Jimdo-Entlassungen-Umbau

Eine Detailaufnahme der Kachelwand im Empfang zeigt Karikaturen aus dem Büro und der Geschichte von Jimdo.

Es kommt häufiger vor in der ambitionierten Startup-Szene: Die jungen Unternehmen werden schnell groß – mitunter schneller als gut für sie ist. Das soll nun auch beim Hamburger Homepage-Baukasten-Startup Jimdo der Fall gewesen sein: Von zuletzt 258 Mitarbeitern müssen daher nun 70 gehen.

„Wir haben es nicht geschafft, effektive Management-Strukturen einzuführen, und wir sind personell zu schnell gewachsen“, gesteht Mitgründer und CEO Matthias Henze gegenüber Gründerszene ein. Wie es passieren konnte, dass das Management die Probleme nicht früher erkannt hat? Man habe zuvor schon andere Dinge versucht, um einen solch drastischen Schritt zu vermeiden, erklärt Henze – ohne Details nennen zu wollen. Allerdings hätten die Maßnahmen nicht so funktioniert wie erhofft.

Von den Entlassungen betroffen seien alle Unternehmensbereiche. Einige würden auch ganz eingestellt. Welche das sind, will Henze allerdings noch nicht verraten. Die Gründer, neben Henze noch Christian Springub und Fridtjof Detzner, werden das Unternehmen auch weiterhin führen.

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Alle betroffenen Mitarbeiter würden Abfindungsangebote bekommen, versichert Henze. Außerdem werde man helfen, sie an neue Arbeitgeber zu vermitteln. Mit dem verkleinerten Team soll sich das Unternehmen wieder stärker auf Innovation und eine schlankere Struktur besinnen.

Jimdo befindet sich in einem heftigen Wettbewerb mit dem israelischen Konkurrenten Wix. Entsprechend hoch sei das Investment in Marketing-Maßnahmen, so Henze, wenn dies auch keinen übermäßigen Einfluss auf die Geschäftszahlen habe. Gleiches gelte auch für die angestiegenen Personalkosten. Details will Henze auch hierzu nicht nennen.

Die Entlassungen, so formuliert es der Mitgründer, seien „ein in die Zukunft gerichteter Schritt“. Für das laufende Jahr werde das Unternehmen das schnellste Wachstum an Neukunden in der fast zehnjährigen Firmengeschichte verzeichnen, betont der CEO.

An Kapital dürfte es Jimdo derweil nicht fehlen. Vor einem Jahr war der namhafte US-Investor Spectrum Equity beim Hamburger Startup eingestiegen – mit 25 Millionen Dollar. Der neue Gesellschafter habe allerdings nicht auf Entlassungen gedrängt, betont Henze.

Zuvor hatten sich die Hamburger Gründer finanziell eher bescheiden gegeben. Selbst ein achtstelliges Finanzierungsangebot hatten die drei einmal abgelehnt, sagen sie. Eine halbe Million Euro Startfinanzierung von den Samwer-Brüdern und einem Business Angel – mehr hatten sie für ihr Startup Jimdo nicht gebraucht, seitdem 2007 auf einem alten Bauernhof an der Nordsee alles angefangen hatte.

Warum Jimdo dann doch auf VC-Millionen setzte? Man wolle nun „größer denken“ und „lang geplante Projekte umsetzen – sowohl in Sachen Produkt als auch Positionierung“, schrieben die drei Gründer in einem Blog-Post. Mit dieser Strategie hat sich das Team übernommen. Das wollen Henze & Co nun korrigieren.

Bild: Jimdo