Inkubator Company-Builder Accelerator Investor Business Angel VC Venture Capital

Nachdem Gründerszene im ersten Teil dieser Serie zunächst die Unterschiede zwischen Accelerator-Programmen, Inkubatoren, Company-Buildern, Business Angels und VCs herausgearbeitet und im zweiten Teil einen Überblick über die wichtigsten Inkubatoren gegeben hat, stehen nun Accelerator-Programme und Business Angels im Fokus: Beide Investment-Formen sind besonders für (sehr) frühe Unternehmensphasen interessant – und dennoch sehr unterschiedlich. 

Business Accelerator – noch neu in Deutschland

Noch recht neu in der deutschen Gründerlandschaft ist im Gegensatz zu den im vorherigen Teil der Serie vorgestellten Company-Buildern das Konzept des Business Accelerators. Letzterer ist in der Regel ein mentorengeführtes Programm mit vorher festgelegter, begrenzter Laufzeit, oftmals drei Monate. Die Höhe des finanziellen Investments bewegt sich meist im fünfstelligen Seed-Bereich. Ziel des Programms ist es, neben wichtigen Kontakten und Austausch nicht selten, eine Beta-Version des Produkts auf die Beine zu stellen. Im Gegenzug erhält der Accelerator einen Anteil an jedem der Unternehmen, bis zu 30 Prozent etwa im Falle von Hackfwd. Die ersten erfolgreichen Accelerator-Programme wurden von Y Combinator (www.ycombinator.com) und TechStars (www.techstars.com) in den USA ins Leben gerufen. Airbnb (www.airbnb.de) oder auch Dropbox (www.dropbox.com) gehören zu den Erfolgsgeschichten solcher Acceleratoren.

Alle Teile dieser Serie im Überblick

Teil 1 – Die Investorenlandschaft in Deutschland

Teil 2 – Welche Company-Builder gibt es, was leisten sie?

Teil 3 – Accelerator-Programme und Business Angels

Teil 4 – Venture Capital als taditionelle Investmentform

In Deutschland initiierte 2010 Xing-Gründer Lars Hinrichs (hier übrigens im Gründerszene-Interview) eines der ersten Programme dieser Art unter dem Namen HackFwd (www.hackfwd.com). Um für die Pre-Seed-Company in Frage zu kommen, bedarf es zweierlei Dingen. Erstens: Die Hamburger interessieren sich nur für Entwickler (“Geeks”) mit vorzeigbarem Prototypen. Zweitens: Diese müssen von jemanden aus dem Netzwerk empfohlen worden sein. Immerhin haben es so aktuell 15 Teams zum Accelerator geschafft. Darunter zum Beispiel das Infografik-Startup Infogr.am, das soziale Browsergame Tankwars oder die Twitter-App Flockofbirds.

Jüngst hat auch Startup Bootcamp angekündigt, 2012 nach Berlin zu kommen. Mittlerweile wurden die ersten Investoren genannt, der Accelerator hat sich vorgestellt und die Bewerbungsfrist für die Teilnehmer der ersten Runde ist abgelaufen. Die Mentorenliste des Startup Bootcamp Berlin lockt mit bekannten Namen: Gidsy (gidsy.com), SoundCloud (soundcloud.com), Upcload (www.upcload.com), Wooga (www.wooga.com), Project A Ventures (www.project-a.com) und einige weitere machen es sich zur Aufgabe, ihr Wissen und ihre Erfahrungen im Herbst für drei Monate mit zehn ausgewählten Startup-Nachwuchstalenten zu teilen.

Checkliste: Wann ist ein Accelerator-Programm die richtige Wahl?

Plätze in Accelator-Programmen sind üblicherweise recht begehrt. Dennoch sollten interessierte Gründer sich im Vorfeld darüber klar sein, ob sie und ihr Projekt den Anforderungen entsprechen und generell für ein solches Programm geeignet sind. Hier ein paar „Denkanstöße“:

