Judith Williams

DHDL-Jurorin Judith Williams in Hamburg

Nach dem Austritt von Lencke Steiner bei „Die Höhle der Löwen“ ist sie die einzige Frau in der Jury der Vox-Show: Teleshopping-Queen Judith Williams. Die 45-Jährige ist die Aufmerksamkeit gewöhnt, vor ihrer Karriere als Unternehmerin war sie jahrelang erfolgreiche Opernsängerin, sang im Musical „West Side Story“ oder bei Mozarts „Zauberflöte“.

Vor rund zwanzig Jahren schadete die Behandlung eines Tumors ihrer Stimme jedoch so sehr, dass Williams ihre Karriere aufgeben musste. Noch immer hört man den Klang einer Sopranstimme, wenn man als Zuschauer am Dienstagabend DHDL schaut.

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Williams investierte in den ersten zwei Staffeln etwa 200.000 Euro in drei Startups. In der Show versprach sie Investments von rund 740.000 Euro – zahlreiche Deals platzten allerdings nach der Aufzeichnung.

Das Geld für ihre Investments hat die zweifache Mutter mit ihrem eigenen Unternehmen gemacht, mit dem sie Produkte, beispielsweise ihre eigene Kosmetiklinie, über die Home-Shopping-Sender HSE24 und QVC verkauft. Ihr Unternehmen setzt nach eigenen Angaben einen dreistelligen Millionenbetrag jährlich um.

Bei einer Pressevorführung für Die Höhle der Löwen trafen wir Williams in Hamburg und sprachen mit ihr über geplatzte Deals, unverschämte Gründer und den schlechten Ruf der deutschen Unternehmer.

Frau Williams, Sie sind sehr erfolgreich und haben genug zu tun. Wieso machen Sie überhaupt bei Die Höhle der Löwen mit?

Ich wollte – und das sage ich ganz offen – am Anfang überhaupt nicht mitmachen. Denn ich bin kein typischer Startuper. Und das Letzte, das ich wollte, war es, verschrien zu werden, als die Unternehmerin, die jetzt auch was mit Startups machen will. Ich habe kein BWL studiert, ich habe einen künstlerischen Werdegang. Aber ich habe in den vergangenen Jahres extrem hart für mein eigenes Unternehmen gearbeitet und die erfolgreichste Marke im europäischen Teleshopping aufgebaut. Und ich weiß einige Dinge, die anderen Menschen helfen.

Was hat Sie schlussendlich überzeugt, doch bei der Sendung mitzumachen?

Mein Mann hat mich überredet. Er hat mir gesagt, dass die Show nicht nur Nerds braucht, die ständig Begriffe nutzen, die die normalen Menschen nicht verstehen. Es braucht auch jemanden, der vielleicht andere Menschen von der Idee begeistern kann, selbst Unternehmer zu werden.

Würden Sie heute die selbe Entscheidung treffen?

Ja, weil ich aus Überzeugung Unternehmerin bin und diese Freude auch gerne mit anderen Menschen teilen möchte. Ich finde es schlimm, wenn man Unternehmertum auf einen bösen Kapitalismus reduziert. Unternehmer sein heißt, Verantwortung zu übernehmen, zum Beispiel für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit ihrem Gehalt ihre Familie ernähren.

Sie waren vor ihre Karriere als Unternehmerin jahrelang Opernsängerin. Haben Sie als Löwin einen Vorteil gegenüber Carsten Maschmeyer und Co, da sie schon immer auf der Bühne standen?

Nein, ich habe eher einen Nachteil. Als Künstlerin und Nicht-Betriebswirtin musste ich von der Pike auf lernen, was es heißt, ein Unternehmen zu führen. Und das war nicht immer leicht. Geholfen hat mir aber, dass ich es aus ganzem Herzen mache. Ich liebe das, was ich tue.

Was können die Gründer von Ihnen lernen?

Ich brenne für mein Unternehmen und für meine Produkte, die ich selbst im Detail mitentwickelt habe. Deshalb bin ich natürlich sehr gut in Sales. Ich weiß, wovon ich spreche. Deshalb gibt es kaum ein Produkt, das ich durch meine Verkaufskanäle nicht noch stärker machen kann.

