jitse groen lieferando takeaway.com

Jitse Groen (rechts), 2012 auf einer Konferenz mit Moderator Humberto Tan

Wie geht es eigentlich Lieferando? Seit der mehr als 50 Millionen Euro teuren Übernahme durch Takeaway.com vor bald einem Jahr war von der Lieferdienst-Plattform lange nichts zu hören. Von Hauptkonkurrent Lieferheld und dessen Mutter Delivery Hero dagegen eine ganze Menge: Finanzierungsrunden über 85 Millionen und 350 Millionen US-Dollar, die Übernahme von Marktführer Pizza.de, Deals mit Foodpanda und schließlich der spektakuläre Einstieg von Rocket Internet.

Nun meldet sich Jitse Groen, als Chef der niederländischen Takeaway.com-Holding auch Geschäftsführer von Lieferando, mit einem Interview zurück. Gegenüber der Berliner Zeitung nimmt Groen seine Konkurrenten mit markigen Sprüchen unter Feuer.

Es sei „absurd, mit wie viel Geld sich Lieferheld die Marktführerschaft erkauft hat“, sagt Groen. „Berechnet man die Übernahme von dem einstigen Marktführer Pizza.de mit ein, hat Lieferheld sicherlich eine halbe Milliarde Euro in den deutschen Markt gepumpt. Das macht ökonomisch einfach keinen Sinn, obwohl der Markt sehr groß ist.“ In Deutschland, so glaubt Groen, seien bislang nur 15 Prozent des Marktpotenzials ausgeschöpft.

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„Viele denken, dass man schnell die Marktführerschaft erobern kann, wenn man nur viel mehr für Marketing ausgibt“, giftet Groen. „Aber so einfach ist das nicht.“ Denn Lieferdienst-Kunden seien sehr loyal, mit großen Marketingbudgets würden sich zwar Neukunden anlocken lassen, für einen echten Kundenstamm brauche es aber viel Geduld.

Trotzdem sieht Groen den Lieferdienstmarkt als Winner-takes-it-all-Markt: „Als Nummer zwei verdienen Sie fast gar nichts.“ Deshalb werde auch Lieferando „nicht aufgeben, bis wir die Nummer eins sind“, so der Takeaway-Chef.

Das US-Mobilitäts-Startup Uber, seit wenigen Wochen mit einem Lieferdienst-Konkurrenzprodukt am Markt, fürchtet Groen nicht. Denn anders als Lieferando oder Lieferheld wollen die Amerikaner die Mahlzeiten selbst abholen und ausliefern, mit einer eigenen Flotte. „Das ist ein Geschäftsmodell, das noch nie funktioniert hat, nirgends auf der Welt.“

Zuletzt gibt Groen auch noch dem Rocket-Startup EatFirst einen mit: „Ich denke, der Trend zum gesunden Essen wird überschätzt.“ Unternehmen wie EatFirst oder dessen US-Vorbilder Spoonrocket oder Munchery würden mit ihrem hochpreisigen Angebot einen viel zu kleinen Markt bedienen. „Diese neuen Geschäftsmodelle, die davon ausgehen, dass die Menschen nicht mehr kochen und sich deshalb gesundes Essen liefern lassen wollen, sind eine Fantasie der Investoren.“

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