Juniqe-Gründerin Lea Lange

Als Geschäftsführerin und Gründerin von Juniqe zählt Lea Lange zu den erfolgreichsten Frauen der deutschen Startup-Szene. Alleine im vergangenen Jahr ist das Unternehmen der 28-Jährigen um 500 Prozent gewachsen. 65 Mitarbeiter beschäftigen sie und ihre Mitgründer Marc Pohl und Sebastian Hasebrink mittlerweile. Der Umsatz soll in diesem Jahr im höheren achtstelligen Bereich liegen, genaue Angaben möchte die Gründerin dazu allerdings nicht machen.

Auch bekannte Investoren wie Highland Europe glauben an den Erfolg von Juniqe: Gestern gab das Startup ein Investment über 14 Millionen bekannt, womit die Summe an Wagniskapital auf rund 20 Millionen Euro steigt. Ein guter Anlass, um Lea Lange zu ihrer Strategie für Juniqe zu befragen.

Lea, Juniqe verkauft Kunstwerke verschiedener Künstler als Poster und gedruckt auf Kleidung oder Accessoires. Klingt erst einmal nicht sehr außergewöhnlich. Was macht dein Startup erfolgreich?

Juniqe ist ein Marktplatz für kreative und bezahlbare Kunst. Das Wichtige ist, dass wir die Auswahl so zusammenstellen, dass jeder Kunde sein Lieblingsmotiv findet. Entscheidend ist auch, dass hinter jedem Motiv ein Künstler steckt, den man in Interviews oder Videos auf unserer Seite kennenlernen kann. So haben die Kunden eine Geschichte, die sie erzählen können, wenn das Bild bei ihnen an der Wand hängt. Hinzu kommt, dass unsere Kunst erschwinglich ist – auch die sehr großen gerahmten Drucke kosten unter 100 Euro.

Wieso bezeichnest du Juniqe als Marktplatz und nicht einfach als Online-Shop?

Wenn man sich das gesamte Geschäftsmodell anschaut, geht es ganz klar in die Richtung eines Marktplatzes. Wir lassen beispielsweise erst dann produzieren, wenn der Kunde bestellt hat und haben somit keine Lagerware. Dafür haben wir externe Partner, hauptsächlich in Deutschland, die unsere Produktion übernehmen. Allerdings sind wir kein klassischer Marktplatz, wie beispielsweise Ebay, bei dem jeder hochladen kann, was er möchte. Denn die Künstler müssen sich bei uns bewerben und wir kuratieren das Angebot.

Wer sind eure Produzenten?

Wir haben für jede unserer großen Kategorien – Wandbilder, Mode, Wohnen – ein bis zwei Produzenten. Die sitzen fast alle in Deutschland. Häufig sind es Firmen, die in diesem Bereich jahrzehntelange Erfahrungen haben, wie beispielsweise Cewe. Durch diese Kooperationen müssen wir uns das Wissen zur Produktion und Logistik nicht auch noch aneignen – das wäre noch mal ein komplett anderer Bereich.

Sucht ihr aktiv nach den Künstlern oder bewerben die sich immer bei euch?

Wir bekommen jeden Tag Bewerbungen, aber wir haben auch ein Kunst-Sourcing-Team, das nach passenden Künstlern sucht. Natürlich basiert die Auswahl nicht nur auf dem persönlichen Geschmack: Wir haben seit dem Start vor zweieinhalb Jahren Daten gesammelt und wissen mittlerweile sehr gut, was sich verkauft und was nicht. Außerdem orientieren wir uns natürlich an den Fashion- und Interior-Trends.

Anzeige
Was haben die Künstler davon, dass sie ihre Werke über Juniqe verkaufen?

Die Künstler sind bei jedem Verkauf ihrer Bilder am Umsatz beteiligt. Außerdem sind unsere Künstler keine bekannten Persönlichkeiten wie beispielsweise Andy Warhol. Deswegen ist es für sie schön, dass sie durch Juniqe ein riesiges Publikum erreichen, das ihre Werke kaufen kann.

Wie viel verdienen die Künstler?

Die genauen Zahlen kommunizieren wir nicht, aber jeder Künstler wird bei uns gleich vergütet.

2015 ist der Umsatz von Juniqe um 500 Prozent gestiegen. Welche Produkte sind für euch besonders lukrativ?

Am meisten Spaß bringt uns die Kategorie mit den Wandbilder, sagen wir es so (lacht).

Im vergangenen Sommer konntet ihr fünf Millionen Euro einsammeln, jetzt noch mal 14 Millionen Euro. Was passiert mit diesen Millionen?

Ein großes Teil fließt in das Wachstum in Europa. Schon heute machen wir 40 Prozent des Umsatzes außerhalb von Deutschland, vor allem in der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. Für uns gibt es dort ein großes Potential, aber wir stehen noch ganz am Anfang. Wir wollen die Märkte, die gut funktionieren, sehr lokal bedienen.

Heißt das, Juniqe wird langfristig auch Mitarbeiter im Ausland beschäftigen?

