfolg von Das Cape Mädchen von dir als Person ab?

Ich habe alles gelenkt und nach meinen Vorstellungen gestaltet. Wichtig ist mir beispielsweise, dass ich nicht aggressiv auftrete – ich will niemandem auf die Nerven gehen. Damit bin ich bisher immer gut gefahren. Ich habe ja Zeit, ich will Das Cape Mädchen nicht schnell groß machen und dann verkaufen. Es soll zeitlos sein – das gibt es heute nur noch selten.

Wie groß soll Das Cape Mädchen noch werden?

Wir sind jetzt zu dritt hier im Büro. Das finde ich schon schwer zu delegieren. Ich komme ja direkt von der Uni und kenne diese effiziente Büroatmosphäre gar nicht. Manchmal sehne ich mich tatsächlich nach der Anfangsphase, in der ich ab und an Pakete mit Capes angenommen und verschickt habe. Ich schreibe viele Emails noch selbst oder rufe irgendwo an, weil ich doch gerne die Kontrolle behalte (lacht). Ich will auf keinen Fall, dass die Marke ihre Seele verliert.

Dabei tauchst du selbst gar nicht auf der Seite auf, auf Instagram oder Facebook auch nur selten. Wieso?

Ich separiere mich gerne von der Marke. Deswegen trage ich auch nicht oft meine eigenen Capes – trotzdem bin ich eben das Capemädchen, das alles aufgebaut hat.

Mittlerweile bist du wohl eher Die Cape Frau…

Ich habe mit 23 Jahren begonnen und bin jetzt fast 30 Jahre alt. Der Charme des Selbstgemachten passte deswegen nicht mehr – die Marke brauchte mehr Ernsthaftigkeit. Deswegen haben wir vor wenigen Tagen unsere Seite gerelauncht, die jetzt auch einen richtigen Onlineshop hat. Bisher haben die Kunden ja alle per Mail bestellt, was sehr persönlich war. Aber für viele Kunden ist ein Shop viel komfortabler und ich spare Zeit. Meine Stammkundinnen werden aber sicher weiterhin per Mail bestellen.

Anzeige

Du hast nie Modedesign studiert, entwickelst aber immer neue Modelle. Hast du viele externe Experten, die dir helfen?

Die Kollektionen sind immer meine Ideen. Wenn es aber um neue Schnitte oder Designs geht, hole ich mir gerne Unterstützung. Im vergangenen Jahr habe ich intensiv gelernt, was meine Stärken und Schwächen sind. Alles, was ich nicht kann, dürfen andere gerne für mich machen. In der Hinsicht bin ich erwachsener geworden.

Was sind deine Schwächen?

Am Computer kann ich eigentlich nichts. Manchmal bekomme ich nicht mal ein Google Doc geöffnet. Nein, so schlimm ist es nicht… Aber ich habe auch immer noch keinen Business Plan. Ich arbeite eben lieber an meinen Stärken.

Beneidest du manchmal deine Freundinnen, die mit dir Jura studiert haben und jetzt in Kanzleien arbeiten?

Nein, nicht einmal in den dunkelsten Momenten (lacht). Ich wäre wirklich die komplette Fehlbesetzung gewesen.

Bist du stattdessen zum Vorbild für Freundinnen und Freunde geworden?

Nein, das würde ich nicht sagen. Aber ich mache Mut, etwas Eigenes zu starten. Das Cape Mädchen ist sehr langsam gewachsen – jeder meiner Freunde konnte den Verlauf gut beobachten. Und die Selbstständigkeit hat auch Nachteile: Wenn man so viel arbeitet, wie ich aktuell, hat man kaum mehr Freizeit – dabei war ich früher eine totale Chillerin.

Welches Ergebnis möchtest du 2016 erzielen?

Ich bin froh, wenn ich das Ergebnis vom vergangenen Jahr erziele. Das war wirklich unglaublich. Da muss ich realistisch bleiben. 2016 wird mein Bewährungsjahr, das wird nicht leicht. Ich habe nicht mehr den Newcomer-Bonus, alles muss klappen und es wird viel mehr erwartet. Das macht mir schon manchmal Angst. Aber wir schaffen das.

Danke für das Interview, Josephine.

Hier geht’s zu dem Porträt von Josephine Gaede auf Gründerszene. 

Capemaedchen Showroom

Im Showroom hängen die Capes in verschiedenen Farben