DUESSELDORF, GERMANY - JANUARY 13: Jochen Schweizer attends the German Television Award (Der Deutsche Filmpreis 2016) at Rheinterrasse on January 13, 2016 in Duesseldorf, Germany. (Photo by Mathis Wienand/WireImage)

„Der Luftikus“ titelt das Manager Magazin

Jochen Schweizer ist ein Draufgänger. Er springt aus Flugzeugen, demonstriert seine Fitness im TV und provoziert mit markigen Sprüchen. Den starken Mann mimt Schweizer besonders gern in „Die Höhle der Löwen“, der Startup-Show des Senders Vox. Dort tritt der 59-Jährige als Investor auf und beteiligt sich an Startups, die ihre Ideen vorstellen.

Zwar gab Jochen Schweizer Anfang des Jahres bekannt, dass er bei der vierten Staffel des Formats, das regelmäßig hohe Quoten erreicht, nicht mehr dabei sein wird. Doch der ehemalige Stuntman und sein Unternehmen, die Jochen Schweizer GmbH, sind durch DHDL deutschlandweit bekannt geworden.

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So setzt Jochen Schweizers Unternehmen mit dem Verkauf von Gutscheinen, beispielsweise für Bungee Jumping oder Fallschirmspringen, Millionen von Euro um. Wie das Manager Magazin in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, soll das Unternehmen nun einen Käufer suchen.

Mit dem Medienriesen ProSiebenSat.1 sei Jochen Schweizer in Übernahmegesprächen. Dem Konzern gehört bereits der größte Schweizer-Konkurrent Mydays. „Man müsste den Laden zwar ziemlich aufräumen“, soll ein Insider gegenüber dem Manager Magazin gesagt haben. Es sei aber dennoch interessant, den Gutschein-Markt für Erlebnisse so zu konsolidieren. Auf Gründerszene-Nachfrage kommentiert ein Schweizer-Sprecher diese Gerüchte nicht.

Wie gut steht Schweizers Unternehmen da?

Der Magazinbericht wirft Fragen darüber auf, wie gut es Jochen Schweizers Unternehmen geht. So zeigt der Jahresabschluss 2015 im Bundesanzeiger, dass der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag bei 69 Millionen Euro lag, 60 Prozent der Bilanzsumme.

Das Manager Magazin kritisiert weiter, es wirke, als würde das Unternehmen das Einlösen der alten Gutscheine durch den Verkauf neuer Gutscheine finanzieren. So verfügte die GmbH 2015 über etwa 9,5 Millionen Euro in der Kasse. Gleichzeitig aber hatte das Unternehmen Verpflichtungen über 107 Millionen Euro: Dieses Geld muss die Jochen Schweizer GmbH an ihre Partner zahlen, die die Aktionen aus den Gutscheinen anbieten, sobald ein Gutschein eingelöst wird.

Bei der Jochen Schweizer GmbH wehrt man sich allerdings vehement gegen diese Darstellung – und beurteilt die Lage ganz anders. In einem Statement, das Gründerszene vorliegt, werden die Geschäftszahlen so erklärt:

„Der negative Eigenkapitalausweis wird durch die deutschen Bilanzierungsrichtlinien hervorgerufen (HGB). Demnach dürfen Zahlungen für Gutscheine, unsere Hauptprodukte, erst zu dem Zeitpunkt in der Bilanz als Umsatz ausgewiesen werden, wenn sie tatsächlich eingelöst sind. Durch die langen Laufzeiten unserer Gutscheine von bis zu vier Jahren entsteht so in der Bilanz eine zeitliche Verschiebung. Das ist typisch für alle Geschäftsmodelle mit Gutscheinen. Das international anerkannte Bilanzierungssystem ist der International Financial Reporting Standard (IFRS). Die IFRS-Bilanz offenbart die reale Ertragskraft eines Unternehmens. Die Jochen Schweizer GmbH schreibt seit vielen Jahren positive IFRS-Bilanzen, die vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte seit 2010 auch testiert werden.“

Weiterhin kündigt Jochen Schweizer an, gerichtliche Schritte zu prüfen. „Meine rechtlichen Berater [halten] derzeit hier die Grenzen der zulässigen Berichterstattung für überschritten“, schreibt der Unternehmer, der seit etwa einem Jahr nicht mehr selbst Geschäftsführer der GmbH ist.

Update, 7. Juli 2017: Laut Manager Magazin hat Schweizer bisher keine rechtlichen Schritte gegen den Artikel unternommen. Das Unternehmen will sich auf Nachfrage von Gründerszene nicht dazu äußern.

Der Artikel erschien zuerst am 26. Mai 2017.

Neuere Geschäftszahlen könnten Aufschluss über die Entwicklung des Unternehmens geben, doch bisher sind keine weiteren als die des Jahres 2015 öffentlich. Das Unternehmen selbst gab zwar bekannt, 2016 etwa 75 Millionen Euro umgesetzt zu haben. Dabei handelt es sich allerdings um den Außenumsatz – wie viel der GmbH also geblieben ist, ist unklar.

Ob Krise oder nicht, Schweizer hat laut Manager Magazin einen ertragreichen Weg gefunden, selbst Millionen mit dem Unternehmen zu verdienen. Im Jahr 2005 soll er die Namens- und Nutzungsrechte der Domain Jochenschweizer.de an seine GmbH verkauft haben. Dafür bekomme er seitdem jedes Jahr fünf Prozent der Erlöse. 2015 allein sollen es drei Millionen Euro gewesen sein.

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