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Es war eine Schlagzeile, die auf viel Interesse stieß: TV-Promi Joko Winterscheidt investiert in Startups. Im März 2015 war das, und das junge Unternehmen, welches den Halligalli-Star von sich überzeugt hatte, war der mittlerweile eingestellte Concierge-Service GoButler. Es folgten weitere Investments in Gin etwa und in Socken.

Bald geht Winterscheidt erneut auf Scout-Tour, diesmal allerdings für den Fernsehsender ProSiebenSat.1. Dessen Investment-Arm Seven Ventures sucht im Rahmen seines Pitch-Days auf der DLD-Berlin-Konferenz am 26. Oktober vielversprechende Jungfirmen. Die sollen sich an jedermann richten und vor allem anfassbare Produkte zu zeigen haben. Das sei so auch ganz im Sinne von Winterscheidt, verrät der im Interview mit Gründerszene. Und er spricht darüber, was er aus seinen bisherigen Investments gelernt hat – die ja nicht alle Erfolgsgeschichten waren.

Joko, mittlerweile bist Du in der Startup-Szene schon als Investor bekannt, trittst nun auch als Juror beim SevenVentures Pitch Day auf – aber wie kam es überhaupt dazu, dass Du in Startups investierst?

In mir hat immer schon ein gewisses unternehmerisches Interesse geschlummert, schon als Kind hatte ich verrückte Geschäftsideen. Das Investment in GoButler kam über Jens Urbaniak zustande, er ist einer der Gründer und ein guter Freund. Jens rief mich an, erzählte mir von der Idee und bat mich, mal etwas dazu zu posten. Das hab ich dann gemacht und etwas später wurde ich zum Business Angel.

GoButler war am Ende keine Ruhmesstory – wie hast Du das erlebt? Bist Du mit Deinen Investments insgesamt zufrieden?

Der große Knall war noch nicht dabei, daraus mache ich auch gar keinen Hehl. Das ist auch gar nicht schlimm. Es wäre ja absurd, wenn mein erster Wurf schon ein Erfolg ist, dafür ist die Lernkurve viel zu krass. Natürlich habe ich anfangs auch gedacht, dass da ein toller Exit bei rumkommen könnte – das sind ja so die Stories, die man manchmal hört: kleines Investment, großer Gewinn.

Abbringen lassen hast Du Dich aber nicht, sondern munter weiter investiert.

Es macht mir einen Heidenspaß, Leuten zur Seite zu stehen, die für eine Idee brennen. Es gab ja auch Leute, die für mich da waren und meine Ideen unterstützt haben. In letzter Zeit investiere ich aber nicht mehr so schnell wie zu Beginn, das ist einer der Lerneffekte. Wenn die Idee und die Leute nur zu 60 oder 70 Prozent zu mir passen, lasse ich die Finger davon.

Fieberst Du bei Deinen Investments mit oder schaust Du nüchtern auf die Zahlen?

Ich fiebere total mit. Und ich nerve die Leute auch abends um zehn, wenn ein versprochenes Reporting noch nicht da ist. Wahrscheinlich hatten sich die Gründer das Leben mit mir entspannter vorgestellt. Man kann nicht einseitig Geld und Aufmerksamkeit geben, man muss natürlich auch dahinter her sein und kontrollieren, dass es mit dem Unternehmen weitergeht.

Wie geht man als Business Angel damit um, wenn man jemandem sein Geld gibt, es dann nicht ganz so gut läuft und der Gründer mit Urlaubsbildern auf Instagram oder Snapchat angibt?

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(lacht) Ja, das ist schwer. Ich verlange natürlich das gleiche Commitment, dass ich auch selbst in das Startup und die Gründer investiere. Da muss man schon mal fragen: „Wie warst Du denn in der Lage, gestern Party zu machen?“ Es ist ja okay, wenn jemand seine Freizeit genießt. Aber es geht darum, zusammen etwas zu erreichen. Da darf man auch mal unangenehm werden und man muss ehrlich sagen, dass man nicht zufrieden ist. Manche Leute wollen nur ,der coole Gründer´ sein, der sich überall profilieren will, statt etwas dauerhaftes aufzubauen.

Geht es immer darum, etwas wirklich dauerhaftes aufzubauen?

Mit fremder Leute Geld Unternehmen schnell aufzublasen, das ist nicht sehr schwer. Dann ist die Aufgabe, irgendwann ein gut laufendes Geschäftsmodell daraus zu machen. Mit GoButler haben wir auch große Summen eingesammelt. Mittlerweile finde ich es viel spannender, wie man langfristig erfolgreich sein und das Unternehmen vielleicht sogar über Generationen im Besitz der Familie bleiben kann. Dann ist die Motivation, einen großen Exit zu machen, auch gar nicht mehr da. Solche Fragen stelle ich mir besonders bei meiner eigenen Gründung Creative Cosmos 15, eine Agentur, die ich zusammen mit Matthias Schweighöfer gestartet habe.

