Ökonom Jörg Asmussen

Als „Germany’s acting minister of finance“ wurde Jörg Asmussen einmal bei einem IWF-Treffen vorgestellt. Der Spitzenbeamte vertrat damals seinen Chef Finanzminister Wolfgang Schäuble. Dieser Vorfall aus dem Jahr 2010 zeigt einmal mehr, welche zentrale Rolle der SPD-Mann in der Politik einmal spielte. Vom Staatssekretär im Finanzministerium ging es ins Arbeitsministerium. Ein nächster Karriereschritt sollte bei staatlichen Förderbank KfW folgen – doch der Wechsel platzte, weil Asmussen mit seiner Familie in Berlin bleiben wollte.

Nun verkündet der 49-Jährige einen neuen Arbeitgeber außerhalb der staatlichen Institutionen. Der Top-Ökonom wechselt zu britischen Fintech Funding Circle, das sich erst kürzlich mit Rockets Zencap zusammengetan hat.

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Es ist eine äußerst prominente Personalie für die Branche, gilt Asmussen doch als ausgewiesener Regulierungsexperte. „Wer in der Finanzindustrie arbeitet, muss wissen, wohin sich die Branche in der Zukunft entwickelt“, sagte Asmussen der Süddeutschen Zeitung. Man müsse die Geschäftsmodelle der Fintechs verstehen.

Asmussen wird bei Funding Circle im Aufsichtsrat sitzen. Dafür bekommt er zwar keine Vergütung, aber einmalig Anteile, schreibt die SZ. „Beide Seiten gewinnen – ich lerne etwas über Fintechs und Funding Circle lernt von mir etwas über Regulierung“, so Asmussen.

Fintechs erreichen eine „kritische Marktgröße“

Den Startups stehe eine Welle von staatlichen Regeln bevor. „Erstens weil sie eine kritische Marktgröße erreichen und die Regulatoren deswegen aufmerksam werden. Und zweitens, weil sie den Wettbewerbern bald so weh tun, dass diese die junge Konkurrenz anschwärzen werden.“ Funding Circle, das direkt zwischen kleineren beziehungsweise mittelgroßen Unternehmen und Investoren Kredite vermittelt, schließe eine Lücke, die die Banken hinterlassen haben, sagt der neue Aufsichtsrat. Die Ironie: Damit kümmert sich Funding Circle um die gleiche Problematik, mit der auch die KfW Bankengruppe als staatliches Förderinstitut betraut ist.

Eine Reihe von prominenten Wechseln zeigt, wie Fintech-Startups an Bedeutung gewinnen. So siedelte der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain zum US-Fintech SoFi über und der Online-Chef des Handelsblatts, Oliver Stock, zu Sentifi.

Bild: Martin Jost