oliver herbig karrieretutor

Wenn der Job schon einen Großteil unserer Zeit ausmacht, dann soll er auch Spaß machen, findet Oliver Herbig. Er hat die Weiterbildungs-Plattform Karriere Tutor geschaffen, wo Nutzer ihre Karrieren in den Bereichen IT, Management oder Marketing ankurbeln können. Herbig vermittelt dort aber nicht nur Fachliches, sondern auch Sozialkompetenzen. Sonst werde man zum „Fachidiot“, so Herbig.

Der 46-Jährige gründete die Plattform 2015 gemeinsam mit Andrea Fischer, neben den beiden ist auch Marc Bachmann Geschäftsführer. Bereits seit dem 7. Monat finanziert sich Karriere Tutor aus den eigenen Einnahmen. 2016 machte die Firma drei Millionen Euro Umsatz. In der ersten Jahreshälfte 2017 konnte das Startup bisher 2,3 Millionen Euro umsetzen und beschäftigt inzwischen 30 Mitarbeiter in Königstein im Taunus.

Oliver, Du willst Menschen glücklich machen – und das mit einer Weiterbildung. Ist das nicht nur ein sehr kleiner Teil, um Menschen zum Glück zu verhelfen?

Das ist ein entscheidender Teil, weil der Job einen Großteil unserer Lebenszeit ausmacht. Und die Meisten verbinden den Beruf nicht ausschließlich mit glücklichen Momenten, Spaß und Erfolg. Oft geht es um Belastung, es geht auf die Psyche. Unsere Mission ist es, dass man bei der Arbeit sogar mehr Spaß hat, als in der Freizeit, mit der Familie oder im Urlaub.

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Hast Du Dich in Deinem Job auch unwohl gefühlt?

Ja, ich bin in meinem vorherigen Job sehr früh aufgestiegen, hatte sehr verantwortungsvolle Aufgaben in jungen Jahren. Das waren nicht immer schöne Momente, wenn es um Konkurrenzkampf oder schwierige Projekte oder Kunden ging. Aber wenn man lernt, damit umzugehen, dann merkt man, dass es Spaß machen kann. Herausforderungen können ja gesund für Menschen sein.

Du sprichst von Sozialkompetenzen. In Euren Kursen wie IT oder Marketing geht es aber hauptsächlich um fachliches Wissen, oder?

Wir kombinieren in unseren Kursen beides miteinander. Je weiter ich im Beruf komme, desto mehr habe ich es auch mit Menschen zu tun, mit Führung. Wer in einer Fachkompetenz wächst, aber in sozialer Kompetenz oder Selbstmanagement und Persönlichkeitsentwicklung nicht mitwächst, der wird nicht erfolgreich, sondern zum „Fachidiot“.

Ihr bietet diese Kurse ausschließlich online an?

Im Wesentlichen ja, unsere Lern-Plattform ist 24 Stunden am Tag nutzbar und wir nutzen alle Möglichkeiten der digitalen Welt. Wir kombinieren das alleinige Lernen mit dem Gruppen-Lernen. Dabei treffen Nutzer dann mit anderen Menschen zusammen und können sich austauschen. Aber komplett online. Wenn Teilnehmer einen Lernplatz von uns benötigen, haben wir Deutschland über 70 Standorte.

Wie findet dieser Austausch statt? Per Chat oder Video-Konferenz?

Wir benutzen alles, was die moderne Technologie hergibt. Bei den Kursen mit Tutoren setzen wir auf Video-Konferenzen, so dass sich alle sehen und hören können. Sie können sich aber auch in Arbeitsgruppen in virtuelle Räume zurückziehen oder mit dem Tutor zusammentreffen.

Auch die Tests für Eure anerkannten Abschlüsse finden online statt. Wie stellt Ihr sicher, dass Teilnehmer nicht betrügen?

Der Teilnehmer setzt sich vor seine Kamera und eine Test-Aufsicht spricht dann mit ihm. Er muss zusätzlich mit der Kamera den Arbeitsplatz zeigen und beweisen, dass dort keine Hilfsmittel liegen. Danach geht die Prüfung los und der Teilnehmer darf sich nicht von dem Bildschirm wegbewegen. Wer auf Toilette will, muss sich also abmelden (lacht).

2015 hast Du das Unternehmen gegründet. Bereits ein Jahr danach habt Ihr schon siebenstellige Umsätze erwirtschaftet. Wie habt Ihr das so schnell geschafft?

Einfach dadurch, dass wir ein digitales Geschäftsmodell haben, das überall in Deutschland funktioniert. Wir müssen keine Rücksicht auf den Standort nehmen und konnten Firmenkunden in München oder Berlin ansprechen. Wir konnten Teilnehmer, die sich momentan nicht im Job befinden, überall ansprechen. Wir arbeiten dafür mit der Agentur für Arbeit zusammen. Unser Angebot integriert sich in das Leben der Menschen, trifft den Nerv der Zeit – so kam 2016 das Wachstum zustande, das wir in diesem Jahr toppen werden.

Dass Dein Angebot fast ausschließlich online ist, wird aber sicherlich auch Nachteile haben? Nicht jeder Kunde wird diese Art der Bildung wollen.

Ich sehe keinen Nachteil. Wenn ein Teilnehmer aber einen Ort benötigt, um sich abzuschotten, dann bieten wir die Möglichkeit, zu einem unserer Standorte zu kommen. Aber der Rest der Gruppenteilnehmer und der Tutor werden trotzdem online sein. Die meisten machen das aber nur wenige Tage von unserem Standort und später von ihrem Arbeitsplatz zuhause aus und sparen sich die Anfahrt, Staus oder Parkgebühren.

Warum setzt Ihr so streng auf online?

Weil alles, was in der Zukunft an Technologien kommt, wie künstliche Intelligenz oder Virtual Reality, auch in der Weiterbildung Einzug halten wird. Wir wollen ganz vorne dabei sein und daher ist Online das Einzige, was Sinn ergibt. Das funktioniert offline in einem Klassenraum nicht.

Was ist Euer Geschäftsmodell? Und müsst Ihr einen Teil der Einnahmen an die Tutoren auszahlen?

Wir verdienen Geld über die Kurse. Die Tutoren sind bei uns meist fest angestellt und bekommen ein gutes Gehalt. Wir wollen dadurch die Qualität sicherstellen und die Tutoren an uns binden. Deshalb gehören auch alle Lern-Inhalte uns.

Du und zwei weitere Gründer halten alle Anteile am Unternehmen. Ihr habt Euch gegen Investoren entschieden?

Richtig, wir haben nur eine ganz kleine Finanzierung zum Start aufgenommen. Aber ansonsten haben wir keine Investoren. Das Ganze lief damals über die Hausbank und eine Beteiligung vom Bund mit der sehr überschaubaren Summe von 100.000 Euro. Damit kommt man in großen Unternehmen nicht weit. Seit dem 7. Monat haben wir den Break-Even erreicht und konnten das Unternehmen aus dem Cash-Flow ausbauen.

Wollt Ihr auch künftig keine Investoren an Bord haben?

Wir wollen auch in den nächsten Monaten und Jahren ein gesundes Wachstum aus eigener Kraft hinlegen. Wir haben zwar ab und zu Gespräche mit potenziellen Investoren, aber bisher hat sich da keine Partnerschaft entwickelt.

Bild: Karriere Tutor