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Veränderung in einer Gesellschaft, die ihre eigenen Gesetze schreibt

Ein Beitrag von Rike Doepgen, Gründerin von Coaching Creatives. Sie ist Career Coach in Berlin und berät Menschen in Change-Prozessen.

Hier geht’s zu Teil 1Teil 2 und Teil 3 der Serie.

4. Etappe: Berufliche Veränderungen. Der Glaube an dich zählt.

Während des gesamten Berufslebens nie gewechselt? Das gehört den 60er, eventuell noch 70er Jahren an. Diese Realität drückt sich beispielsweise in der Bildunterschrift einer Unternehmerzeitschrift aus: „Frau Trude Schmidt, seit 48 Jahren bei Blohm & Hoss tätig: Ihr Blumenstrauß verbunden mit einem warmen Dank für die langjährige Treue.“

Was da nicht steht: Frau Schmidt hatte seit ihrem 60. Geburtstag Angst, nicht mit ihren neuen – und jüngeren – Kolleginnen mithalten zu können. Die wiederum hätten sich eine Veränderung gewünscht, weil Frau Schmidt an unbehandelter Schwerhörigkeit litt und jede Kommunikation mit erhöhten Dezibel vonstatten ging. Also auf immer und ewig im selben Betrieb?

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Berufsbiografie ohne Veränderung – Fluch oder Herausforderung? Im Ernst: Wir sind ein Teil der Gesellschaft, die ihre eigenen Gesetze schreibt. Zum Beispiel im Bezug darauf, wie Kündigungsschutz, Vertragsgestaltung und Anerkennung von Leistung zu handhaben sind. Befristeter Vertrag? Kann schlimm oder ein Segen sein. Unbefristeter Vertrag? Siehe oben, Fluch oder Herausforderung. Bleibt hier der Veränderungswille auf der Strecke?

Auslöser für Veränderungen im Job

Was also sind die Auslöser für Veränderungen im Job? Da wären Leidensdruck und Sehnsucht. So einfach ist das mit unserer Psyche manchmal. Leidensdruck will weg von etwas, Sehnsucht will hin zu etwas. Beide wollen die maximale persönliche Zufriedenheit gewinnen, nur die Power, die Energie, mit der das geschieht, ist sehr unterschiedlich.

Leidensdruck entsteht, wenn die Parameter im Job nicht so sind wie gedacht, unsere Vorstellung muss der Realität komplett weichen. Leidensdruck kann aber auch durch die Erkenntnis ausgelöst werden, „So geht’s nicht weiter, ich muss was tun“. Und er oder sie, je nachdem, wer nun diese Erkenntnis hat, tut nichts! Steckengeblieben!

Wenn Veränderung so interpretiert wird, dann steht Jobwechsel für etwas Bedrohliches, für Kontrollverlust, Abschied von Altem, Verwirrung, Unsicherheit, für das Risiko, nichts Neues zu finden, krank zu werden, für mögliche Einsamkeit. Und da soll jemand freiwillig hineinspringen? No way! Wer aber sagt „Eigentlich will ich, aber ich kann nicht“, dem kann geholfen werden. Der Wille zählt.

Auf der Rückseite der Medaille: die Sehnsucht. Sie zieht uns zu neuen Ufern, die erobert werden wollen. Sie lässt Veränderung spielerisch aussehen. Bunt, leicht, erlaubt. So sieht sie im besten Falle aus. Allerdings mit Suchtfaktor. Ständig den Job zu wechseln, macht niemanden glücklich

Innere Glaubenssätze vs. neue Erfahrung

Unsere inneren Glaubenssätze verbieten uns manchmal eine neue Erfahrung: „Das kannst du doch nicht machen, du lässt dein ganzes Team im Stich, was denkt denn dein Partner (oder deine Freundin) über dich, und erst recht deine Eltern, nach so kurzer Zeit schon wieder woandershin zu ‚hoppen‘, das macht sich im Lebenslauf nicht gut, du musst jetzt mindestens mal zwei Jahre durchhalten…“ So reden die Zweifel, Gewissensbisse und Schuldgefühle mit uns.

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Durchhalten? Und wenn die Sehnsucht spricht, dann geht es nicht darum, durchzuhalten, sondern ums Ausprobieren: „Das wollte ich schon immer mal machen und jetzt gibt es da auch noch eine Stellenausschreibung, die wie für mich gemacht ist!“ Fehler? Sind willkommen, gehören zum Ausprobieren. Von zehn verschiedenen Stationen waren zwei etwas „wurmstichig“? Na bestens, die Bilanz stimmt doch.

Durch Intuition zur Inspiration* Was hält dich zurück? Was bringt dich in Bewegung? Wie gut bist du auf Veränderungen eingestellt? Wo ist deine Neugier größer als deine Angst? Welche Veränderung war deine Beste bisher? Was willst du unbedingt erreichen? Wer fängt dich auf bei Rückschlägen, wenn es zäh wird? Welcher Wechsel würde deinem Leben den richtigen Kick geben?

*Dieser Inspirations-Kasten soll helfen, eine kurze Verschnaufpause für die innere Stimme, die eigene Intuition, einzulegen. Neben der gut ausgebildeten Ratio und den Vernunft-Entscheidungen – die auch sein müssen.

Veränderung im Job ist also normal und höchst wünschenswert – es kommt einfach auf die richtige Dosierung an. Mit der inneren Erlaubnis von „das darf sein, das gehört dazu“ stellt man sich zumindest schonmal nicht dagegen. Der unschätzbare Vorteil für jeden einzelnen ist es, seine Kreativität und Vielfältigkeit ausleben zu können, in unterschiedliche Unternehmenswelten einzutauchen, eine Menge neue Leute kennenzulernen.

Wenn wir dahin kommen könnten, dass das Festhalten an Schreibtischsesseln, das eindimensionale Denken, wie eine Karriere auszusehen hat, von frischen, bunten Lebensentwürfen, von Menschen, die wissen, wer sie sind und daher Neid und Konkurrenz keinen Platz mehr haben, überholt wird – ja, dann wäre unsere Gesellschaft ein ganz großes Stück reicher.


BILD: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen BESTIMMTE RECHTE VORBEHALTEN VON Robert Couse-Baker