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Berichte über einen möglichen Verkauf des indischen Zalando-Klons Jabong gibt es schon seit September vergangenen Jahres. Nach zehn Monaten geht es nun offenbar in die heiße Phase: Der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba, die indische Retail-Gruppe Future Group, der Modeshop Abof des indischen Konzerns Aditya Birla Group und eine Tochter des indischen E-Commerce-Unternehmens Flipkart sollen allesamt an dem Unternehmen der Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet interessiert sein. Das berichtet die indische Finanzzeitung Economic Times. Die Zeitung beruft sich dabei auf Aussagen von Personen, die mit der Angelegenheit vertraut seien.

Der von den Gesellschaftern verlangte Preis für Jabong liege zwischen 250 und 300 Millionen US-Dollar, der tatsächliche Verkaufspreis könne aber deutlich geringer ausfallen, berichtet die Zeitung mit Berufung auf Insider. Einem anderen Bericht zufolge wollen die Interessenten sogar deutlich weniger als 100 Millionen Dollar bezahlen. Der Deal könne in den kommenden sechs Monaten stattfinden. Neben den oben genannten Unternehmen soll auch das indische E-Commerce-Unternehmen Snapdeal als Käufer infrage kommen, gelte aber als „weniger aggressiv“.

Die indische Zeitung Mint berichtet hingegen, Gespräche mit Alibaba hätten bereits vor einiger Zeit stattgefunden und seien erfolglos gewesen. Ein Sprecher für Rocket Internet sagte auf Nachfrage von Gründerszene, man äußere sich nicht zu Gerüchten.

Wird die Global Fashion Group Jabong nicht los?

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Rocket Internet betitelt die Jabong-Mutter Global Fashion Group (GFG) und den Modeshop selbst als Hoffnungsträger. Dennoch scheint der Investor schon längere Zeit zu versuchen, Jabong loszuwerden. Bereits 2014 soll Rocket mit dem Online-Riese Amazon in Verkaufsgesprächen gewesen sein – der Deal fand jedoch nicht statt. Damals wurde das Unternehmen mit 500 Millionen bis 700 Millionen Dollar bewertet. Gut ein Jahr später soll der indische Payment-Provider Paytm für eine ähnliche Summe an Jabong interessiert gewesen sein.

Eine Übernahme durch den chinesischen Internetkonzern Alibaba wäre nicht das erste Mal, dass die beiden Unternehmen Geschäfte machen. Erst im April 2016 kaufte dieser Rockets südostasiatisches E-Commerce-Unternehmen Lazada. Alibaba übernahm Anteile im Wert von insgesamt einer Milliarde Dollar.

Das mit rund 50 Millionen Dollar Risikokapital aufgepumpte Jabong ist nicht die einzige Tochtergesellschaft der Holding GFG, unter der Rocket sämtliche Zalando-ähnlichen Startups zusammenfasst, die in Schwellenländern agieren. An der GFG ist auch der schwedische Investor Kinnevik mit mehr als 25 Prozent beteiligt.

Turbulente Zeiten für Berliner Startup-Schmiede

Ebenso wie der von seinen Anlegern oft abgestrafte Investor Rocket Internet hat auch die GFG derzeit offenbar mit Turbulenzen zu kämpfen. Erst vor einigen Monaten musste der Investor die Bewertung der GFG massiv nach unten korrigieren. Bei einer Finanzierungsbekanntgabe in einer Höhe von 300 Millionen Euro für die GFG wurde deutlich: Statt mit drei Milliarden Dollar wie ein Jahr zurvor, bewerte der Investor seinen Hoffnungsträger mit nur noch einer Milliarde Euro. Anleger reagierten darauf panisch: Der Aktienkurs von Rocket fiel um 20 Prozent.


Trotz der Abwertung gehört die GFG – und auch Investor Rocket – zu den 47 Tech-Unternehmen, die in Europa mit mehr als einer Milliarde bewertet werden. Die Top 10 und alle deutschen Einhörner findet Ihr hier:

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Bild: Screenshot/Youtube