Nicht alle Gründer verkaufen Produkte, die sich für Teleshopping eignen. Gibt es drei allgemeine Weisheiten für Gründer, die Ihnen spontan einfallen?

Das ist von Gründer zu Gründer unterschiedlich, aber eine Grundvoraussetzung ist Fleiß. Man muss ein Strampler sein, jemand, der ständig ackert und weitermacht – auch in einer Phase, in der das Geschäft nicht gut läuft. Außerdem muss der Gründer in einer gewissen Art und Weise unerschrocken sein, vielleicht sogar naiv. Denn wenn man schon am Anfang weiß, was alles auf einen zukommt, dann würde man vielleicht gar nicht erst anfangen. Diese Unerschrockenheit sollte man sich bewahren.

Und drittens?

Drittens sollte man uneitel sein. An erster Stelle stehen immer das Unternehmen und das Produkt – und nicht man selbst.

Als Investorin in der Show haben Sie manchmal nur einige Minuten, selten mehrere Stunden mit den Gründern, um sich ein Produkt und die Geschäftsidee erläutern zu lassen. Klappt das ganz gut oder haben Sie sich auch schon gewaltig verschätzt?

In der dritten Staffel, die wir jetzt abgedreht haben, habe ich mich bei einem Deal extrem verschätzt. Die Gründer waren während der Aufzeichnung sehr engagiert und haben mit viel Herz um das Investment gekämpft. Als die Kameras dann aus waren, habe ich die Gründer in den Besprechungen plötzlich sehr abweisend erlebt.

Wie kam es dazu?

Ich glaube, die wollten Die Höhle der Löwen nur für die eigene Aufmerksamkeit missbrauchen. Schade, denn sie haben die Grundidee der Sendung wohl nicht verstanden und die Chancen, die sich ihnen geboten hätten, nicht erkannt.

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Mehrere Ihrer Deals sind geplatzt, beispielsweise Dr. Severin oder Bademeisterei. Warum?

Öffentlich kann ich das im Detail nicht erklären, da ich niemanden schaden möchte. Generell gilt aber: Wenn ein Gründer in der Sendung angebliche Fakten präsentiert, die sich später als Luftnummern herausstellen, steht der Deal bei der anschließenden Vertragsverhandlung auf wackligen Beinen oder kippt sogar ganz. Das ist übrigens nicht nur bei Die Höhle der Löwen so, sondern generell im Geschäftsleben. Und wir investieren ja auch bei Die Höhle der Löwen unser eigenes Geld.

Fühlen Sie sich von den Gründern veräppelt, wenn ein Deal nach der Aufzeichnung nicht zustande kommt, weil die Gründer absagen?

In der Regel passiert das nicht. Die meisten Gründer erkennen, dass die Show die Chance ihres Lebens ist. Beispiel Little Lunch: Nach dem Einstieg von Frank Thelen und mir stieg deren Jahresumsatz auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Und der Trend geht weiter steil nach oben. Es gibt aber selbstverständlich vereinzelt auch Gründer, die die kurze Aufmerksamkeit, die sie über DHDL bekommen, mit einem nachhaltigen Unternehmenserfolg verwechseln. So etwas ärgert mich. Aber nicht, weil ich veräppelt wurde, sondern weil diese Gründer offenbar nicht verstehen, welche Chancen sie auf der Straße liegen lassen. Hinzu kommt, dass die Gründer auch das Risiko eingehen, dass ihre Geschäftsidee zwar aufgezeichnet wurde, dann aber gar nicht in der Sendung im Fernsehen gezeigt wird.

Eigentlich wollen Investoren mit ihren Investments Geld verdienen. Haben sich die DHDL-Deals für Sie schon gelohnt?

Nein, aber Little Lunch entwickelt sich zum erfolgreichsten DHDL-Produkt aller Zeiten. Wir werden voraussichtlich schon in diesem Jahr die 20-Millionen-Euro-Umsatzmarke schaffen und haben weitere Produkte in der Pipeline. Auch Popcornloop entwickelt sich positiv und wächst nachhaltig. Bei Von Floerke habe ich meine Anteile dagegen wieder verkauft, weil mich der Gründer darum gebeten hatte. Das war so gesehen ein Good-Will-Exit. Sprich: Geld habe ich damit nicht verdient.

Danke für das Interview.

Bild: Hannah Loeffler / Gründerszene