Investoren - Suche - EXIST

Warum ist eigentlich am Ende des Geldes so viel Monat übrig? Dieser Satz schafft es wohl auf keine Comedy-Bühne, aber er ist Startups sehr bekannt.

Ist das Geld verbraten, muss neues her. Ist noch gar kein Geld da, muss überhaupt erst einmal etwas her. Und dieses Geld kommt meistens von Investoren.

Was wollen die eigentlich sehen? Und noch wichtiger: Was nicht?

9 Genickbrecher bei der Investorensuche – und was ihr stattdessen tun solltet

1. Planlosigkeit

Ihr schaut nicht ins Portfolio des Geldgebers, kontaktiert Geldgeber, die in völlig anderen Branchen unterwegs sind als ihr selbst, oder fangt erst dann an zu suchen, wenn die Kasse eigentlich schon gefüllt sein sollte, weil ihr plötzlich skaliert? Merkt ihr selber: Tatsächlich nicht die glorreichste Idee, aber erstaunlich oft Realität.

Rat: Weitsicht ist das A & O bei der VC-Pirsch. Fangt früh an (meist vergehen bis zur Unterzeichnung des Deals mehrere Monate), checkt bisherige Beteiligungen und kontaktiert nur die Investoren, die wirklich zu euch passen.

2. Mit der Tür ins Haus fallen

Euer Pitch Deck steht, es kann also losgehen! Voller Euphorie und Tatendrang verschickt ihr eure Unterlagen an massenhaft Investoren. Die kennen sich aber natürlich untereinander, reden miteinander – und finden solch unpersönliche Ansprachen nicht allzu charmant. Die Erfolgsaussichten eures Dokumenten-Spammings? Eher mittelmäßig.

Rat: Personalisierte Nachrichten schreiben und keine Massen-Mails verschicken. Denn Kettenbriefe wirken nicht nur unüberlegt, sondern steigern auch die Bekanntheit eurer Idee – und minimieren damit ihre Exklusivität und Attraktivität. Im besten Fall hattet ihr bereits im Vorfeld persönlich Kontakt mit dem VC.

3. Die Tür nicht öffnen

Das Ganze geht natürlich auch alles andersrum. Auf einem Netzwerk-Event habt ihr einen Investor kennengelernt. Der schreibt euch direkt am nächsten Tag eine E-Mail und bittet um Pitch Deck, Business- oder Finanzplan. Ihr antwortet aber leider erst nach zwei Wochen, da ihr festgestellt habt, dass eure Unterlagen doch noch nicht so ganz vollständig sind. Die Folge? Ihr hört nie wieder etwas von ihm.

Rat: Wenn euch jemand die Kapitaltür öffnet, seid vorbereitet und reagiert schnell!

4. Networking-Gelegenheiten von dannen ziehen lassen

Diese ganzen Menschen sind irgendwie nichts für euch und ihr habt keine große Lust, auf hunderten Gründermessen, Networking-Events und Pitch-Veranstaltungen herumzutanzen. Es gibt ja auch E-Mail, Xing & Co. Doch nach einer Zeit merkt ihr: Irgendwie kommt auf eure Nachrichten nichts zurück …

Rat: Gründungen sind People-Business. Die Art, wie ein VC von euch erfährt, kann große Auswirkungen auf das Investment haben. Würdet ihr eher einem bekannten Geschäftspartner das neue Produkt abkaufen, oder einem Wildfremden, der euch per Mail kontaktiert hat? Eben. Professionelles Netzwerken ist ein Akt, aber persönliche Begegnungen schaffen Vertrauen.


Wo trifft man auf Investoren? Mit EXIST fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) seit 2007 Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft, die einen innovativen technologierorientierten oder wissensbasierten Schwerpunkt haben – die Teams erhalten hier neben finanziellen Mitteln auch fachliches Know-how. Mit dem Investmentforum bietet EXIST auch eine Plattform für den Kontakt zwischen Gründern und Investoren.


5. Schwafel-Mails schreiben

Die Aufmerksamkeitsspanne von Investoren ist, Überraschung, kurz. Sie screenen jährlich tausende Anfragen von kapitalbedürftigen Gründern und brauchen in Anbetracht der Tatsache schnell Fakten. Ihr wiederum seid natürlich total begeistert von eurer Geschäftsidee und schreibt eine ausschweifende Lobeshymne direkt in der Mail. Dazu noch ein paar unverständliche Fachtermini und eine riesige zip-Datei in den Anhang – und zack, schon landet eure Mail im Papierkorb.