  • Ist ein Bootcamp der richtige Weg für mich, oder brauche ich Unterstützung für einen längeren Zeitrahmen?
  • Haben die Mentoren und Investoren genügend Gründungserfahrung? Wie sieht der Track Record aus?
  • Haben die Beteiligten das passende Know-how? (unter anderem Markt-Kenntnis, Prozesse, Marketing, Geschäftsmodell)?
  • Ist das Accelerator-Netzwerk groß genug (z.B. Investoren, Journalisten, Gründer, Anwälte)?
  • Hat das Netzwerk die richtige Ausrichtung (national/international, fachliche Experten et cetera)?
  • Gibt es Unterstützung in den Bereichen IT, Online-Marketing und HR? Wenn ja, wie sieht diese aus und was „kostet“ es?
  • Werden Räume lange genug bereit gestellt? Gibt es Unterstützung, auch für die Zeit danach angemessene Räumlichkeiten zu finden?
  • Wird beim Verfassen der Gründungsunterlagen und anderer Verträge unterstützt?
  • Was sagen andere Gründer über die Beratungsqualität?
  • Gibt es eine Lagerzugehörigkeit, das heißt verschließen sich bestimmte Türen mit der Zugehörigkeit?
  • Wie verhält sich der eingeforderte Unternehmensteil zum Engagement des Accelerators?

Welche Accelerator-Programme gibt es?

Die Zahl der bislang in Deutschland angebotenen Programme ist recht gering – die Tendenz ist allerdings steigend. Zu den bereits genannten Business Accelerators gesellen sich unter anderem das bereits etablierte Seedcamp, die Telefonica-Tochter Wayra und der German Silicon Valley Accelerator, der es deutschen Jungunternehmen mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ermöglichen will, in den USA Fuß zu fassen. Hier eine kurze Übersicht:

HackFwd – Hamburg

HackFwd, Hack Fwd, Hack Forward, Venture Capital, InkubatorAls „Pre-Seed“-Investor fokussiert sich HackFwd (hackfwd.com) auf absolute Frühphasen-Investments in Technologie-Produkte. Wichtig sei dem Investor, dass ein selbstentwickelter Prototyp bereits vorhanden ist und das ganze Team programmieren kann. Als standardisiertes Investment-Geschäft differenziert sich HackFwd  von traditionellen Venture-Capitalists, halbstaatlichen Investitionsprogrammen, Business-Angels oder Inkubatoren. Der Vorteil: Lästige Gespräche über Bewertung, Vertragsbestandteile oder die Höhe und Art der Beteiligung entfallen. HackFwd investiert in ein Ein-Personen-Team 91.000 Euro und erhält dafür stets 27 Prozent. Für jeden Entwickler gibt es 50.000 Euro mehr.

gegründet: 2010

Team: Lars Hinrichs, Marco Boerries, Michael Jackson, Jean Paul Schmietz, Roman Stanek, Stefan Richter, David Bizer, Jana von Dach, Stephanie Gerth

Leistungen: einjährige Finanzierung (bis zu 200.000 Euro), Übernahme rechtlicher und administrativer Aufgaben, Expertise in Geschäftsfragen, Marketing, Branding, Netzwerk von Unternehmensgründern in mehreren Stages

Beteiligungsquote: 30 Prozent, davon 27 Prozent für HackFwd und drei Prozent für Berater

Fokus: (Pre-)Early-Stage, Non-Copycats, technikgetrieben

Erfolge/Exits (der Gesellschafter): Xing (www.xing.comLars Hinrichs), OpenOffice (Marco Boerries)

Portfolio-Unternehmen (Auswahl):

Kontakt: HackFwd GmbH & Co. KG, Mittelweg 161, 20148 Hamburg, Telefon 040 / 209 325 420

Startupbootcamp – Copenhagen, Dublin, Amsterdam, Berlin

Mit dem Startupbootcamp (www.startupbootcamp.org) erreicht eines der ersten internationalen Accelerator-Programme in diesem Jahr auch die Berliner Gründerszene. Aussichtsreiche Ideen werden mit einem festgelegten Pre-Seed-Investment und dem nötigen Netzwerk gefördert. Für das Programm im Herbst konnten sich internationale Teams bis Juni 2012 bewerben. Die teilnehmenden Teams erhalten zudem eine finanzielle Unterstützung von je 15.000 Euro, kostenlose Büroräume und kostenlose Software. Highlight des Programms soll der Investorentag sein, an dem die Teams ihre Ideen vor Business-Angels und VCs pitchen.

gegründet: 2010, Deutschland-Start 2012

Team: Alex Farcet, Patrick de Zeeuw, Ruud Hendriks, Eoghan Jennings

Leistungen: dreimonatiges Bootcamp mit Mentoring, Seed Funding (15.000 Euro pro Team), Co-Working Space (sechs Monate), Investorentag, Silicon Valley Roadshow

Beteiligungsquote: k.A.

