Janna Schmidt-Holz

Janna Schmidt-Holtz ist wohl eine Überfliegerin. Nach einem 1.0-Abitur studierte sie in Oxford, arbeitet dann bei Bain & Company und gründete anschließend drei Unternehmen. Heute ist sie 33 Jahre alt. 

2009 startete die Gründerin ihre erste Firma namens Kaiserwetter, ein Catering-Unternehmen in Hamburg, das heute fast 100 Mitarbeiter inklusive Aushilfen beschäftigt. Zwei Jahre später, 2011, gründete sie gemeinsam mit Charles von Abercron das Beautyboxen-Startup Glossybox. Ihr aktuelles Unternehmen, Event Inc, folgte 2014. Über das Portal können Locations für Veranstaltungen gefunden und gebucht werden. Mittlerweile hat Event Inc 30 Mitarbeiter, wird von CEO Björn Wind geführt und macht einen siebenstelligen Umsatz.

Seit zwei Jahren ist Schmidt-Holtz zudem Mutter. Nachmittags kümmert sich die Unternehmerin nun um ihre Tochter. Wie geht das, parallel zu zwei Unternehmen? Wir haben nachgefragt.

Janna, Du hast in den letzten acht Jahren drei Unternehmen gegründet. Vor zwei Jahren bist Du zudem Mutter geworden. Was hat sich seither verändert?

Alles hat sich geändert. Jemand hat mal zu mir gesagt: Davor ist das Leben schwarz-weiß, danach in Farbe. Es gab tatsächlich nichts Schöneres für mich, als Mutter zu werden. Aber in den ersten Jahren nach der Geburt kann man das Thema Schlaf abschreiben. Vor der Geburt habe ich 14 bis 16 Stunden am Tag gearbeitet und die restlichen Stunden hatte ich Zeit für mich. Heute arbeite ich, bevor meine Tochter aufwacht und während sie im Kindergarten ist. Das sind etwa sechs bis acht Stunden. Nachmittags bin ich mit meiner Tochter und arbeite abends vier bis fünf Stunden nach, wenn sie schläft.

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Wie hat die Geburt Deiner Tochter Deine Rolle als Gründerin verändert?

Vieles ändert sich. Lustig ist zu sehen, wie sehr man zwischen diesen zwei Welten, Berufswelt und der Welt mit dem Kind, trennen muss. Im Beruf kann ich schnelle Entscheidungen treffen, Dinge effektiv voran pushen und mit meinen Mitarbeitern immer Richtung Wachstum arbeiten. Es geht darum, Ziele effizient und nachhaltig zu erreichen. Doch Effizienz ist einem Kind völlig egal. Meine Tochter will einfach, dass ich für sie da bin. Wenn ich nach Hause komme, guckt sie mich mit großen Augen an und möchte, dass ich ihr ein Buch vorlese. So ist man vormittags sein eigener Drill-Master und nachmittags eher die liebevolle und geduldige Comfort-Zone für sein Kind.

Die Skills einer Managerin helfen Dir als Mutter demnach nicht?

Sehr typisch für die McKinsey-Berater-Power-Mädels – zu denen ich mich übrigens selbst zähle – ist, dass sie alles im Leben durchplanen, eventuell sogar wegmanagen und outsourcen wollen. Meine große Message an alle Frauen aus diesem Umfeld: Das kann man nicht. Natürlich kann man zum Beispiel die Arbeit im Haushalt abgeben, aber gerade in den ersten Jahren sollte die Zeit mit dem Nachwuchs die oberste Priorität haben und das sollte das Kind jeden Tag spüren. Es ist fast wie eine simple mathematische Gleichung: Je mehr Liebe man in sein Kind in Form von Zeit und Zuwendung gießt, desto mehr manifestiert es sich in seiner Persönlichkeit.

Hast Du Dich charakterlich verändert?

Meine Tochter hat mich als Mensch Schritt für Schritt weicher geklopft. Das hat mich schon extrem stark verändert – ich bin ein runderer Mensch geworden und habe viele Dinge hinterfragt.

Was genau meinst du mit „rund“?

Ich bin als Mutter emotionaler. Ich bin nicht mehr nur die unabhängige Kämpferin, die alles alleine schafft, sondern brauche auch Hilfe und Unterstützung in gewissen Momenten. Man lernt, sowohl sein Team zuhause als auch in den Firmen maximal stark aufzustellen. Man wird viel rigoroser, wem und was man seine Zeit schenken will. Das hat mich auch beruflich auf die nächste Stufe meiner Effektivität befördert. Aber auf eine andere Art und Weise: Die neu gewonnene mütterliche Wärme, wie ich es mal nenne, ließ mich auch meinen Führungsstil hinterfragen und wahrscheinlich etwas nachsichtiger werden.

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Viele Mütter berichten, dass sie in den Stunden, die sie noch arbeiten, genauso viel schaffen wie vor der Geburt an einem ganzen Arbeitstag. Geht dir das auch so?

Ja und Nein. Ich schaffe operativ weniger. Die strategischen Ziele meiner Firmen erreiche ich seitdem aber schneller. Ich setze nicht mehr darauf, alles alleine zu machen, sondern achte darauf, starke Führungsteams zu etablieren. Ich agiere jetzt eher im Hintergrund und strategisch. Meine Effektivität pro Arbeitsstunde hat sich stark erhöht. Denn natürlich weiß ich als Mutter, wie wertvoll eine Stunde ist und deswegen erledige ich in dieser Zeit mehr.

Was hältst du von dem Modell, die ersten Jahre eine Nanny, womöglich sowohl für tagsüber als auch nachts, zu haben?

Gar nichts. Wir Gründerinnen sind ja auch Unternehmerinnen, um unserer Gesellschaft etwas zurückzugeben. Aber das Wichtigste, das wir unserer Gesellschaft und uns selber geben können, sind doch unsere Kinder. Und unsere Kinder werden am besten starke, liebevolle und sichere Menschen, wenn wir uns als Mamas viel um sie kümmern – besonders in den ersten ein bis drei Jahren.

Was willst du in den kommenden Jahren beruflich erreichen?

Event Inc ist das vielversprechendste Startup, das ich bis dato gegründet habe. Wir haben nach eineinhalb Jahren den Breakeven erreicht und nach zwei Jahren einen siebenstelligen Umsatz erzielt. Dieses Jahr wollen wir Event Inc von einem klassischen Listing-Portal für Locations zu einem Technologie-gesteuerten Marktplatz ausbauen. Im Zuge dessen digitalisieren wir auch den Buchungsprozess. Außerdem arbeiten wir an Premium-Features für unsere B2B-Kunden, also Agenturen und Corporate-Abteilungen. Danach geht es an die weitere Internationalisierung.

Danke für das Gespräch, Janna. 

Bild: Janna Schmidt-Holtz