Welche Bereiche interessieren Dich aus unternehmerischer Sicht? Gibt es etwas, von dem Du glaubst, dass es bald durch die Decke geht?

Dazu kann ich wenig sagen, das ist nicht mein Ding. Deswegen suche ich ja nach Leuten, die sich diese Gedanken für mich schon gemacht haben und unterstütze sie dann. Als Investor bin ich kein Fan von ganz virtuellen Geschichten, bei denen man nie einschätzen kann, ob sie wirklich funktionieren. Ich brauche schon etwas Zeit, mich mit einer Idee auseinanderzusetzen – was ich nicht mag ist, wenn mich jemand mit einem „Elevator-Pitch“ anspringt. Bei haptischen Dingen ist das unkomplizierter, die kann man anfassen und testen, da achte ich viel auf mein Bauchgefühl.

Ist das eine Lektion aus GoButler?

Schwer zu sagen. Vielleicht unbewusst. Virtuelle Welten sind so abstrakt, dass man die Zusammenhänge gar nicht mehr kapiert. Greifbares versteht man sofort. Das ist ja auch wichtig, wenn man jemanden als Investor mit Rat und Tat unterstützen will.

Wie wirst Du in der Jury des SevenVentures Pitch Day auftreten? Schließlich bestimmt Dein Urteil über eine ganze Menge Werbebudget.

Das muss ich sehen. Ich habe so etwas noch nie gemacht und ich weiß nicht, was mich erwartet. Was ich sagen kann: Ich freue mich darauf, die Gründer kennenzulernen. Bislang steht ja nur fest, dass der Sieger des Entscheids in New York dabei sein wird. Alle anderen können sich gerne noch bewerben, wenn sie meine Meinung hören wollen. (lacht)

Schaust Du eigentlich die Startup-Show Die Höhle der Löwen?

Sagen wir: Ich weiß, was es ist. Vor Jahren habe ich schon die US-Version Shark Tank geschaut. Ich hätte nie gedacht, dass sich so ein Format in Deutschland durchsetzen kann. Aber was man so hört, kommen viele der in der Sendung geschlossenen Deals ja auch gar nicht zustande.

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Wäre so ein Format für Dich interessant?

Dazu müsste es etwas anders sein. „Die Höhle der Löwen“ funktioniert für mich nicht aufgrund der Jury, sondern aufgrund der Menschen und ihrer Ideen, die da präsentiert werden. Die Leute wollen die Produkte und nicht die Jury sehen.

Wie geht es für Dich denn weiter? Du hast ja von Deinem unternehmerischen Interesse gesprochen – kommt eine eigene Gründung?

Zuerst einmal kommt eine Menge neuer Shows, Beginner gegen Gewinner startet im Oktober und ist mein eigenes Samstag-Abend-Format. Da liegt mein Augenmerk drauf. Ich bin ja nicht hauptberuflich in der Startup-Welt unterwegs. Aber ich halte weiterhin die Augen offen nach interessanten Investments.

Bist Du als Investor gut verdrahtet oder läuft das alles eher im Freundeskreis ab?

Ich telefoniere zwar nicht mit Oliver Samwer, aber ich habe mir schon eine ganze Reihe guter Kontakte aufgebaut. Der Kontakt mit erfolgreichen Unternehmern oder Investoren ist wichtig, auch weil ich Gründer, deren Idee ich selbst nicht unterstützen will, dann weitervermitteln kann.

Gibt es Traum-Investments, die Du gerne gemacht hättest?

Ganz egal welche? Ich wäre gerne früh bei Disney eingestiegen – Cartoons sind genau mein Ding. Virgin finde ich super, auch weil Richard Branson ein guter Typ ist, von dem ich eine Menge hätte lernen können. Ein bisschen realistischer: Bei Runtastic wäre ich gerne dabei gewesen, der Gründer Florian Gschwandtner ist unfassbar getrieben von seinem eigenen Produkt. So etwas fasziniert mich.

Du sprichst einerseits von Oliver Samwer und bewunderst Richard Branson – andererseits bist Du aber dagegen, Unternehmen finanziell aufzublasen. Wie passt das zusammen?

Die Leute faszinieren mich. Das heißt ja nicht, dass ich die Art gut finde, wie sie Geschäfte machen. Eine Welt wie die von Oliver Samwer aufzubauen – das muss man erst mal hinbekommen. Davor habe ich Respekt, die Samwer-Brüder haben Unfassbares erreicht.

Joko, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Luca Teuchmann / Gettyimages