Fokus: keiner

Erfolge/Exits (der Gesellschafter): Rainmaking (www.rainmaking.co.uk; Alex Farcet)

Portfolio-Unternehmen (Auswahl):

Kontakt: info@startupbootcamp.org

Wayra – London, Barcelona, Dublin, München

In München startet im Herbst dieses Jahres ein weiterer deutscher Ableger eines internationalen Accelerator-Programms. Wayra (www.wayra.org), so der Name des von Telefonica ausgerichteten Bootcamps, soll zehn Startups auf 1.000 Quadratmetern sechs Monate lang alles bieten, was diese zum Anschub brauchen: Mentoring, Trainings, Networking, Infratruktur und natürlich auch eine erste Finanzierung. Bis zu 50.000 Euro im Gegenzug für zehn Prozent des Eigenkapitals sollen möglich sein. Die erste Bewerbungsrunde in Deutschland endete Anfang Juli mit 268 eingereichten Projekten. Gerade erst wurden die ersten Mentoren vorgestellt.

gegründet: 2012

Team: Tanja Kufner, Stefanie Pöschl, Bernhard Kirchmair

Leistungen: Mentoring, Trainings, Networking, Infratruktur, Finanzierung bis 50.000 Euro

Beteiligungsquote: zehn Prozent des Eigenkapitals

Fokus: Cloud Services, Finanzdienstleistungen, Future communications, Benutzermodellierung, M2M, Digitale Sicherheit, E-Health, Mobile Anwendungen und Spiele, Netzwerke/Systeme, Internet-Dienste für Verbraucher, E-Commerce, Lokalisierungsdienstleistungen, Social Innovation

Erfolge/Exits (der Gesellschafter): –

Portfolio-Unternehmen (Auswahl):

Kontakthttp://www.wayra.org (Kontaktformular)

German Silicon Valley Accelerator – München

Unterstützt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie startete Anfang 2012 der German Silicon Valley Accelerator (www.germanaccelerator.com). Das Programm will deutschen Gründern den Markteintritt in die USA erleichtern. Die deutschen Startups Fair Observer (www.fairobserver.com) und Trifense (www.trifense.de) waren die ersten beiden Unternehmen, die mit Hilfe des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in die USA gehen durften. Bewerbungsschluss für die nächste Runde ist übrigens der 31. August 2012.

gegründet: 2012

Team: Dietmar Harhoff, Dirk Kanngiesser, Oliver Hanisch

Leistungen: Büroräume im Silicon Valley, Mentoring, Coaching, Vermittlung von Teammitgliedern, Networking, Visa-Beantragung

Beteiligungsquote: keine, finanziell unterstützt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Fokus: Geschäftstätigkeit im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie

Erfolge/Exits: –

Portfoliounternehmen: –

Kontakt: German Entrepreneurship GmbH, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München, 089/2180 6979, info.germany@germanaccelerator.com

Weitere Accerlerator-Programme mit zum Teil unterschiedlichem Fokus sind etwa das bereits etablierte Seedcamp. Im Frühjahr hatte der Accelerator seine ebenso lange wie hochkarätige Liste an Mentoren für dieses Jahr präsentiert. Mit dabei unter anderem: Pawel Chudzinski von Point Nine CapitalChristian Weiss von Project A Ventures und Christophe MaireCEO von Txtr. Startups können sich eine Finanzierung von bis zu 50.000 Euro sichern. Seedcamp richtet sich speziell an Internet- und Mobile-Modelle, die bereits eine Prototypen oder etwas Vergleichbares vorweisen können.

Hinter der im Oktober startenden Berlin Startup Academy, kurz BSA, steht Christoph Räthke, der bis Herbst 2011 auch Berlin-Chef des Founder Institute war. Als erster Accelerator überhaupt, so Räthke in einer Rundmail, will sich die BSA an Startup-Gründer und Manager größerer Firmen gleichzeitig richten. Jeder Programmzyklus dauert fünf Monate mit wöchentlichen Sessions. Um an dem Programm teilzunehmen, zahlen sie 1.000 Euro und vier Prozent stiller Beteiligung. Bei Erfolg bekommen sie 2.000 Euro zurück.