Nein, wir wollen keine lokalen Teams aufbauen, sondern dafür sorgen, dass beispielsweise ein französischer Kunde unsere Seite so erlebt, wie er gerne online shoppt – also mit den in Frankreich gängigen Zahlungsmethoden, einer Lieferung zum Pick-up-Point, den sogenannten „Point relais“, und natürlich einer Auswahl an Kunstwerken, die Franzosen besonders gerne mögen. Außerdem werden wir einen großen Teil des Geldes in die Technologie von Juniqe stecken. Wir wollen uns langfristig mehr von einem Shop hin zu einer Online-Galerie entwickeln.

Was genau muss sich verändern, damit Juniqe mehr zu einer Online-Galerie wird?

Wir wissen, dass es unseren Kunden besonders schwer fällt, die Entscheidung über die passende Kombination von Wandbildern zu treffen. Deswegen wollen wir weitere Tools entwickeln, die den Kunden helfen ihre Entscheidung zu fällen. Wir denken gar nicht an irgendeine fancy App, die man nur einmal benutzt. Stattdessen wird es ein Tool geben, mit dem unsere Kunden per Drag and Drop ihre eigene Bilderwand zusammenstellen können – idealerweise mit einem Foto von dem eigenen Zimmer, das man hochladen kann.

Im vergangenen Sommer sagtest du, ihr wollt die Profitabilität „zeitnah“ erreichen. Noch seid ihr nicht profitabel. Soll sich das bald ändern?

Auf jeden Fall. Das Schöne an unserem Modell ist, dass es einen ganz klaren Pfad in die Profitabilität gibt, unter anderem weil wir gute Margen haben und keine Lagerkosten zahlen. In den nächsten zwei bis drei Jahren werden wir profitabel sein.

Was ist die langfristige Strategie?

Wir haben eine, ich nenne es mal, nachhaltige Wachstumsstrategie für Europa. Wir glauben an ein smartes Wachstum, bei dem nicht nur der Umsatz im Fokus steht, sondern auch die langfristige Profitabilität. Wir sehen aktuell noch großes Wachstumspotenzial und wir sind erst ganz am Anfang.

Anzeige
Wie groß ist denn der Markt?

Wir bedienen mit Juniqe drei sehr attraktive und große Märkte: den Markt für Wandbilder, für Fashion und für Living. Natürlich haben auch wir zum Start von Juniqe einige Bierdeckel-Rechnungen gemacht, um zu ermitteln, wie groß der Gesamtmarkt ist. Da kommt man dann zwar auf ganz viele große, tolle Zahlen, aber wenn man Juniqe richtig widerspiegeln will, muss man extrem viele Faktoren berücksichtigen. So leicht lässt sich das also nicht sagen. Wir wissen aber, dass vor uns noch ein immenses Wachstumspotenzial liegt – gleichzeitig bedient niemand die Nachfrage nach bezahlbarer Kunst.

Du hast mit deinem Mitgründer Marc bei dem US-Unternehmen Fab in Berlin gearbeitet, das schlussendlich gescheitert ist. Was habt ihr daraus gelernt?

Wir setzen auf nachhaltiges Wachstum, das sagt eigentlich alles (lacht). Es ging uns nie einfach nur um Wachstum. Das war bei Fab ein bisschen anders, daraus haben wir viel gelernt.

Fab hat, anders als ihr, mit einem Lager gearbeitet. Habt ihr euch deswegen dazu entschieden, ohne Lager und mit externen Produzenten zusammenzuarbeiten?

Auf jeden Fall. Wir kennen alle genügend Beispiele in der Startup-Szene, bei denen die Lagerhaltung, die Retouren und die damit verbundenen Kosten ein großer Nachteil des Geschäftsmodells sind. Das führt auch dazu, dass diese Unternehmen nur sehr langsam profitabel werden. Insofern war es schon unser Anspruch, ein wirklich intelligentes Modell aufzusetzen, das auch leicht skaliert.

Du bist im Gründerteam die einzige Frau. Wie ergänzt du deine Mitgründer?

Ich bin wirklich überzeugt davon, dass Marc, Sebastian und ich als Team einer der Erfolgsfaktoren von Juniqe sind. Die Grundlage ist bei uns allen gleich, wir sind alle BWLer. Aber wir haben komplett unterschiedliche Stärken und Schwächen, auch weil wir drei nach dem Studium in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet haben. Marc hat beispielsweise den Operationsbereich bei Fab aufgebaut und ich habe den Einkauf sowie das Analytics-Team geleitet. Zusammen kommt so das Beste dabei heraus.

Danke für das Interview, Lea.

Lea Lange hat es in diesem Jahr auf die europäische Forbes-Liste der „30 unter 30“ geschafft:

„30 under 30“: Die Deutschen auf der europäischen Forbes-Liste

Die Deutschen auf der europäischen Forbes-Liste

Forbes hat wieder eine Liste veröffentlicht. Diesmal sind es „30 under 30“ aus Europa – in mehreren Kategorien. Wir stellen die Gewinner vor.

Bild: Juniqe