Kapitalmarktunion - Startup-Finanzierung - Deutsche Bank

Startups kurbeln die Wirtschaft an

Fakt ist: Startups schaffen Jobs und kurbeln die europäische Wirtschaft an. Eine Untersuchung des Research-Teams der Deutschen Bank zeigt: Zwischen 2001 und 2011 wurden satte 41 % der Jobs in den OECD-Ländern durch Startups geschaffen – bei älteren Unternehmen der gleichen Größe waren es nur 33 %. Die Ökonomen stellen außerdem fest: Je mehr Startups pro Land, desto höher das Bruttoinlandsprodukt.

So weit, so gut. Doch wo wird in der EU eigentlich am häufigsten gegründet? Bei der Gründungsdichte belegen das Vereinigte Königreich, Schweden, Irland und die Niederlande die ersten Plätze – südlich gelegene Länder findet man ganz hinten auf der Liste. Und wie sieht es mit den Unicorns aus? Im ersten Quartal 2016 gab es weltweit 161 Unternehmen mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar – davon 92 aus den USA, 15 aus Europa und vier aus Deutschland.

Die wertvollsten Unternehmen scheinen also auf der anderen Seite des Atlantiks (und auch in Asien) große Geschäftserfolge zu feiern, während Gründer in europäischen Gefilden noch straucheln. Wie lässt sich das erklären?

Finanzierung als Engpass der EU-Gründerszene

Obwohl Startups mit ihren neuen Technologien und innovativen Geschäftsmodellen den Wettbewerb stärken und der Wirtschaft damit Aufschwung verleihen, fehlt ihnen in Europa schlichtweg der einfache Zugang zu Risiko- und Eigenkapital. Gerade in der sogenannten Expansion-Stage (Wachstumsphase) sind Startups auf frisches Geld angewiesen, damit sie Produkt und Vertrieb weiterentwickeln und so den Markt durchdringen können. In der EU gilt die Finanzierung als eine der größten Bremsen bei Neugründungen, neben bürokratischen Hürden und der generellen Zurückhaltung, geschäftliche Risiken einzugehen.

Kapitalmarktunion als Lösungsweg für Finanzierungsstrapazen

Dieses Finanzierungsproblem soll mit der Kapitalmarktunion angegangen werden. Das Vorhaben der Europäischen Kommission zielt darauf ab, dynamischere und integrierte Kapitalmärkte zu etablieren. Ein Kernziel ist dabei die Verbesserung der EU-weiten Geldmittelbeschaffung von Startups.

Das Team von Deutsche Bank Research untersuchte mit der Studie „Start-ups and their financing in Europe“, inwiefern die Kapitalmarktunion Startups die Kapitalbeschaffung erleichtern kann. Denn Banken könnten künftig als eine Art Mittelsmann bei der Finanzierung eine wichtigere Rolle einnehmen. Vier Maßnahmen wurden als vielversprechend identifiziert.

Der Fokus der Untersuchung lag auf größeren Startups in der Expansion-Stage, da in dieser Phase die Unsicherheiten in Bezug auf Geschäftsmodell und Kreditwürdigkeit verschwunden sind, potenzielle Geldgeber somit Bonitätsprüfungen vornehmen können und zu dem Zeitpunkt das konventionelle Risiko-Management funktioniert. (Early-Stage-Startups sind im Gegensatz dazu wenig relevant für Kapitalmärkte, da sie noch keine positiven Erträge verzeichnen und damit keine Sicherheit gewährleisten können.)

4 Maßnahmen, wie die Kapitalmarktunion die Finanzierung von Startups verbessern kann

1. Eigenkapitalfinanzierung über den Kapitalmarkt stärken

Um Startups den Gang an den Aktienmarkt zu erleichtern, sollte die Kapitalmarktunion die Emissionskosten senken. Denn die Notierungsgebühren belaufen sich oft auf bis zu 15 % des Emissionswertes. Die Kapitalmarktunion könnte hier beispielsweise bestehende Regularien lockern oder diese der Firmengröße nach anpassen, damit der Verwaltungsaufwand für kleinere Emittenten – wie Startup-Unternehmen – nicht so hoch ausfällt.

Um zudem die Nachfrage der Anleger zu steigern, könnte es nützlich sein, institutionelle Investoren, die sich an kleinen Unternehmen beteiligen wollen, bevorzugt zu behandeln. Ein Weg könnte sein, die sogenannte Risikogewichtung zu reduzieren. Das heißt, diese Investoren müssten Startup-Beteiligungen mit weniger Eigenmitteln unterlegen. Das könnte helfen, bisher zurückhaltende Investoren wie Versicherungen auch für kleinere Börsengänge zu gewinnen.

