Niklas Oestberg, CEO von Delivery Hero

Niklas Östberg, Chef von Delivery Hero

CEO Niklas Östberg über die Zukunft von Delivery Hero

Vergangene Woche Mittwoch saß Niklas Östberg abends im Berliner Restaurant Grill Royal und feierte. Closing Dinner. 88 Millionen Dollar hat der Chef von Delivery Hero in einer Finanzierungsrunde eingesammelt. Hauptinvestor ist der Later-Stage-VC Insight Venture Partners, der bereits Twitter und hierzulande Trivago zu Millionen-Exits verholfen hat. Anfang dieser Woche erwischen wir Niklas Östberg am Telefon.

Niklas, herzlichen Glückwunsch. Ein dicker Deal. Was macht Ihr mit 88 Millionen Dollar?

Vielen Dank. Wir werden vor allem unsere Produkte weiter entwickeln und Geld ins Marketing stecken. Außerdem haben wir jetzt eine gut gefüllte Kasse, falls uns ein Wettbewerber angreifen will.

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Wen meinst du?

Der Wettbewerb im Liefersegment ist hoch. Es gibt internationale Player im Markt, die noch größer sind als wir. So wie JustEat zum Beispiel. Und vielleicht überlegen sich ja auch Konkurrenten aus den USA in unseren Markt einzusteigen. Für solche Fälle sind wir jetzt gut gerüstet.

Ihr könntet mit dem Geld selbst in die USA expandieren?

Wir werden hauptsächlich unsere bestehenden Märkte ausbauen.

Was heißt „hauptsächlich“? Habt Ihr doch Pläne zur Expansion in andere Länder?

Wir wollen uns vor allem auf unsere Kernmärkte konzentrieren und dort weiter wachsen. Und zwar so schnell, wie wir das wollen, und es für das Unternehmen gut ist.

Oder plant Ihr selbst Übernahmen? Mit 88 Millionen Dollar könntet Ihr vermutlich den einen oder anderen Wettbewerber schlucken und so wachsen.

Die Bewertungen sind noch zu hoch…

…Ihr habt die Bewertungen mit Eurer Finanzierungsrunde gerade selbst hoch getrieben.

Für uns ist es aber günstiger und billiger, organisch zu wachsen und aus eigener Kraft größer zu werden, als jetzt Konkurrenten zu übernehmen.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Delivery-Hero-CEO Niklas Östberg ist Speaker auf der Heureka. Die Startup-Konferenz findet am 6. Mai in Berlin statt und wird veranstaltet von Gründerszene. Infos gibt es hier.

Schließt du Übernahmen also ganz aus?

Falls wir ein gutes Team sehen und der Preis stimmt, könnten wir in der Zukunft auch zukaufen, wenn jemand zu uns stoßen will. Aber wir haben da keine Eile.

Werdet Ihr Lieferando übernehmen?

Das ist derzeit nicht geplant.

Was ist mit Food Panda? Das Rocket-Startup und Ihr habt mit Phenomen Ventures den gleichen Investor.

Nein, auch hier gibt es keinen Plan.

Gerade im deutschen Markt ist der Wettbewerb hoch, die Situation schreit geradezu nach Konsolidierung.

Ich gebe dir Recht, dass in Deutschland tatsächlich hoher Wettbewerb herrscht.

Wie wichtig ist Deutschland als Standort für Euch?

Wir machen knapp 25 Prozent unseres Umsatzes in Deutschland, damit sind wir also nicht allein vom Geschäft hier abhängig.

Was sind die wichtigsten Länder nach Deutschland?

Wir schauen weniger auf einzelne Länder, sondern definieren uns primär über unser Produkt und unseren Service, unabhängig von Ländergrenzen und Kundenzahlen.

Wohin geht das Geld, das Ihr eingesammelt habt, wenn Ihr nicht in andere Länder expandieren und keine Zukäufe machen wollt? Und dann kündigst du bei TechCrunch auch noch rote Zahlen an. Geht alles wirklich nur in Produktentwicklung und Marketing?

Wir sind ein junges Unternehmen, erst zweieinhalb Jahre alt. Im Prinzip ist es noch zu früh, Gewinne zu machen, weil wir weiter schnell wachsen wollen. Und ja, Produktentwicklung und Marketing sind unser Fokus.

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Wohin geht das Marketing-Budget? Mehr in die Restaurant-Akquise oder in die Kunden-Akquise?

Sowohl Kunden als auch Restaurants sind essentiell für unser Geschäft, also nehmen wir beide Bereiche sehr ernst. Es ist im Vergleich allerdings etwas aufwendiger, einem Kunden die Vorteile unseres Produkts zu erklären. Ein Restaurant-Besitzer versteht meist sehr schnell, wo die Vorteile in einer Kooperation mit uns liegen. Deswegen erfordert Kunden-Akquise mehr Marketingaufwand.

Warum ist das so?

Weil sich viele Kunden erst daran gewöhnen müssen, ihr Essen über das Internet oder gar mobil zu bestellen. Im Reisebereich hat es auch rund zehn Jahre gedauert, bis die Leute so weit waren, ihre Flüge online zu buchen. Und selbst heute gehen viele noch ins Reisebüro.

Was ist Euer nächster Schritt als Unternehmen? Ein Börsengang?

Für 2014 haben wir das nicht geplant. Was 2015 passiert, mal schauen. Wir werden aber keinen Börsengang machen, nur um einen Börsengang zu machen. Wenn überhaupt gehen wir an die Börse, wenn es zur Unternehmensstrategie passt.

Und warum passte jetzt ausgerechnet Insight Ventures zu Euch?

Wir hatten mehrere Gespräche und waren in der glücklichen Lage, dass wir sogar zwischen Risikokapitalgebern wählen konnten. Das Team von Insight ist super und bringt viel Erfahrung mit. Es passte einfach und fühlt sich nach der richtigen Wahl an.

Bild: Delivery Hero