Milan Uhe, Geschäftsführer von Headmatch

Mit einem selbst entwickelten Zahlungsmodell will Milan Uhe in seiner Firma für mehr Offenheit sorgen. Er stellt seine Mitarbeiter vor die Entscheidung: höheres Festgehalt oder größerer Bonus.

Uhe ist Geschäftsführer von Headmatch, einer Berliner Agentur, die Freelancer an Unternehmen vermittelt. Sucht eine Firma beispielsweise einen Entwickler, um ein neues Homepage-Tool einzubauen, dann hilft das Team von Headmatch einen passenden Freelancer zu vermitteln. Die Firmen zahlen pro Vermittlung einen individuell ausgehandelten Abschlag an Headmatch. Der Agentur-Chef ist überzeugt vom Modell der Selbstständigkeit – und so kam er auf die Idee, seine Mitarbeiter stärker nach ihrer Leistung zu bezahlen. Sofern sie das wollen.

Seit Anfang des Jahres hat Milan Uhe die Gehaltsmatrix eingeführt. Die Mitarbeiter reagierten erst verhalten, waren aber nach umfassenden Erläuterungen begeistert. Wie das Modell genau funktioniert und welche Vorteile Uhe sich dadurch verspricht, erzählt er uns im Interview.

Du hast eine Gehaltsmatrix erstellt, bei der Mitarbeiter ihr Gehalt selbst festlegen können. Was verbirgt sich dahinter?

Ich finde jeder sollte seiner Leistung entsprechend vergütet werden. Bei uns entscheidet jeder, ob er ein kleines monatliches Festeinkommen haben möchte und einen großen Bonus bekommen oder ein großes Festgehalt und einen kleineren Bonus.

Anzeige
Wie berechnet sich der Bonus konkret?

Hier ein kurzes Rechenbeispiel: Wenn ein Mitarbeiter ein monatliches Festgehalt von 1.000 Euro hat, kostet das die Firma circa 3.000 Euro – etwa durch Steuern und Abgaben. Sagen wir, der Angestellte hat 20.000 Euro Umsatz im Monat eingefahren. Dann rechnen wir 20.000 Euro minus 3.000 Euro, was 17.000 Euro ergibt. Nehmen wir einfach mal an, er hat sich einen Bonus von 25 Prozent ausgesucht, dann würde der Mitarbeiter in unserem Beispiel 4.250 Euro Bonus im Monat erhalten. Auf diese Weise kann jeder berechnen, ab wann er kostendeckend gearbeitet hat und wie hoch sein Bonus sein wird.

Wie könnt ihr genau analysieren, wie viel Umsatz ein Mitarbeiter eingefahren hat?

Jeder Mitarbeiter hat seine eigenen Mandanten, also Freelancer, die er vermittelt. Dadurch wird schnell deutlich, wie viel er umgesetzt hat. Wie er arbeitet, bleibt dem Mitarbeiter freigestellt. Wer wenig arbeitet und trotzdem viele Leute vermittelt, wird auch ohne viel im Office zu sein einen guten Bonus erarbeiten. Wenn man viele Arbeitsstunden ackert und trotzdem nicht viel dabei zustande kommt, wird der Bonus entsprechend geringer ausfallen.

Was ist die Idee hinter dem Bezahlmodell?

Die Idee dahinter ist, Leute nach Leistung zu bezahlen. Ich möchte meine Mitarbeiter animieren, unternehmerisch zu denken und nicht nur einen Nine-to-five-Beamtenjob zu machen. Wo sie arbeiten, ist mir dabei relativ egal. Ob im Büro, zu Hause oder auf der Dachterrasse des SoHo House in Berlin. Die Leute sollen ihr Bestes geben, so wie das Selbstständige auch tun.

Außerdem möchte ich Neidgespräche hinter vorgehaltener Hand vermeiden. Sie vergiften nur die Unternehmenskultur. Da stelle ich mich lieber offen geführten Gesprächen. Durch das Gehaltssystem ist das möglich. Für mich ist klar, jede Entscheidung, die ich nicht erklären kann, ist keine gute Entscheidung.

Ihr legt außerdem alle Gehälter offen. Warum?

Ich finde es sinnvoll, die Gehälter aller Angestellten offen zu legen. Und damit meine ich wirklich alle. Also vom Angestellten, genauso wie vom Chef. Ich finde es in unseren Strukturen unsinnig, ein Geheimnis daraus zu machen. Ich mache bekannt, wie viel jeder einzelne Mitarbeiter die Firma kostet und wie sich die Kostenstruktur im Unternehmen zusammensetzt.

Viele Angestellte sehen lediglich ihren Nettolohn auf dem Konto. Allerdings kostet ein Mitarbeiter das Unternehmen einschließlich einer Umlage für Büroräume, Steuern, Krankenkasse, Urlaub und Krankheit rund das Dreifache. Indem ich meinen Angestellten alle Kostenpunkte offenlege, können sie auch finanzielle Entscheidungen der Geschäftsführung besser verstehen und eben auch die Höhe ihres Bonus nachvollziehen.

BILD: Milan Uhe