Rat: Schreibt in der Mail kurz und knackig, warum ihr gerade auf diesen VC gekommen seid und weshalb ihr ihn für euer Startup für passend befindet. Präsentiert Markt, Produkt, Team, Traktion und Finanzielles dann in einer informativen, übersichtlichen PDF im Anhang (10 – 20 Slides). Verschickt auch Demo-Accounts, Mockups oder Prototypen.

6. Größenwahn bei Markt und Umsatz

„Wir haben keine ernstzunehmenden Mitstreiter.“ Wenn ihr behauptet, konkurrenzlos zu sein, vermittelt ihr den Eindruck, es gäbe noch keinen Markt für Produkt oder Service. Wenn ihr dann auch noch eine dicke Lippe bei der Kalkulation von Umsätzen und Gewinnen riskiert, ist der Investor schneller weg, als ihr dicke Lippe sagen könnt.

Rat: Für die meisten Ideen gibt es direkte oder indirekte Mitstreiter – zeigt also, warum das Investment gerade bei euch am besten aufgehoben ist, warum ihr der Konkurrenz überlegen seid und was euer USP ist. Seid bei der Umsatzrechnung mutig, aber stets realistisch. Zeigt, mit welchen KPIs ihr ein profitables, nachhaltiges Geschäft entwickeln wollt. Investoren wollen aus ihrem finanziellen Einsatz ein Vielfaches machen, und ihr solltet ihnen ehrlich zeigen, wie das zu schaffen ist.


Mit dem Programm INVEST – Zuschuss für Wagniskapital motiviert das BMWi seit 2013 Privatinvestoren dazu, sich finanziell an Startups zu beteiligen. INVEST zielt mit der Vergabe eines Zuschusses darauf ab, die Investitionskraft hierzulande zu stärken und das „Investitionsrisiko“ zu verringern. Den Startups soll damit die Suche nach Kapitalgebern erleichtert werden.


7. Ein unrealistischer oder löchriger Finanzplan

Der gute alte Finanzplan ist bindende Grundlage für Beteiligungsverträge und sollte eurer Geschäftsmodell widerspiegeln. Doch das geht in eurem Forecast irgendwie schief. Ihr vergesst, wichtige Variablen zu verknüpfen, die für euer Umsatzvolumen und den Cashflow relevant sind. Viele Rechnungen gehen nicht auf, zum Beispiel die der Vertriebs- und Marketing-Strategie. Zudem verliert ihr kein einziges Wort über Probleme (und die werden kommen). Verspricht dieses Geschäftsmodell nun wirklich hohe Gewinne im Vergleich zum eingesetzten Kapital? Der Investor legt die Papiere genervt ad acta.

Rat: Investoren prüfen gerade diese Unterlagen auf Herz und Nieren. Hier also unbedingt auf Vollständigkeit und Schlüssigkeit achten!

8. Keine Harmonie und Ergänzungen im Gründerteam

Ihr kennt euch erst seit ein paar Wochen und kommt alle aus demselben Bereich. Doch der eine will dies, und die andere will das. Man arbeitet in verschiedene Richtungen, die Chemie leidet. Und das ist pures Gift: Denn irgendwann verlässt einen die Motivation.

Rat: Ihr müsst VCs davon überzeugen, dass ihr eine gemeinsame Vision habt und für eure Idee brennt. Die Kompetenzen sollten generell gut aufgeteilt, entscheidende Positionen (Finanzen, Vertrieb, Marketing, Technik) sollten besetzt sein. Einer von euch sollte den Markt zudem bestens kennen. Ihr müsst euch gut verkaufen können. Und ihr müsst abliefern, denn es geht hier nicht um Nächstenliebe, es geht um Business. Zeigt euren VC-Gebern, dass ihr verlässliche Geschäftspartner seid: Kommuniziert vernünftig und haltet Absprachen und Deadlines ein.

9. Ihr fragt nach zu wenig Geld

Bescheidenheit bringt euch nicht weit. Gier natürlich auch nicht, aber ihr habt nun einmal einen gewissen Kapitalbedarf – und der sollte in eurer Roadmap ersichtlich sein.

Rat: Gebt an, wofür genau ihr wieviel Geld in den nächsten Jahren benötigt.

 

Viel Erfolg!

 

Artikelbild: Sofie Voss/EyeEm.com