Für Gründer in Lüneburg schreibt die Universität Leuphana den Gründerwettbewerb Leuphana Business Acceleratoraus. Eine internationale Jury vergibt noch in diesem Jahr drei Preise: Pro Gründerteam können bis zu zwei Personen mit jeweils einer halben Stelle für zwei Jahre beim Inkubator angestellt werden, um so ihr Unternehmen voranzubringen. Stichtag für die Bewerbung ist der 15. August 2012, zur Fach-Jury gehören unter anderem Peter Kowalsky (Bionade) und Dirk Freise (blau.de).

Auch der Munich StartUp Accelerator (www.munich-startup-accelerator.com) bietet potenziellen Jungunternehmern professionelle Unterstützung in der Vor-Gründungsphase durch Coaching, Mentoring, Workshops und Investor-Pitch-Vorbereitung. Ihr möchtet ein weiteres Accelerator-Programm aufführen oder über Eure Erfahrungen berichten? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

Business Angels: Auch private Engel geben Rat…

Doch sind es nicht allein Unternehmen oder Accelerator-Programme, die Startups Hilfe und Kapital bieten können. Auch zahlreiche finanz- und Know-how-starke Privatpersonen engagieren sich als sogenannte Business Angels, um Gründern die ersten Schritte zu erleichtern. Meist haben sie sich selbst durch erfolgreiche Gründungen einen Namen gemacht und sich über die Jahre ein weit reichendes Netzwerk aufgebaut.

Bereits sehr früh im Entstehungsprozess eines Wachstumsunternehmens das nötige Know-how bezusteuern, haben sich die Engel dabei auf die Flügel geschrieben. Im Gegenzug erhalten sie Anteile an dem geförderten Startup. Für junge Unternehmer dürfte dabei neben dem bereitgestellten Kapital insbesondere das Netzwerk des Business Angels besonders interessant sein, das es helfen kann, sich schnell am Markt zu etablieren.

…und Kapital

Business Angels investieren überwiegend in die Seed- oder Start-up Phase eines jungen Unternehmens, damit sie am Wertwachstum des Unternehmens partizipieren können beziehungsweise rechtzeitig mit ihrem Know-how Einfluss auf die Unternehmensentwicklung nehmen und gegebenenfalls gegensteuern können. Sie engagieren sich zumeist nicht im operativen Geschäft.

Sehr wichtig und häufig unterschätzt ist, dass die Chemie zwischen den Gründern und dem Engel stimmen muss. Weitere Anforderungen sind, dass der Businessplan in den Grundzügen ausgearbeitet ist, die Ertragsperspektive stimmt und die Finanzierungsfragen lösbar sind. Der Wunsch nach Risikokapital durch einen Business Angel sollte sich in einer Größenordnung zwischen 50.000 und einer Million Euro bewegen, heißt es etwa beim Business Angels Netzwerk Deutschland (www.business-angels.de). Größere Beträge sind nur in Kooperation mit anderen Business Angels oder Venture-Capital-Gesellschaften realisierbar. Von vielen Business Angels wird ein solches Vorgehen übrigens durchaus begrüßt – schließlich wird dadurch das Risiko reduziert.

Checkliste: Was gute Business-Angel auszeichnet

Wie schon bei Inkubatoren (Company Builder und Accelerator-Programmen) gilt auch bei Business Angels, sich genau mit den angebotenen Leistungen und Forderungen auseinander zu setzen. Da jede Privatperson als Business Angel unterwegs sein kann, ist hier besondere Vorsicht geboten. Hier eine kurze Eigenschaften, die interessierte Gründer bei ihrem privaten Geldgeber sicher stellen sollten.

  • Er verfügt über ein gutes Netzwerk, insbesondere zu Rechtsanwälten und Investoren.
  • Er hat Know-how von der Materie, im Idealfall hat er schon in der entsprechenden Branche Erfolge vorzuweisen.
  • Generell hat er Erfahrung bei der Gründung von Unternehmen, erkennbar an seinem Track-Record.
  • Er ist bekannt dafür, Unternehmen ausreichend lange zu unterstützen und nicht zu schnell wieder zu verlassen.
  • Auch bei juristischen Fragen kann er selbst unterstützen oder vermittelt gute Rechtsanwälte.
  • Er verfügt entweder selbst über genügend Finanzkraft oder hat gute Kontakte zu Investoren.
  • Der eingeforderte Unternehmensteil steht im richtigen Verhältnis zum Engagement des Business Angels?

Bildmaterial: Alvimann