2. Besseren Zugang zu Bankkrediten ermöglichen

Startups könnten sich außerdem effizienter finanzieren, wenn Bankdarlehen besser verfügbar wären. Die Kapitalmarktunion könnte dies erreichen, indem sie die Verbriefungsmärkte wiederbelebt. Dabei können Unternehmen Teile ihrer Forderungen handeln, die sie zuvor in Wertpapiere umgewandelt haben. So könnten die Banken das Kreditrisiko an den Kapitalmarkt (wie zum Beispiel Investoren) weitergeben. Um hier die Nachfrage anzukurbeln, müsste die Kapitalmarktunion einen Standard für einfache, transparente und standardisierte Verbriefungen (STS) schaffen, der für Anleger attraktiv ist.

Die Kapitalmarktunion könnte zudem alternative Möglichkeiten entwickeln, um die Kreditwürdigkeit von Startups zu bewerten. So könnte die Kreditvergabe generell erhöht werden.

3. Zugang zu Risikokapital erleichtern

Risikokapital (Venture Capital) ist eine der wichtigsten und effizientesten Finanzierungsquellen für Startups. Um die VC-Investitionen in der EU zu erhöhen, sollte die Kapitalmarktunion unter anderem Regeln lockern. Zum Beispiel solche, die die Portfoliozusammensetzung der Pensionsfonds einschränken. Denn den meisten Pensionsfonds in der EU ist es nicht gestattet, in VC zu investieren (in den USA sieht dies ganz anders aus). Wenn die Fonds flexibler dabei wären, ihre Mittel zu vergeben – je nach Risiko-Rendite-Präferenz der einzelnen Anleger –, wäre mehr Geld für Startups auf dem Markt.

Ein europaweiter VC-Dachfonds würde zudem mehr Privatanleger anziehen und dazu beitragen, dass Ungleichgewichte bei VC-Investments in den einzelnen Ländern reduziert werden.

4. Crowd Funding und Plattform-Konsolidierung forcieren

Geld aus der Crowd ist ebenfalls ein verbreitetes Finanzierungsmodell. Wie kann es in der EU noch weiter gestärkt werden? Die Kapitalmarktunion könnte zum Beispiel durch rechtliche Bestimmungen anstoßen, dass sich verschiedene Finanzierungsplattformen zusammenschließen. Dies würde unter anderem Suchkosten für Investoren und Kreditnehmer reduzieren. Auch könnte sie durch einheitliche Regeln für Crowd-Funding-Plattformen erreichen, dass länderspezifische Gesetzgebungen (Zinsen, stille Beteiligungen, Sachleistungen etc.) vereinheitlicht werden. Grenzüberschreitende Transaktionen innerhalb der EU würden dadurch sicherer werden. Zudem bestünde durch eine Vereinheitlichung die Möglichkeit, Transaktionsgebühren oder Provisionen zu senken.

Die neue Rolle von Banken in puncto Startup-Finanzierung

Die Kapitalmarktunion bietet die große Chance, europäischen Startups die Kapitalbeschaffung zu erleichtern. Und das ist nötig, denn mit dem Brexit verliert die EU einen starken Startup-Hub und damit wichtige Wachstumsimpulse. Um also im globalen Wettbewerb um Innovationen und Jobs mithalten zu können und das Wirtschaftswachstum zu stärken, sollte die Europäische Kommission zeitnah Nägel mit Köpfen machen. Mit diesen neuen Ansätzen würde Banken beispielsweise die Kreditvergabe an Startups leichter fallen. So könnten sie schließlich einen positiven Beitrag zur Startup-Finanzierung leisten.

 

Die Studie „Start-ups and their financing in Europe“ von Deutsche Bank Research kann hier heruntergeladen werden!

 


Die Deutsche Bank bietet Gründern mit ihren Startup-Teams bankgeschäftliche Unterstützung in verschiedenen Entwicklungsphasen. Die Teams sind in sieben deutschen Städten vor Ort und bringen sich mit ihrer Expertise aktiv in das jeweilige Startup-Ökosystem ein. Mit dem Betreuungsmodell soll jungen, skalierenden Unternehmen wichtiges finanzielles Wissen vermittelt und interdisziplinäre Kompetenz an die Seite gestellt werden.

Hier finden Gründer alle Infos zu den Startup-Teams.


 

Artikelbild: Nicolás/eyeem.com