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Das Berliner Team von Jura Online: Moritz Hunsdiek, Eduardo Sampaio, Nikolaus Thomale, Tine Schuster, Maximilian Mitschke, Maximilian Marbe (von links).

Online-Lernplattformen sind gefragt – vor allem bei Juristen, die sich auf ihr Staatsexamen oft monatelang vorbereiten. Wer es sich leisten kann, geht zum Repetitorium und wiederholt den Lernstoff mit einem Dozenten. Trotzdem sollen bis zu 40 Prozent der angehenden 25.000 Juristen jedes Jahr durch die Prüfung rasseln, erzählt Nikolaus Thomale, Gründer der Lernplattform Jura Online.

Sein Startup bietet seit 2013 den Repititor als Online-Lösung. Die Idee dahinter: abhängig vom Kenntnisstand passt sich die Lernumgebung immer wieder dem Nutzer an. Damit sich auf die Lerninhalte zugreifen lässt, muss ein Monatsabo gebucht werden, das bei 9,90 Euro pro Monat startet und je nach Umfang höher zu Buche schlägt. 10.000 angehende Juristen sollen die Plattform bereits für ihre Prüfungsvorbereitungen genutzt haben. „Auf der Plattform halten sich Studenten teilweise bis zu fünf Stunden am Stück auf“, erzählt Thomale.

Die Lerninhalte seien zusammen mit einem Dozenten aus dem juristischen Bereich erstellt worden, sagt Thomale. Hervorgegangen ist die Plattform aus dem Team von Patience.io, ein White-Label-Anbieter für Online-Kurse. Der Gründer von Jura Online und sein mittlerweile 12-köpfiges Team in Berlin und Hamburg haben mit Eigenkapital in bester Bootstrapping-Manier begonnen. Vergangene Woche konnten sie dann ihre erste Finanzierungsrunde erfolgreich abschließen.

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Die Venture Capital-Gesellschaft b-to-v mit Business Angel Bernd Hardes, der sein Geld auch bei XING und Facebook investiert hat, steckt 800.000 Euro in die Lernplattform. „70 Prozent der Investmentsumme wird ins Marketing gesteckt, um mehr User zu gewinnen. 30 Prozent in die Produktentwicklung“, sagt Thomale. Über die bisherigen Umsätze möchte er keine Auskunft geben. Nur so viel: „Wir werden jetzt wieder unprofitabel, weil wir mit dem neuen Investment aufs Wachstum setzen.“

Wettbewerber Lecturio aus Leipzig hat schon 2008 eine vergleichbare Online-Lernplattform für Jura-Studenten gelauncht. Allerdings setzt man hier den Schwerpunkt auf Videos. VC Seventure Partners, Holtzbrinck Ventures und der Technologiegründerfonds Sachsen haben Anfang 2014 drei Millionen Euro in das Unternehmen investiert. Ein weiteres Legal-Startup, das sich an Studierende richtet, ist die Karteikarten-App Repetico. Auch sie schafften die erste Finanzierungsrunde vor zwei Jahren.

Im Vergleich zur Konkurrenz sieht Gründer Thomale die Stärken seines Startups auf Seiten des Unique-Contents. Man greife nicht auf bestehendes Material aus den Repetitorien zurück, stattdessen habe man ein eigenes didaktisches Konzept entwickelt.

Bezüglich der Zukunftsplanung schließt Thomale nicht aus, auf seiner Plattform die Monetarisierung auszubauen: „Kanzleien sind generell interessiert, unsere Nutzer kennenzulernen. In Sachen Recruiting könnten wir uns vorstellen, das Geschäftsmodell dahingehend auszubauen.“ Außerdem werde an weiterem Content gearbeitet, der sich auch an fertige Juristen richtet, die ihren Wissensstand auffrischen wollen.

Bild: Jura Online