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Jodel-Gründer Alessio Borgmeyer will mehr politische Diskussion in seiner App.

Wer schon immer eine persönliche Frage an die Kandidaten der Bundestagswahl loswerden wollte, anstatt die Politiker nur von Plakaten lächeln zu sehen, kann dies jetzt mit dem sozialen Netzwerk Jodel versuchen. Das Startup hat für die Woche ab dem 11. September eine Live-Fragerunde angekündigt: In der werden sich bekannte Politiker der Parteien CDU/CSU, Grüne, die Linke, SPD und FDP den Themen der Jodel-Gemeinschaft stellen. 

Warum die Berliner Social-App im Wahlkampf mitmischen will, erklärt Jodler-Gründer Alessio Borgmeyer. Er findet: „Leider waren bisherige Wahlkampfveranstaltungen wie #DeineWahl, wo YouTuber Angela Merkel Fragen stellten, oder das gestrige TV-Duell nicht wirklich aufschlussreich.“ Jodel will das besser machen: „Wir reichen das Zepter unseren Usern und lassen sie die Fragen stellen.“

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Dabei soll gelten: Gefragt werden darf alles. Jodel kündigt an, lediglich Hasskommentare zu entfernen. So kann jeder Nutzer eine Frage stellen, die dann von der Community hoch- oder heruntergewählt wird. Die Posts mit den meisten Stimmen werden schließlich live eine Stunde lang beantwortet.  

Wichtig für die Fragerunde ist der Standort des Users: Da Jodel basierend auf der Location des Nutzers funktioniert, können die User nur Politiker ihres Wahlkreises befragen. Kölner Jodler können beispielsweise dem lokalen SPD-Kandidaten Martin Dörmann ihre Fragen stellen, Hamburgs SPD-Kandidatin Dorothee Martin wird auch von den Hamburgern befragt. Insgesamt soll die Fragerunde in 17 Städten stattfinden. Wer die Jodel-App aber nicht herunterladen möchte, kann auch hier alle Fragerunden standortunabhängig verfolgen sowie alle bisher teilnehmenden Politiker nachsehen. 

Laut Plan stellen sich am Montag, dem 11. September, die Grünen den Jodlern, am Dienstag die Linken, am Mittwoch ist die FDP an der Reihe, am Donnerstag die SPD und am Freitag wird die CDU/CSU befragt. Einzige Ausnahme: Die Jodler aus Berlin können schon am 5. September FDP-Spitzenkanditat Christian Lindner ihre Fragen stellen. Es ist geplant, dass auch alle anderen Spitzenkandidaten zu Wort kommen. Cem Özdemir von den Grünen wird in Stuttgart Fragen beantworten, mit Sahra Wagenknecht von den Linken kann man in Düsseldorf diskutieren. Mit den Pressebüros von SPD-Kandidat Martin Schulz und Kanzlerin Angela Merkel sei man noch im Gespräch, heißt es von Jodel. Auch einige weitere Diskussionstermine sind noch nicht vergeben. Man sei aber zuversichtlich, dass sich viele Politiker der Diskussion stellen würden, um nicht den Anschluss zu verlieren. 

Auf Jodel können Nutzer im Umkreis von zehn Kilometern anonym Fragen, Witze oder Fotos in die App posten. Diese Beiträge können dann von anderen Usern hoch oder herunter gevotet werden. Das soziale Netzwerk, das 2014 startete, schloss im Juni eine Finanzierungsrunde über sechs Millionen Euro ab und hat nach eigenen Angaben mehrere Millionen Nutzer. 

Bild: Jodel