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Wenn es um den Fachkräftemangel in Deutschland geht, fallen einem oft Pflegekräfte und Handwerker als Erstes ein. An Lkw-Fahrer denkt kaum jemand. Dabei ist die Zielgruppe groß: Insgesamt soll es in Deutschland rund 1,5 Millionen Fahrer geben. Laut der Bundesagentur für Arbeit waren im Juli 2017 zuletzt rund 44.000 Trucker-Stellen offen.

Grundsätzlich mangle es nicht an qualifizierten Fahrern, glauben Daniel Stancke und Thorsten Steinbach. Sondern eher daran, dass die Unternehmen die passenden Mitarbeiter nicht ausfindig machen. Die beiden Hamburger Gründer haben sich zum Ziel gesetzt, Fahrer und Unternehmen über eine Plattform zusammenzubringen – und nebenbei Papierkram wie Bewerbungsunterlagen überflüssig zu machen.

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Stancke und Steinbach kennen sich schon seit Kindertagen. Zusammen haben sie vor gut einem Jahr Truckjobs und TruckPro entwickelt. Auf der einen Plattform können sich Fahrer mit ihrem Profil registrieren, auf der anderen Unternehmer ihre Stellengesuche aufgeben.

Match me if you can

Für das Recruiting haben die Gründer einen Fragenkatalog entwickelt, der über die üblichen Themen wie Führerscheinbesitz und Berufserfahrung hinausgeht, diese Grundlagen bieten andere Jobbörsen schließlich auch. „Das Besondere sind die im zweiten Teil erhobenen Daten”, sagt Thorsten Steinbach im Gespräch mit Gründerszene. Darin müssen die Bewerber etwa 30 Fragen beantworten. Die Auswertung der Antworten ergebe dann ein detailliertes Persönlichkeitsprofil, das viel über die Passung eines Arbeitnehmers zum Arbeitgeber aussage. Im derzeit 13-köpfigen Team arbeiten neben IT-lern auch Psychologen.

Die Plattform soll über die rein statische Datenauswertung hinausgehen: „Unser Algorithmus lernt mit jeder Dateneingabe“, so Steinbach, der vor der Gründung des Startups bei DHL für Innovationen zuständig war. Das soll das Matching kontinuierlich verbessern. Bald schon will das Unternehmen genaue Vorhersagen über ein Arbeitsverhältnis machen können, beispielsweise über die voraussichtliche Dauer und darüber, wie gut Fahrer und Firma zusammenpassen. Später soll es möglich sein, das Verbesserungspotenzial eines Mitarbeiters zu identifizieren, um ihn dementsprechend gezielt zu fördern. Das persönliche Bewerbungsgespräch ersetzt ein Match durch den Algorithmus allerdings nach wie vor nicht.

Andere Branchen sollen folgen

Die Nachfrage sei enorm, berichten die Gründer. Bisher haben sich nach ihren Aussagen etwa 4.000 Personen und mehrere Hundert Unternehmen registriert. Firmen können bei dem Startup entweder eine Art Abo-Modell abschließen: Pro Monat bekommen sie für knapp 390 Euro die Unterlagen von drei passenden Bewerbern zugesandt. Oder sie zahlen pro erfolgreich besetzter Stelle eine Provision von knapp 2.000 Euro, für die arbeitssuchenden Trucker ist die Jobsuche generell kostenlos.

Finanziert wird das Startup durch Business Angels, insgesamt haben die Gründer bisher knapp eine halbe Million Euro eingesammelt. Unter den Geldgebern ist Olaf Ringelband, eine Koryphäe der HR-Szene.

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Der Name des Startups – JobMatchMe – deutet es bereits an: Das Konzept ließe sich im Prinzip auf viele andere Branchen übertragen, wie Pflegekräfte, Friseure oder Handwerker. Doch zunächst wollen die Gründer mit ihrem ersten Produkt weiter wachsen. Als Nächstes soll der Norden Deutschlands erschlossen werden, später Polen und weitere europäische Länder hinzukommen. Auch über die Expansion in die USA denkt das Duo bereits laut nach.

Bilder: Getty Images / Maskot; JobMatchMe